Im September gingen die Neuwagenverkäufe zurück. Teure Kredite und zurückhaltende Käufer bremsen die Nachfrage. Nun fällt auch staatliche Förderung weg – während eine höhere Verschrottungsgebühr Käufe zum Jahresende vorziehen könnte.
Auf Russlands Automarkt wächst die Unsicherheit über das Schlussquartal. Nach Angaben des Analyseunternehmens Autostat wurden im September 115.100 neue Pkw verkauft, 6,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Für die ersten neun Monate steht dagegen noch ein Plus: Mit 960.000 Fahrzeugen lag der Absatz um 7,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die von Kommersant befragten Händler beschreiben die aktuelle Lage dennoch überwiegend als Stagnation.
Zum September-Rückgang trug nach Einschätzung von Andrej Terljukewitsch, Geschäftsführer der Händlergruppe AutoSpezZentrum, die hohe Vergleichsbasis bei. Im Vorjahr hätten bevorstehende Änderungen der Verschrottungsabgabe zusätzliche Käufe ausgelöst. Ein vergleichbarer Nachfrageimpuls fehle derzeit.
Kredite bleiben eine hohe Hürde
Die Händler nennen mehrere Gründe für die schwache Nachfrage. Autokredite sind weiterhin teuer, zugleich prüfen Banken die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden streng. Avilon-Marketingchef Juri Blinow verweist auf Zahlen des Kreditbüros NBKI, wonach im Sommer rund 70 Prozent der Autokreditanträge abgelehnt wurden. Die Quote bezieht sich auf Anträge, nicht auf den Anteil aller Kaufinteressenten.
Auch die Verkaufspolitik der Händler hat sich laut Blinow verändert. Während zuvor hohe Rabatte dem schnellen Abbau der Lagerbestände dienten, stehe inzwischen die Rentabilität der einzelnen Verkäufe stärker im Vordergrund. Käufer im Massensegment entschieden sich häufiger für einen Gebrauchtwagen oder nutzten ihr bisheriges Fahrzeug länger.
Pawel Schewtschenko vom Automobil-Marktplatz Fresh führt die Zurückhaltung vor allem auf die gesunkene Kaufkraft zurück. Sein Unternehmen reduziere die Zahl seiner Standorte für den Neuwagenverkauf, weil sich in diesem Geschäft derzeit nur schwer Geld verdienen lasse.
Förderpause belastet den Oktober
Zusätzlichen Druck erwarten Händler durch die Aussetzung staatlicher Programme für vergünstigte Autokredite und Leasing. Terljukewitsch rechnet deshalb für Oktober mit etwa 110.000 verkauften Neuwagen statt der aus seiner Sicht möglichen 120.000. Das wäre eine Einbuße gegenüber seinem Szenario mit Förderung, keine Prognose eines gleich hohen Rückgangs zum Vorjahr.
Besonders betroffen könnten Hybrid- und Elektrofahrzeuge sein. Laut Nikolai Iwanow, Leiter des Neuwagenverkaufs der Händlergruppe Rolf, gingen die Vertragsabschlüsse für zuvor geförderte Fahrzeuge bereits um 70 bis 80 Prozent zurück. Dabei handelt es sich um eine Händlerangabe zu diesem Teil des Angebots, nicht um einen entsprechenden Einbruch des gesamten Automarktes.
Die Erwartungen für Oktober bleiben uneinheitlich. Mehrere befragte Händler rechnen mit insgesamt 110.000 bis 118.000 Neuwagen. Der Präsident des russischen Autohändlerverbandes, Alexej Podschekoldin, erwartet dagegen höhere Verkäufe als im September und verweist auf den traditionell starken Verkaufsmonat.
Höhere Abgabe könnte Käufe vorziehen
Auch innerhalb des Marktes entwickeln sich die Marken unterschiedlich. Lada steigerte seinen Septemberabsatz um 7,6 Prozent auf 28.400 Fahrzeuge und blieb Marktführer. Haval verlor 19,6 Prozent auf 13.400 Fahrzeuge. Tenet erreichte mit 12.400 Fahrzeugen Rang drei und damit das 4,7-Fache des Vorjahreswertes.
Zum Jahresende könnten Verkaufsaktionen und die zum 1. Januar 2027 erwartete Erhöhung der Verschrottungsgebühr die Nachfrage beleben. Blinow rechnet damit, dass ein Teil der Kunden geplante Anschaffungen vorzieht. Ein solcher Effekt würde zunächst den Kaufzeitpunkt verändern. Ob daraus ein dauerhafter Aufschwung entsteht, bleibt angesichts der Finanzierungsprobleme und der zurückhaltenden Käufer offen.

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