Russland und China wickeln ihren Handel inzwischen weitgehend in nationalen Währungen ab. Doch der formale Abschied von Dollar und Euro bedeutet offenbar nicht, dass Zahlungen zwischen beiden Ländern reibungslos funktionieren. Nach Angaben der Sberbank gibt es in der Zahlungsinfrastruktur weiterhin „Brüche“, die den Geschäftsverkehr erschweren.
Der Erste stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Sberbank, Alexander Wedjachin, erklärte laut Kommersant, der Übergang zu Zahlungen in Rubel und Yuan sei zwar grundsätzlich erfolgt. Die praktische Zahlungsinfrastruktur müsse aber weiter angepasst werden. Zahlungswege seien deutlich komplizierter geworden, häufig müssten zusätzliche Vermittlerbanken eingeschaltet werden. Diese lehnten Überweisungen nicht selten ab, ohne die Gründe dafür detailliert zu erläutern.
Hintergrund ist vor allem das Risiko sekundärer Sanktionen. Chinesische Banken müssen bei Transaktionen mit Russland abwägen, ob sie selbst ins Visier westlicher Maßnahmen geraten könnten. Dadurch werde der Kreis direkter Korrespondenzbanken für russische Kreditinstitute enger. Eine wirklich effiziente Struktur direkter Bankbeziehungen lasse sich unter diesen Bedingungen nur schwer aufbauen.
Wedjachin beschrieb die Auswahl geeigneter Partnerbanken und Zahlungsrouten als eine Aufgabe „mit Sternchen“. Es gehe nicht mehr nur darum, günstige Tarife und schnelle Wege für Zahlungen zu finden, sondern um ein kompliziertes Management von operativen Risiken und Compliance-Vorgaben. Mit anderen Worten: Auch wenn Rubel und Yuan den Dollar ersetzen sollen, bleibt das Bankensystem von politischen Risiken, Kontrollpflichten und Vorsicht geprägt.
Interessant ist, dass nicht alle Schwierigkeiten unmittelbar mit Sanktionen zusammenhängen. Bereits im April hatte Irina Akopjan, stellvertretende Generaldirektorin für Wirtschaft und Finanzen beim russischen Dienstleister A7, darauf hingewiesen, dass rund 40 Prozent der Rückläufe bei Zahlungen nach China technische Ursachen hätten. Dazu zählten Fehler in Dokumenten, kyrillische Schriftzeichen in Bankangaben, falsch ausgestellte Rechnungen oder eine nicht passende Struktur von Zahlungsaufträgen.
Nach ihren Angaben können Zahlungen blockiert oder in manuelle Prüfungen überführt werden, wenn ein Dokument nicht den Standards einer bestimmten Empfängerbank in einer bestimmten chinesischen Provinz entspricht. In solchen Fällen liegt das Problem also nicht beim politischen Sanktionsrisiko, sondern bei den Formalien des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs.
Für russische Unternehmen ist das dennoch teuer. Zahlungen über Korrespondenzbanken können sich über Tage oder Wochen hinziehen, in manchen Fällen sogar bis zu einem Monat. Hinzu kommen Gebühren von Vermittlern und Wechselkursrisiken. Gerade im Handel mit China, der für Russland seit Beginn der westlichen Sanktionen noch wichtiger geworden ist, können solche Verzögerungen schnell zu realen Kosten werden.
Die Aussagen zeigen damit eine weniger triumphale Seite der russischen Entdollarisierungspolitik. Der politische Wille, den Handel mit China in Rubel und Yuan abzuwickeln, ist längst vorhanden. Die technische, rechtliche und bankpraktische Realität bleibt jedoch kompliziert. Nationale Währungen ersetzen zwar westliche Leitwährungen, aber sie beseitigen nicht automatisch die Abhängigkeit von funktionierenden Bankketten, internationalen Standards und der Risikobereitschaft chinesischer Finanzinstitute.

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