Die russische Zentralbank drängt darauf, die noch im Umlauf befindlichen Visa- und Mastercard-Karten schrittweise aus dem russischen Zahlungsverkehr zu entfernen. Die Karten erfüllten nicht mehr die Funktionen, die sie früher gewährleistet hätten, sagte Alla Bakina, Direktorin der Abteilung Nationales Zahlungssystem der Zentralbank. Außerdem verursache ihre technische Unterstützung für das Nationale Zahlungskartensystem NSPK weiterhin Kosten.
Visa und Mastercard hatten ihre Tätigkeit in Russland nach Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022 ausgesetzt. Seitdem funktionieren im Ausland ausgestellte Karten dieser Systeme in Russland nicht mehr, und russische Visa- und Mastercard-Karten sind außerhalb Russlands praktisch wertlos. Innerhalb Russlands konnten bereits ausgegebene Karten jedoch weiter genutzt werden, weil die Abwicklung der Zahlungen über das russische nationale Zahlungssystem NSPK lief. Viele Banken verlängerten die Gültigkeit dieser Karten oder machten sie faktisch unbefristet.
Nach Einschätzung der Zentralbank ist dieses Übergangsmodell nun überholt. Bakina erklärte, die internationalen Karten seien als Produkt seit dem Rückzug der Zahlungssysteme nicht mehr weiterentwickelt worden. Die NSPK sei nicht Betreiber dieser Karten, sondern unterstütze sie lediglich technisch. Deshalb müsse der Markt zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen, wie und wann diese Karten aus dem Umlauf genommen werden.
Bereits im Dezember hatte die Zentralbank mit russischen Banken über eine mögliche Abschaltung von Visa- und Mastercard-Karten mit verlängertem Ablaufdatum gesprochen. Damals wurde die Frage noch als Diskussion mit dem Bankensektor dargestellt. Nun formuliert die Zentralbank deutlich klarer, dass diese Karten nach ihrer Auffassung vom russischen Markt verschwinden sollten.
Als offizieller Grund wird auch die Sicherheit genannt. Der NSPK-Chef Dmitri Dubynin hatte zuvor darauf hingewiesen, dass Sicherheitszertifikate internationaler Zahlungssysteme seit dem 1. Januar 2025 nicht mehr in allen Chips gültig seien. Deshalb werde darüber diskutiert, innerhalb welcher Fristen solche Karten aus dem Verkehr gezogen werden könnten.
Für russische Bankkunden dürfte ein solcher Schritt vor allem symbolische Bedeutung haben, denn der Großteil des Zahlungsverkehrs im Inland läuft inzwischen über das russische Mir-System oder über andere inländische Instrumente. Praktisch könnten aber noch Millionen ältere Karten betroffen sein, die nach 2022 weiterbenutzt wurden. Banken müssten ihre Kunden dann auf neue Karten umstellen.
Die Forderung der Zentralbank markiert zugleich einen weiteren Schritt bei der Abkopplung des russischen Finanzsystems von westlichen Zahlungsinfrastrukturen. Was 2022 zunächst als Notlösung begann — die technische Weiterführung alter Visa- und Mastercard-Karten im Inland — soll nun offenbar beendet werden. Russland setzt damit den Umbau seines Zahlungsverkehrs auf nationale Systeme fort.

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