In Russland und Deutschland bezieht mehr als jeder Vierte eine Rente

In Russland und Deutschland bezieht mehr als jeder Vierte eine Rente

In Russland sind knapp 40,5 Millionen Menschen als Rentner registriert. Das sind fast doppelt so viele wie in Deutschland. Gemessen an der Bevölkerung schrumpft der Unterschied jedoch erheblich. Auffällig ist vor allem die hohe Zahl arbeitender russischer Rentner.

Die Zahl der im russischen Sozialfonds registrierten Rentner hat Anfang Juli 2026 fast 40,48 Millionen erreicht. Erfasst werden dabei nicht nur Empfänger regulärer Altersrenten, sondern auch Menschen mit Versicherungs-, Sozial- und staatlichen Renten. Dazu gehören unter anderem Erwerbsunfähige und Hinterbliebene. Die Zahl bezeichnet daher nicht 40,5 Millionen Menschen oberhalb des regulären Rentenalters.

Nach den detaillierten Daten für den 1. Juni waren 40.446.936 Menschen beim Sozialfonds registriert. Das waren rund 409.000 weniger als ein Jahr zuvor. Damals hatte ihre Zahl noch knapp 40,86 Millionen betragen. Expert zufolge ist der Rückgang vollständig auf die nicht arbeitenden Rentner zurückzuführen.

Ihre Zahl sank innerhalb eines Jahres um 1,03 Millionen auf 32,04 Millionen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Rentenempfänger, die weiterhin einer Beschäftigung nachgehen, um 621.000 auf 8,4 Millionen. Damit arbeitet inzwischen mehr als jeder fünfte registrierte russische Rentner.

Die durchschnittlich gezahlte Rente erhöhte sich binnen Jahresfrist um rund 2.000 auf 25.402 Rubel monatlich. Nicht arbeitende Rentner erhielten im Durchschnitt 25.839 Rubel, arbeitende 23.738 Rubel. Die niedrigeren Renten der Beschäftigten sind unter anderem eine Folge der bis Anfang 2025 geltenden Regelung, nach der ihre Renten nicht regulär indexiert wurden. Seitdem werden auch die Zahlungen arbeitender Rentner wieder jährlich angepasst.

Deutschland zählt anders

In Deutschland bezogen am 1. Juli 2025 rund 21,5 Millionen Menschen mindestens eine gesetzliche Rente. Die Deutsche Rentenversicherung zahlte Ende 2025 allerdings 26,2 Millionen einzelne Renten aus. Der Unterschied entsteht vor allem dadurch, dass rund 4,1 Millionen Menschen gleichzeitig eine eigene Rente und eine Hinterbliebenenrente erhalten. Sie tauchen in der Personenstatistik nur einmal, bei den ausgezahlten Renten dagegen mehrfach auf.

Hinzu kamen rund 1,4 Millionen pensionierte Beamte, Richter, Berufssoldaten und andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Sie werden von der gesetzlichen Rentenversicherung nicht erfasst. Ein Teil von ihnen kann allerdings zusätzlich eine gesetzliche Rente beziehen, weshalb beide Gruppen nicht einfach addiert werden dürfen. Das Statistische Bundesamt warnt ausdrücklich davor, Rentner, Pensionäre, Ruheständler und ältere Menschen statistisch gleichzusetzen.

Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegen beide Länder überraschend nahe beieinander. Russland hat nach den jüngsten amtlichen Angaben etwa 146 Millionen Einwohner. Die 40,5 Millionen Rentenempfänger entsprechen damit knapp 28 Prozent der Bevölkerung.

In Deutschland lebten Ende 2025 rund 83,5 Millionen Menschen. Die 21,5 Millionen Empfänger einer gesetzlichen Rente entsprechen knapp 26 Prozent. Bezieht man die Beamtenversorgung ein, wird der Kreis der Menschen mit staatlichen Alters- oder Versorgungsleistungen noch größer – allerdings mit den erwähnten möglichen Überschneidungen.

Russland hat absolut fast doppelt so viele Rentner wie Deutschland, aber auch eine um etwa drei Viertel größere Bevölkerung. Der Rentneranteil liegt deshalb nicht doppelt so hoch, sondern nur einige Prozentpunkte über dem deutschen Wert.

Acht Millionen Rentner arbeiten weiter

Größer erscheint der Unterschied bei der Erwerbstätigkeit. In Russland beziehen 8,4 Millionen Menschen gleichzeitig eine Rente und Arbeitseinkommen. Das entspricht 20,8 Prozent aller registrierten Rentner.

In Deutschland waren 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 13,5 Prozent der Altersrentner zwischen 65 und 74 Jahren weiterhin erwerbstätig. Knapp die Hälfte von ihnen arbeitete lediglich in einem Minijob. Ein Drittel nannte finanzielle Notwendigkeit als wichtigsten Grund für die fortgesetzte Beschäftigung; fast ebenso viele gaben Freude an der Arbeit an.

Die Werte sind allerdings nur eingeschränkt vergleichbar. Die deutsche Statistik betrachtet in diesem Fall ausschließlich Altersrentner zwischen 65 und 74 Jahren. Die russischen 8,4 Millionen umfassen dagegen sämtliche beschäftigten Rentenempfänger unabhängig von Alter und Rentenart.

Hinzu kommt das unterschiedliche Renteneintrittsalter. In Russland wird es schrittweise auf 65 Jahre für Männer und 60 Jahre für Frauen angehoben. Im Jahr 2026 liegt es bei 64 beziehungsweise 59 Jahren. In Deutschland nähert sich die reguläre Altersgrenze schrittweise 67 Jahren. Ein Teil der arbeitenden russischen Rentner wäre nach deutschen Maßstäben daher noch gar nicht im regulären Rentenalter.

Zwei alternde Gesellschaften

Die vergleichbaren Größenordnungen zeigen vor allem, dass Russland und Deutschland vor einem ähnlichen strukturellen Problem stehen: Ein großer Teil der Bevölkerung erhält bereits Rentenleistungen, während die nachrückenden Jahrgänge kleiner werden.

In Deutschland waren 2024 rund 16,7 Millionen Menschen mindestens 67 Jahre alt. Bis Ende der 2030er-Jahre soll diese Gruppe auf mindestens 20,5 Millionen wachsen. Dann werden zwischen 25 und 27 Prozent der Bevölkerung das reguläre Rentenalter erreicht haben. Bereits heute kommen auf 100 Menschen zwischen 20 und 66 Jahren etwa 33 Personen im Alter von mindestens 67 Jahren.

Russland altert ebenfalls, obwohl die Lebenserwartung – besonders bei Männern – deutlich niedriger liegt als in Deutschland. Gleichzeitig sinkt die Bevölkerungszahl, und der Arbeitsmarkt leidet unter einem zunehmenden Mangel an Beschäftigten. Die wachsende Zahl arbeitender Rentner entlastet deshalb kurzfristig den Arbeitsmarkt und erhöht die Beitragseinnahmen. Langfristig löst sie das demografische Problem jedoch nicht.

Die Meldung von den 40,5 Millionen russischen Rentnern ist somit weniger außergewöhnlich, als die absolute Zahl zunächst vermuten lässt. Deutschland befindet sich bereits in einer sehr ähnlichen Größenordnung. Der auffälligste Unterschied besteht nicht in der Zahl der Rentenempfänger, sondern darin, wie früh Menschen als Rentner gezählt werden – und wie viele von ihnen anschließend weiterarbeiten.

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