Russlands größter Flughafen Scheremetjewo kann weiter privatisiert werden. Präsident Wladimir Putin strich die Betreibergesellschaft aus der Liste der strategischen Unternehmen und beseitigte damit das wichtigste rechtliche Hindernis für den Verkauf des staatlichen Aktienpakets.
Der russische Staat hält über die staatliche Vermögensagentur Rosimuschestwo 30,43 Prozent am Internationalen Flughafen Scheremetjewo. Putins Erlass bedeutet noch nicht, dass ein Käufer feststeht oder der Verkauf bereits beschlossen ist. Er schafft jedoch die rechtlichen Voraussetzungen dafür.
Ganz aus der Hand geben will der Staat die Kontrolle über das wichtigste Luftverkehrsdrehkreuz des Landes nicht. Die Regierung soll bei einer Privatisierung eine sogenannte „goldene Aktie“ erhalten. Damit behält sie besondere Mitspracherechte bei grundlegenden Unternehmensentscheidungen, auch wenn sie nicht mehr regulärer Aktionär sein sollte.
Zudem schreibt der Erlass vor, dass der Flughafen seinen bisherigen Geschäftszweck beibehalten und seine Anlagen weiter modernisieren muss. Ein Verkauf der Aktien an Ausländer oder an von ausländischen Personen kontrollierte Unternehmen ist ausgeschlossen.
Scheremetjewo ist der größte russische Flughafen nach Passagieraufkommen und die zentrale Basis der staatlich kontrollierten Fluggesellschaft Aeroflot. Erst am 23. Juli nahm die Europäische Union den Flughafen in ihr 21. Sanktionspaket auf. Brüssel begründete dies mit der angeblichen Nutzung Scheremetjewos für Lieferungen an den russischen Rüstungssektor. Die Flughafengesellschaft wies die Vorwürfe zurück.
Die Mehrheit von 66,06 Prozent gehört bereits der privaten „Scheremetjewo Holding“. Deren Muttergesellschaft „TPS Avia Holding“ wurde 2022 von Zypern nach Russland umregistriert. Ihre heutigen Eigentümer werden nicht mehr öffentlich ausgewiesen. Vor der Verlegung des Unternehmenssitzes wurde sie mehrheitlich von einem Trust der Familien der Unternehmer Alexander Ponomarenko und Alexander Skorobogatko kontrolliert; einen weiteren Anteil hielt der Putin-Vertraute Arkadi Rotenberg. Kleinere Aktienpakete besitzen Aeroflot und das Flughafenmanagement.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt der möglichen Privatisierung. Ende Januar hatte eine hundertprozentige Tochtergesellschaft Scheremetjewos den zuvor verstaatlichten Moskauer Flughafen Domodedowo ersteigert. Der Kaufpreis betrug 66,1 Milliarden Rubel – genau die Hälfte des ursprünglichen Startpreises und damit den niedrigsten Betrag, der bei der Auktion gesetzlich zulässig war. Domodedowo war erst im Sommer 2025 auf Betreiben der Generalstaatsanwaltschaft in Staatsbesitz übergegangen.
Damit ergibt sich eine eigentümliche Eigentumsbewegung: Zunächst verstaatlicht Russland einen der größten Flughäfen des Landes und verkauft ihn anschließend zum Mindestpreis an die Betreibergesellschaft eines anderen Flughafens. Wenige Monate später gibt der Präsident den staatlichen Anteil an eben dieser Betreibergesellschaft zur Privatisierung frei.
Der Staat zieht sich dabei nicht wirklich zurück. Er verändert lediglich die Form seiner Kontrolle: Aktien können verkauft werden, während eine goldene Aktie, Auflagen für den Betrieb und das Verbot ausländischer Eigentümer den politischen Zugriff sichern.

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