Moskau will Getreideexporte über alternative Routen beschleunigen. Vorrang auf der Schiene soll helfen, doch die Häfen im Nordwesten können die Ausfälle im Süden nur begrenzt auffangen.
Russland räumt Getreidetransporten nach Informationen der Zeitung Kommersant einen höheren Rang im Eisenbahnverkehr ein. Auf überlasteten Strecken sollen sie in die dritte Prioritätskategorie aufrücken, die für Transporte aufgrund besonderer Präsidentenanweisungen vorgesehen ist. Die Regelung gilt dem Bericht zufolge für alle Richtungen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte den Auftrag, alternative Exportwege zu prüfen; die konkrete Einstufung berichtete die Zeitung unter Berufung auf Marktquellen.
Hintergrund sind die weitreichenden Einschränkungen der Schifffahrt im Schwarzen Meer. Mehr Fracht weicht deshalb auf den Nordwesten aus. Dort greifen laut Kommersant seit dem 1. Oktober ebenfalls Prioritätsregeln für die überlastete Infrastruktur.
Die Ostseehäfen stoßen allerdings an Grenzen. Der von der Zeitung befragte Analyst Roman Schagalow verweist auf überlastete Hafenbahnhöfe und fehlende Getreidelager. Wie groß der Abstand ist, zeigen die Umschlagzahlen: 2025 bewältigten die nordwestlichen Häfen ohne Kaliningrad zusammen 1,74 Millionen Tonnen Getreide, Noworossijsk allein 18,8 Millionen Tonnen.
Auch die aktuellen Exportzahlen zeigen den Druck. Nach einem am 5. Oktober veröffentlichten Reuters-Bericht schätzen Analysten von Rusagrotrans Russlands Weizenausfuhren von Juli bis September auf 6,8 Millionen Tonnen – gegenüber 11,3 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang um rund 40 Prozent.
Das Agrarmarktinstitut IKAR erwartet für Oktober bis zu 2,5 Millionen Tonnen Weizenexporte. Helfen sollen steigende Verschiffungen über die Ostsee und möglicherweise erste Lieferungen über Murmansk. Gleichzeitig belastet das Zusammentreffen der neuen Ernte mit eingeschränkten Exportmöglichkeiten die Erzeugerpreise, besonders im Süden Russlands.
Die bevorzugte Abfertigung kann vorhandene Transportwege besser für Getreide nutzbar machen. Zusätzliche Lager, Hafenanlagen und Streckenkapazitäten entstehen dadurch jedoch nicht. Entscheidend bleibt, wie viel die gesamte Transportkette bis zur Verschiffung tatsächlich aufnehmen kann.

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