In Russland beginnen die Probleme auf dem Treibstoffmarkt auf den Straßengüterverkehr durchzuschlagen. Spediteure und Logistikunternehmen warnen ihre Kunden vor höheren Preisen. Nach Angaben von Marktteilnehmern werden für einzelne Transporte bereits Aufschläge von mindestens zehn Prozent angekündigt. Besonders spürbar ist der Druck auf langen Strecken, im Süden Russlands, auf der Krim und im Verkehr mit China.
Auslöser sind nicht nur steigende Dieselpreise, sondern vor allem Unsicherheit bei der Versorgung. In mehreren Regionen berichten Transportunternehmen von Einschränkungen beim Tanken, Warteschlangen an Tankstellen und Verzögerungen bei Lieferungen. Betroffen sind nach Angaben der Branche unter anderem Südrussland, Sibirien und mehrere Grenzregionen. Für Fuhrunternehmen wird es dadurch schwieriger, Fahrten zuverlässig zu planen. Auf manchen Routen verlängern sich Lieferzeiten, weil Fahrer erst Tankstellen mit verfügbarem Diesel suchen oder in Warteschlangen stehen müssen.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung auf den internationalen Strecken und im Handel mit China. Dort sind die Kosten für Lkw-Transporte nach Angaben von Logistikern innerhalb von anderthalb Wochen um durchschnittlich rund 700 Dollar pro Fahrt gestiegen. Auf der Strecke von der Mandschurei nach Moskau liegen die üblichen Kosten für einen Sattelzug bei etwa 760.000 bis 830.000 Rubel; allein der Treibstoffaufschlag soll zuletzt um 50.000 bis 70.000 Rubel pro Fahrzeug gestiegen sein. Einige Marktteilnehmer schließen weitere Aufschläge nicht aus, falls sich die Lage nicht normalisiert.
Die Treibstoffknappheit wirkt sich auch auf die Geschwindigkeit der Transporte aus. Auf chinesischen Routen sank die tägliche Fahrleistung nach Angaben eines Logistikunternehmens von früher 600 bis 700 Kilometern auf etwa 500 Kilometer. Zusätzlich können Wartezeiten an Tankstellen bis zu einem Tag kosten. Einige Unternehmen prüfen deshalb Umwege über Kasachstan, wo Treibstoff zwar als qualitativ schwächer gilt, aber leichter verfügbar sein soll. Dieser Ausweichweg bringt jedoch neue Probleme mit sich, etwa zusätzliche Zollkontrollen.
Auch im russischen Binnenverkehr werden längere Strecken unattraktiver. Manche Fuhrunternehmer nehmen Aufträge über große Distanzen gar nicht mehr an, weil sie nicht sicher sein können, unterwegs ausreichend Diesel zu bekommen. Stattdessen bevorzugen sie regionale Fahrten innerhalb von Ballungsräumen, etwa im Umkreis von 100 bis 150 Kilometern. Andere Anbieter akzeptieren Fernfahrten nur noch zu deutlich höheren Preisen. Auf einzelnen Magistralstrecken beobachten Marktteilnehmer bereits durchschnittliche Preissteigerungen von etwa zehn Prozent.
Besonders hart trifft die Lage kleinere Transportunternehmen und Einzelunternehmer. Große Flottenbetreiber verfügen eher über langfristige Verträge, Tankkarten und feste Liefervereinbarungen. Kleinere Anbieter fallen dagegen schneller unter Beschränkungen, die eigentlich für Privatkunden gelten. Während große Unternehmen teilweise 200 Liter über Tankkarten beziehen können, erhalten Einzelunternehmer nach Angaben aus der Branche teils nur 60 Liter wie normale Privatpersonen. Für Fernfahrten ist das kaum kalkulierbar.
Ein zusätzlicher Kostentreiber ist der Wegfall früherer Rabatte. Tankkarten und Bonusprogramme ermöglichten Speditionen bisher teils erhebliche Preisnachlässe auf Kraftstoff. Diese Rabatte wurden nach Angaben von Logistikern stark reduziert. Statt früherer Nachlässe von zeitweise bis zu 16 Prozent seien teilweise nur noch rund 3,5 Prozent übrig; in der Branche wird damit gerechnet, dass auch diese Vergünstigungen verschwinden könnten. Damit müssen viele Unternehmen den Diesel praktisch zum Tagespreis kaufen.
Die Folgen treffen nicht nur die Spediteure. Da Treibstoff etwa 30 Prozent der Kosten im Straßengüterverkehr ausmacht, kann ein flächendeckender Anstieg der Kraftstoffpreise um zehn Prozent die Selbstkosten einer Fernfahrt bereits um rund drei Prozent erhöhen. Bei knappen Margen reicht das aus, um Preisanpassungen auszulösen. Viele Transportunternehmen arbeiteten ohnehin an der Grenze der Wirtschaftlichkeit, heißt es in der Branche. Wenn sich die Lage in den kommenden Wochen nicht bessert, dürften weitere Anbieter ihre Preise anheben.
Ein Ausweichen auf die Eisenbahn ist nur begrenzt möglich. Zwar kann die Schiene auf sehr langen Strecken, etwa vom Fernen Osten in den europäischen Teil Russlands, einen Teil der Last übernehmen. Für die meisten Konsumgüter bleibt der Lkw aber flexibler und schneller. Bis vor Kurzem lagen die Kosten für Straßentransporte pro Kubikmeter Fracht in vielen Fällen nahe bei den Containerkosten, wenn man die gesamte Lieferung von Tür zu Tür berechnet. Gleichzeitig war der Lkw oft deutlich schneller.
Damit trifft die Treibstoffkrise einen empfindlichen Punkt der russischen Wirtschaft. Der Straßengüterverkehr ist für viele Lieferketten kaum zu ersetzen. Wenn Diesel knapp bleibt, steigen nicht nur die Transportkosten, sondern auch die Preise für Waren, deren Lieferung vom Lkw abhängt. Noch hoffen viele Auftraggeber, dass sich die Lage beruhigt und akzeptieren neue Tarife nur zögerlich. Doch die Branche bereitet sich bereits darauf vor, dass höhere Frachtpreise nicht nur ein kurzfristiger Ausschlag bleiben.

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