Russlands Automarkt wächst nicht – doch Toyota, BMW und Audi sind wieder gefragt

Russlands Automarkt wächst nicht – doch Toyota, BMW und Audi sind wieder gefragt

Russlands Neuwagenmarkt dürfte auch im kommenden Jahr kaum wachsen. Während AvtoVAZ mit einer anhaltenden Stagnation rechnet, verschieben sich innerhalb des Marktes jedoch die Gewichte: Viele russische Käufer interessieren sich wieder verstärkt für Marken, die das Land nach Beginn des Ukrainekriegs offiziell verlassen haben. Ihre Fahrzeuge kommen inzwischen vor allem aus China.

Der russische Markt für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge werde 2026 und 2027 bei jährlich etwa 1,4 bis 1,45 Millionen Fahrzeugen verharren, erklärte der für Außenbeziehungen zuständige AvtoVAZ-Vizepräsident Sergej Gromak auf dem Östlichen Wirtschaftsforum. Zwar sei ein geringfügiges Wachstum zu beobachten, für eine deutliche Belebung gebe es jedoch „keine fundamentalen Voraussetzungen“.

Die jüngsten Zahlen des Herstellers passen zu dieser zurückhaltenden Einschätzung. Im August setzte AvtoVAZ in Russland 29.200 Fahrzeuge der Marke Lada ab, 3,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. In den ersten acht Monaten waren es insgesamt 212.300 Autos. Im gesamten Jahr 2025 hatte der Konzern auf dem Heimatmarkt 338.500 Fahrzeuge verkauft – 26 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Auch der Export stagnierte mit 20.700 Fahrzeugen.

Die erwartete Stagnation bedeutet allerdings nicht, dass auf dem russischen Automarkt nichts geschieht. Vielmehr findet innerhalb des begrenzten Gesamtmarktes eine bemerkenswerte Umschichtung statt. Händler berichten von einem kräftig gestiegenen Interesse an Toyota, Mazda, BMW, Volkswagen und Audi – also Marken, die ihre offiziellen Aktivitäten in Russland eingestellt oder stark eingeschränkt haben.

Nach Angaben der Branchenagentur Autostat stieg der Absatz europäischer Marken von Januar bis Juli um 89 Prozent auf 38.300 Fahrzeuge. BMW führte mit 8.800 verkauften Autos und einem Zuwachs von 32 Prozent. Volkswagen steigerte seinen Absatz auf 8.700 Fahrzeuge und damit auf das 3,6-Fache des Vorjahreswertes. Bei Audi verfünffachten sich die Verkäufe auf 7.100 Fahrzeuge. Besonders gefragt ist dort offenbar der Audi Q5.

Noch stärker fällt die Entwicklung bei einigen japanischen Herstellern aus. Toyota blieb mit knapp 13.000 Fahrzeugen die mit Abstand beliebteste der über alternative Kanäle eingeführten ausländischen Marken. Die Mazda-Verkäufe erhöhten sich in den ersten sieben Monaten auf das 7,7-Fache, die von Nissan auf das Siebenfache. Im Juli entfielen 8,2 Prozent des gesamten russischen Neuwagenmarktes auf japanische Marken, 4,3 Prozent auf deutsche und 1,6 Prozent auf südkoreanische.

Der Rückzug der Hersteller hat somit nicht zum Verschwinden ihrer Autos geführt. An die Stelle der offiziellen Importe ist ein längst eingespieltes Netz aus Parallel- und Alternativimporten getreten. Rund 66 Prozent der in Russland neu zugelassenen Fahrzeuge internationaler Marken wurden nach Angaben eines Autohändlers in China hergestellt. Weitere Lieferwege führen über Kirgisistan und Kasachstan; amerikanische Premiummodelle und seltene Ausführungen kommen häufig aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.

China übernimmt dabei eine Doppelrolle: Das Land liefert nicht nur seine eigenen Automarken nach Russland, sondern ist zugleich Produktionsstandort für Toyota, Volkswagen, BMW und andere internationale Konzerne. Manche der eingeführten Fahrzeuge wurden ursprünglich eigens für den chinesischen Markt entwickelt. Ein chinesischer BMW der 3er-Reihe kann sich daher deutlich von dem gleichnamigen deutschen Modell unterscheiden.

Begünstigt wird der Trend durch den vergleichsweise starken Rubel sowie durch hohe Lagerbestände in China, die russischen Importeuren Preisnachlässe ermöglichen. Bei Fahrzeugen mit weniger als 160 PS kommt zudem eine ermäßigte Recyclinggebühr zum Tragen. Dadurch können einzelne Modelle etablierter internationaler Hersteller preislich mit einem gut ausgestatteten chinesischen Crossover konkurrieren. Selbst ein parallel importierter BMW X5 oder eine Mercedes G-Klasse könne inzwischen ähnlich viel kosten wie manche chinesischen Spitzenmodelle, heißt es aus dem Handel.

Hinzu kommt offenbar eine gewisse Marktmüdigkeit. Nach mehreren Jahren, in denen russische und chinesische Marken das Angebot dominierten, suchen Käufer wieder stärker nach vertrauten Alternativen. Gerüchte über eine erneute Erhöhung der Importabgaben verstärken den Effekt: Manche Kunden ziehen einen Kauf vor, solange noch die bisherigen Regeln gelten.

Für AvtoVAZ ist diese Entwicklung unangenehm. Der Gesamtkuchen wird nach eigener Einschätzung kaum größer, gleichzeitig kehren Toyota, Mazda, BMW oder Audi durch die chinesische Hintertür auf den Markt zurück. Russlands Automarkt hat sich damit weniger von den internationalen Herstellern abgekoppelt, als es der formale Rückzug vieler Konzerne vermuten ließ. Er ist lediglich komplizierter geworden – und in wachsendem Maße von chinesischer Produktion und chinesischen Handelswegen abhängig.

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