Russland will den Aufbau von Mobilfunknetzen der fünften Generation offenbar noch in diesem Sommer einen Schritt voranbringen. Nach Angaben der Zeitung „Iswestija“, auf die sich „Kommersant“ beruft, sollen die großen Mobilfunkbetreiber MTS, MegaFon, VimpelCom und T2 Ende Juni Frequenzen im Bereich von 4,63 bis 4,99 GHz erhalten. Damit könnten 5G-Netze zunächst in großen Städten ausgerollt werden.
Zusätzlich könnten die Betreiber Frequenzen nutzen dürfen, die bisher für 2G-, 3G- und LTE-Netze vorgesehen waren. Nach Einschätzung von Experten ließe sich 5G auf dieser Grundlage sehr schnell auf bestehender Infrastruktur aktivieren — theoretisch innerhalb weniger Tage nach einer entsprechenden Genehmigung durch Roskomnadsor. Der volle Geschwindigkeitssprung gegenüber LTE wäre allerdings erst mit dem Einsatz des neuen Frequenzbereichs zu erwarten. Dann könnten die Datenraten nach Expertenangaben vier- bis zehnmal höher liegen als bei LTE.
Nach dem Plan der Staatlichen Kommission für Funkfrequenzen soll 5G bis Ende 2026 zunächst in den Millionenstädten sowie in vier weiteren regionalen Zentren verfügbar sein. Für 2027 ist die Ausweitung auf 16 Städte vorgesehen. Bis 2030 soll die Zahl der Städte mit 5G auf 40 steigen, bis 2035 auf 84.
Ein wesentlicher Punkt ist dabei die Importsubstitution. Bis Ende 2027 soll der Anteil russischer Funktechnik in den neuen Netzen mindestens ein Prozent erreichen, bis 2030 mindestens 50 Prozent. Ende 2031 sollen die Betreiber vollständig auf russische Ausrüstung umgestellt haben.
Die Ankündigung kommt in einer Phase, in der die Stabilität der digitalen Infrastruktur in Russland zunehmend wirtschaftliche Bedeutung bekommt. In mehreren Regionen hatten Einschränkungen mobiler Internetverbindungen zuletzt nicht nur private Nutzer, sondern auch Handel, Lieferdienste, Taxi-Apps und andere digitale Dienstleistungen belastet. Umso größer ist der Abstand zwischen dem technologischen Anspruch eines landesweiten 5G-Ausbaus und der praktischen Frage, wie verlässlich digitale Grunddienste im Alltag funktionieren.
Für die russischen Behörden ist 5G dennoch ein strategisches Projekt: schnellere Netze gelten als Voraussetzung für Industrieanwendungen, Logistik, digitale Stadtinfrastruktur und neue Dienste im Bereich künstlicher Intelligenz. Für die Betreiber dürfte entscheidend sein, ob Frequenzfreigabe, Genehmigungen, Finanzierung und die Verfügbarkeit einheimischer Technik tatsächlich im geplanten Tempo zusammenkommen.

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