Das geschätzte Gesamtvermögen der 20 reichsten Frauen Russlands ist binnen eines Jahres um 6,8 Milliarden Dollar gesunken. Nur noch vier gelten als Milliardärinnen. Hinter der Bilanz stehen unterschiedliche Entwicklungen – von Kriegsfolgen bei Wildberries bis zu schwächeren Unternehmensgewinnen.
Nach dem neuen Forbes-Ranking verfügen die Teilnehmerinnen zusammen über 18,95 Milliarden Dollar, gegenüber 25,75 Milliarden im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang um rund 26,4 Prozent. Die Zahl der Dollar-Milliardärinnen schrumpfte von neun auf vier: Tatjana Kim, Jelena Baturina, Ljudmila Kogan und Jekaterina Fedun.
Die Unterscheidung ist wichtig: Die 6,8 Milliarden Dollar beziehen sich auf die gesamte Rangliste, nicht allein auf die verbliebenen Milliardärinnen. Außerdem werden zwei Jahreslisten verglichen, deren Zusammensetzung nicht vollständig identisch ist.
Wildberries bleibt vorn – mit deutlich niedrigerer Bewertung
Tatjana Kim führt die Liste weiterhin an. Forbes schätzt ihr Vermögen auf fünf Milliarden Dollar, nach 7,1 Milliarden im Vorjahresranking. Als Gründe nennt die Redaktion den Rückgang am Aktienmarkt und ukrainische Drohnenangriffe auf Wildberries-Lager.
Dabei handelt es sich um Vermögensschätzungen. Die Differenz lässt sich weder mit einem entsprechenden Geldabfluss noch mit der Höhe der zerstörten Lagerbestände gleichsetzen. Unternehmensbewertungen berücksichtigen auch Erwartungen an künftige Erträge und Risiken.
Unterschiedliche Branchen, unterschiedliche Ergebnisse
Bei anderen Teilnehmerinnen verweist Forbes auf konkrete Geschäftsentwicklungen. Die wichtigste operative Gesellschaft der Kosmetikhandelsgruppe um „L’Etoile“ und „Podruschka“, an der Tatjana Wolodina beteiligt ist, verzeichnete 2025 einen Verlust von einer Milliarde Rubel. Beim Agrarkonzern Sodruschestwo, dessen Miteigentümerin Natalja Luzenko ist, sank der Gewinn im Geschäftsjahr 2024/25 auf ein Achtel. Wiktorija Michelsons Bewertung litt unter fallenden Nowatek-Kursen.
Eine Gegenbewegung zeigt Ljudmila Kogan: Ihr geschätztes Vermögen stieg von 1,2 auf 1,25 Milliarden Dollar. Forbes verweist auf die Dividenden der Bank Uralsib, deren Aktien sie mehrheitlich hält.
Das Ranking bildet somit verschiedene Branchenrisiken und Eigentumspositionen ab. Einen einheitlichen wirtschaftlichen Trend für Unternehmerinnen insgesamt kann es nicht belegen.
Keine erstmals gelisteten Namen
Erstmals enthält die Rangliste keine Teilnehmerin, die zuvor noch nie darin vertreten war. Eine Rückkehr gibt es allerdings: Evalar-Gründerin Larissa Prokopjewa steht wieder auf der Liste.
Das ist eine Momentaufnahme der Vermögensspitze, kein Urteil über die Chancen sämtlicher Unternehmensgründerinnen. Aussagekräftig ist vor allem, wie unterschiedlich sich Geschäftslage, Ausschüttungen und Bewertungen selbst innerhalb dieses kleinen Kreises entwickeln. Weniger Milliarden in der Rangliste bedeuten deshalb weder überall dieselben Verluste noch automatisch weniger wirtschaftlichen Einfluss.

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