KI bei der Sberbank: Der Chef bleibt, das Management schrumpft

KI bei der Sberbank: Der Chef bleibt, das Management schrumpft

Sberbank-Chef German Gref sieht seinen eigenen Arbeitsplatz durch künstliche Intelligenz vorerst nicht gefährdet. Auf nachgeordneten Führungsebenen hat die Bank dagegen bereits erheblich Personal eingespart. Seine Aussagen zeigen, wie unterschiedlich die Folgen der Automatisierung innerhalb eines Unternehmens ausfallen können.

Um seinen Arbeitsplatz mache er sich derzeit wenig Sorgen, erklärte German Gref am 29. September auf dem Moskauer Startup-Gipfel. Er könne sich bislang kaum vorstellen, dass künstliche Intelligenz innerhalb der kommenden zehn Jahre die Leitung eines Unternehmens übernehmen werde. Darüber berichten Expert und die Wirtschaftszeitung RBK.

Für einen Teil des Managements ist der Wandel allerdings längst Realität. Expert erinnert an eine Aussage Grefs vom Juni: Der KI-Einsatz habe es ermöglicht, 65 Prozent jener Manager einzusparen, die die Arbeit der Sberbank-Filialen in den Regionen betreuten. Die Zahl bezieht sich ausdrücklich auf diese Gruppe – nicht auf sämtliche Führungskräfte oder die gesamte Belegschaft der Bank.

Auch die Zentrale war von Einschnitten betroffen. Im November 2025 hatte Gref angekündigt, bis zum Jahresende rund ein Fünftel der Beschäftigten des Zentralapparats abzubauen, die eine KI als ineffizient eingestuft habe. Im Februar berichtete er dann, der Personalabbau sei nach den erheblichen Kürzungen des Vorjahres vorerst gestoppt worden. Innerhalb der Bank hätten die Einschnitte einen Schock ausgelöst, schreibt Expert unter Verweis auf seine damaligen Äußerungen.

Gref stellt sich zugleich als Verantwortlicher dar, der nach Perspektiven für die Betroffenen sucht. Im Filialnetz arbeiteten rund 200.000 Menschen. Er beschäftige sich intensiv mit der Frage, welche zusätzlichen Geschäftsfelder entstehen könnten, um im Bankgeschäft frei werdenden Mitarbeitern neue Aufgaben zu geben. Konkrete Beschäftigungszusagen oder einen Zeitplan nennen die Berichte über seinen Auftritt nicht.

Einen unmittelbaren Widerspruch müssen diese Aussagen nicht bilden. Die Steuerung von Filialabläufen und die Leitung eines großen Finanzkonzerns stellen unterschiedliche Anforderungen. An der Unternehmensspitze geht es auch darum, Interessen auszuhandeln, Ziele festzulegen und Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Grefs Zehnjahresprognose bleibt gleichwohl eine persönliche Einschätzung.

Bemerkenswert ist die Richtung des Umbaus. Nach einem von RBK angeführten früheren Vorhaben soll die Sberbank innerhalb von drei bis fünf Jahren zu einer Organisation werden, in der KI tief in die Abläufe integriert ist und die überwiegende Mehrheit der Entscheidungen autonom getroffen werden kann.

Damit stellt sich neben der Beschäftigungsfrage auch die Frage nach der Verteilung von Entscheidungsmacht. Wenn Aufgaben nachgeordneter Führungskräfte automatisiert werden, kann die Unternehmensspitze zusätzliche Möglichkeiten zur direkten Steuerung gewinnen. Wie viel Arbeit eine KI übernimmt und wer weiterhin das letzte Wort hat, sind zwei verschiedene Fragen. Grefs Zuversicht lässt erkennen, dass er seinen Platz bei der zweiten sieht.

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