Russlands föderaler Haushalt ist nach den ersten sieben Monaten des Jahres mit 6,46 Billionen Rubel ins Minus gerutscht. Damit übersteigt das Defizit den für das gesamte Jahr vorgesehenen Betrag bereits um gut 70 Prozent. Gleichzeitig meldet die mehrheitlich staatliche Sberbank weiter kräftig steigende Gewinne.
Nach vorläufigen Angaben des Finanzministeriums beliefen sich die Einnahmen von Januar bis Juli auf 22,1 Billionen Rubel, während die Ausgaben fast 28,6 Billionen Rubel erreichten. Allein im Juli wuchs das Haushaltsloch um rund 724 Milliarden Rubel. Im Juni war noch ein vorübergehender Überschuss von 196 Milliarden Rubel erzielt worden.
Für das Gesamtjahr sieht das Haushaltsgesetz bislang ein Defizit von 3,79 Billionen Rubel beziehungsweise 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor. Nach sieben Monaten sind jedoch bereits 6,46 Billionen Rubel oder 2,8 Prozent des BIP erreicht. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres stieg das Defizit um rund 40 Prozent.
Das Finanzministerium erklärt die Entwicklung vor allem mit der vorgezogenen Finanzierung staatlicher Ausgaben. Verträge seien frühzeitig geschlossen und Zahlungen teilweise im Voraus geleistet worden. Insgesamt erhöhten sich die Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um 14,5 Prozent.
Hinzu kommen rückläufige Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor. Sie sanken um 16,8 Prozent auf knapp 4,6 Billionen Rubel. Verantwortlich seien vor allem die niedrigeren Ölpreise in den zurückliegenden Monaten. Abgefedert wurde der Rückgang durch die übrigen Einnahmen des Staates: Die Einnahmen außerhalb des Öl- und Gassektors stiegen um 18,3 Prozent auf 17,5 Billionen Rubel. Allein die Mehrwertsteuereinnahmen legten um fast 25 Prozent zu.
Während der föderale Haushalt unter Druck steht, verdient die größte russische Bank weiterhin auf Rekordniveau. Die Sberbank erzielte nach russischen Rechnungslegungsstandards von Januar bis Juli einen Nettogewinn von 1,16 Billionen Rubel. Das waren 19,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Juli verdiente die Bank 168,4 Milliarden Rubel, 16,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Wichtigster Wachstumstreiber waren die Nettozinserträge, die um 24,4 Prozent auf 2,1 Billionen Rubel stiegen. Die Provisionserträge stagnierten dagegen nahezu. Die Eigenkapitalrendite lag bei 22,9 Prozent.
Von den hohen Bankgewinnen profitiert auch der Staat. Russland hält über das Finanzministerium 50 Prozent plus eine Aktie an Sber. Für das Geschäftsjahr 2025 schüttet die Bank insgesamt die Rekordsumme von 850,2 Milliarden Rubel aus. Davon fließen etwas mehr als 425 Milliarden Rubel in den föderalen Haushalt.
Gemessen am derzeitigen Haushaltsdefizit bleibt dieser Beitrag allerdings begrenzt: Die staatliche Sber-Dividende entspricht nur etwa 6,6 Prozent des Fehlbetrags der ersten sieben Monate. Sie deckt nicht einmal das im Juli neu entstandene Defizit vollständig ab.
Auch der jetzt gemeldete Gewinn von 1,16 Billionen Rubel steht dem Haushalt nicht unmittelbar zur Verfügung. Er bildet allenfalls die Grundlage für die Dividende, die Sber im kommenden Jahr auf den Gewinn von 2026 zahlen könnte. Nach der geltenden Dividendenpolitik werden gewöhnlich 50 Prozent des Jahresgewinns ausgeschüttet.
Die gleichzeitig veröffentlichten Zahlen zeichnen damit zwei sehr unterschiedliche Bilanzen derselben Wirtschaft: Hohe Zinsen und kräftige Zinserträge sorgen bei der dominierenden Staatsbank für steigende Gewinne. Für den föderalen Haushalt reichen Dividenden und wachsende Steuereinnahmen außerhalb des Rohstoffsektors jedoch nicht aus, um die hohen Ausgaben und die sinkenden Öl- und Gaseinnahmen auszugleichen.

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