Russlands 5G: Mischustin drängt auf heimische Technik

Nach dem offiziellen Netzstart fordert Russlands Regierungschef einen schnelleren Umstieg auf russische Telekommunikationsausrüstung. Betreiber melden neue Standorte. Wie breit die Versorgung tatsächlich ist, bleibt damit allerdings offen.

Russlands Ministerpräsident Michail Mischustin hat den weiteren Ausbau der 5G-Netze mit einer beschleunigten Umstellung auf heimische Technik verknüpft. Auf dem Forum „Digitale Lösungen“ erklärte er am 6. Oktober, dieser Schritt sei wichtig, damit der neue Mobilfunkstandard in Moskau, St. Petersburg, Jekaterinburg und Dutzenden weiteren Großstädten eingesetzt werden könne.

Nach dem Bericht der Nachrichtenagentur Prime erinnerte Mischustin daran, dass die im September gestarteten 5G-Netze zunächst Frequenzen nutzen, die bereits für LTE eingesetzt werden. Den vier großen Mobilfunkbetreibern seien zusätzliche Frequenzbänder kostenlos zugeteilt worden.

Drei russische Unternehmen hätten inzwischen zusammen mehr als 10.000 Basisstationen produziert, sagte der Regierungschef. Zugleich müsse die Industrie bereits die Grundlagen für künftige Netzgenerationen schaffen. Die genannte Produktionszahl wird in dem Bericht jedoch nicht nach Mobilfunkstandard aufgeschlüsselt. Sie lässt sich deshalb weder mit 10.000 produzierten 5G-Stationen noch mit entsprechend vielen bereits aktiven Standorten gleichsetzen.

Die Aussagen beschreiben damit vor allem eine industriepolitische Aufgabe: Der Netzausbau soll mit dem Aufbau einer russischen Ausrüstungsproduktion verbunden werden. Einen konkreten Termin für eine durchgängige 5G-Versorgung der genannten Städte nennt der vorliegende Bericht nicht.

Unterdessen melden Betreiber weitere Ausbauschritte. T2 teilte am 6. Oktober mit, den Kreml und den Roten Platz über elf Mobilfunkstandorte mit 5G zu versorgen. Zusätzliche Ausrüstung sei auf bestehenden Standorten installiert worden. Nach Unternehmensangaben werden dort Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 800 Megabit pro Sekunde erreicht. Auch an anderen stark besuchten Orten Moskaus sei der Standard verfügbar.

Die Mitteilung belegt zunächst, welchen Ausbau und welche Leistungswerte der Betreiber selbst meldet. Sie enthält keine unabhängige Messung der durchschnittlichen Geschwindigkeit oder der Versorgung im gesamten Stadtgebiet.

Kommersant berichtet zugleich von unterschiedlichen Erwartungen an den neuen Standard. Betreiber sehen demnach zunächst eher geschäftliche Anwendungen als den privaten Massenmarkt im Vordergrund. Von der Zeitung angeführte Fachleute erwarten, dass LTE wegen knapper Investitionsmittel und weiterer Belastungen der Unternehmen noch mehrere Jahre die Grundlage des mobilen Internets bleibt.

Für die weitere Entwicklung sind deshalb mehrere Größen getrennt zu betrachten: die Produktion heimischer Ausrüstung, die Zahl tatsächlich ausgebauter Standorte und die für Kunden erreichbare Leistung. Mischustins Vorstoß adressiert vor allem die industrielle Voraussetzung. Wie schnell daraus eine breitere und im Alltag spürbare Versorgung entsteht, ist damit noch nicht beantwortet.

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