Russlands Energiegeschäft: Mehr Geld für Öl, weniger Förderung

Russlands Energiegeschäft: Mehr Geld für Öl, weniger Förderung

Russlands Ölexporte haben den höchsten Wochenwert seit Ende Mai erreicht. Lieferausfälle im Nahen Osten treiben die Preise und die Nachfrage nach russischem Rohöl. Doch hinter den steigenden Exporterlösen stehen auch Probleme im eigenen Land. Beim Gas bleibt unterdessen die Europäische Union ein bedeutender Abnehmer.

Russland hat binnen einer Woche Rohöl im geschätzten Wert von 2,42 Milliarden US-Dollar zur Ausfuhr verladen. Das waren rund 620 Millionen Dollar mehr als in der Vorwoche – ein Anstieg um etwa ein Drittel. Wie The Bell unter Berufung auf Bloomberg berichtet, kamen zwei Entwicklungen zusammen: höhere Preise infolge des Nahostkrieges und die stärksten Ausfuhren seit Mitte Mai. Die Berechnungen beruhen auf Tankerbewegungen; sie erfassen den geschätzten Wert der Ladungen, nicht die Gewinne der Unternehmen oder die Einnahmen des russischen Staatshaushalts.

Russland profitiert dabei von den Schwierigkeiten seiner wichtigsten Kunden, andere Lieferquellen zu nutzen. China und Indien nehmen den weitaus größten Teil des russischen Rohöls ab. Ihre Raffinerien stehen wegen der gestörten Transportwege aus dem Nahen Osten unter Druck.

Nach dem Bericht hat Iran die Straße von Hormus faktisch gesperrt. Saudi-Arabien wich deshalb auf seine Ost-West-Pipeline zum Roten Meer aus, die jedoch am 10. September durch Drohnenangriffe außer Betrieb gesetzt worden sei. Hinzu kommen Angriffe der Huthis auf Tanker und die US-Blockade von Schiffen mit Verbindungen zu Iran. Letztere habe Lieferungen nach China von etwa 1,5 Millionen Barrel täglich zum Erliegen gebracht.

Diese Engpässe verteuern russisches Öl. Laut den von Bloomberg angeführten Daten von Argus Media erzielten Lieferungen nach Indien zuletzt die höchsten Erlöse seit Anfang Mai. Die fernöstliche Sorte ESPO wird chinesischen Raffinerien auf Lieferbasis sogar mit einem Aufschlag von mehr als 20 Dollar je Barrel gegenüber Brent-Futures angeboten. Dabei handelt es sich um Angebotspreise einschließlich Lieferung, nicht um einen unmittelbar vergleichbaren Erlös am russischen Exporthafen.

Auch die Ausfuhrmengen steigen. Im Vierwochendurchschnitt bis zum 13. September erreichten die erfassten Exporte 3,54 Millionen Barrel täglich. Besonders stark legte Ust-Luga an der Ostsee zu: Für September werden dort gegenüber August rund 160.000 zusätzliche Barrel pro Tag erwartet, ein Plus von etwa einem Drittel. Um Kapazitäten freizumachen, wurden die dort vorgesehenen kasachischen KEBCO-Ausfuhren nach Noworossijsk umgeleitet.

Ein Teil des zusätzlichen Rohöls steht allerdings deshalb für den Export bereit, weil russische Raffinerien nach ukrainischen Angriffen weniger verarbeiten können. Steigende Rohölausfuhren sind insofern auch eine Folge beschädigter heimischer Verarbeitungskapazitäten.

Die Förderung selbst schrumpft weiter. Im August sank sie laut den von Bloomberg herangezogenen OPEC-Schätzungen aus Sekundärquellen den neunten Monat in Folge auf 8,72 Millionen Barrel täglich. Damit lag sie mehr als eine Million Barrel unter der Menge, die Russland nach den OPEC+-Vereinbarungen fördern dürfte.

Beim Gas zeigt sich ein anderes Bild. Wie Kommersant unter Berufung auf Eurostat berichtet, bezog die EU im Juli russisches Pipeline- und Flüssiggas für rund 1,1 Milliarden Euro. Russland lag damit hinter Norwegen, den USA und Algerien auf Rang vier. Im Juni waren es noch 1,35 Milliarden Euro und der zweite Platz gewesen.

Für Januar bis Juli betrug Russlands Anteil an den Gasimporten der EU nach dieser wertmäßigen Betrachtung 17 Prozent. Nur die USA mit 27,9 Prozent und Norwegen mit 18,3 Prozent lagen davor. Diese Anteile beschreiben den Importwert; sie lassen sich nicht ohne Weiteres als Anteile an der gelieferten Gasmenge lesen.

Die Zahlen zeigen, wie unterschiedlich sich Russlands Energiegeschäft entwickelt: Beim Öl verschafft die internationale Versorgungskrise den Exporteuren höhere Erlöse, während Förderung und Verarbeitung unter Druck stehen. Beim Gas bleibt Europa trotz des politischen Bruchs ein zahlender Kunde.

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