Getreideexport aus Russland weicht nach Norden aus – Ostseehäfen wachsen, Murmansk wird getestet

Getreideexport aus Russland weicht nach Norden aus – Ostseehäfen wachsen, Murmansk wird getestet

Russlands Getreideexport verlagert sich vom Schwarzen Meer an die Ostsee. Während die Verladungen in den südlichen Häfen stark eingebrochen sind, übernehmen nördliche Standorte größere Mengen. Zusätzlich erproben Unternehmen eine Ausfuhr über Murmansk. Die alternativen Wege gleichen die Ausfälle bislang jedoch nicht aus und erhöhen nach Einschätzung von Branchenvertretern die Transportkosten.

Im Oktober 2026 wurden nach Angaben des Russischen Getreideverbands rund 2,3 Millionen Tonnen Getreide über Häfen exportiert. Ein Jahr zuvor waren es etwa sieben Millionen Tonnen gewesen. Die von Interfax veröffentlichten Daten beziehen sich auf Hafenverladungen und sind deshalb nicht mit sämtlichen russischen Getreideausfuhren gleichzusetzen.

Besonders deutlich fiel der Rückgang im Asow- und Schwarzmeerraum aus. Dort sanken die erfassten Ausfuhren von rund 5,38 Millionen auf etwa 130.500 Tonnen. Noworossijsk verlud im Oktober nur noch rund 82.600 Tonnen gegenüber 2,66 Millionen Tonnen im Vorjahresmonat. Der Anteil der südlichen Häfen fiel laut Monitoring von 71,6 auf 5,5 Prozent.

Die Ostseehäfen erhöhten ihre Verladungen dagegen auf rund 1,56 Millionen Tonnen. Ihr Anteil stieg nach derselben Erhebung von 2,4 auf 65,3 Prozent. Damit handelt es sich nicht lediglich um einen rechnerischen Bedeutungsgewinn infolge schrumpfender Gesamtausfuhren: Über die Ostsee wird tatsächlich wesentlich mehr Getreide verschifft. Ust-Luga, Sankt Petersburg und Wyssozk gehören zu den wichtigsten Standorten dieser Verlagerung.

Eine weitere Ausweichroute führt über das Kaspische Meer. Astrachan steigerte seine Verladungen auf rund 396.000 Tonnen, das 1,7-Fache des Vorjahreswertes. Von dort gehen die Lieferungen vor allem in den Iran. Diese Route ist von den nördlichen Ostseehäfen zu unterscheiden.

Wie The Bell unter Berufung auf die Financial Times berichtet, testen russische Unternehmen außerdem Murmansk als Ausgangspunkt für Getreidelieferungen. Zum Zeitpunkt des Berichts vom 1. November wurde dort ein Massengutfrachter für eine Probefahrt nach Nordafrika beladen. Ein dauerhaft etablierter Exportkorridor mit größeren regelmäßigen Mengen lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Der Bericht führt die Suche nach Alternativen auf ukrainische Drohnenangriffe und die dadurch verursachten Störungen der südlichen Ausfuhrrouten zurück. Die nördlichen Wege bringen jedoch längere Transporte und zusätzliche Belastungen des Schienennetzes mit sich. Die vorhandenen Kapazitäten an der Ostsee reichen nach den im Bericht angeführten Einschätzungen nicht aus, um sämtliche Ausfälle im Süden aufzufangen.

Die zusätzlichen Kosten dürften vor allem landwirtschaftliche Erzeuger belasten, warnen Branchenvertreter. Viele Betriebe könnten ihre Ernte nicht unbegrenzt lagern und auf günstigere Absatzbedingungen warten: Kredite, Löhne und die Finanzierung der nächsten Aussaat erforderten laufende Einnahmen. Der Krieg beeinträchtigt zugleich die ukrainischen Ausfuhren, deren Hafeninfrastruktur regelmäßig russischen Angriffen ausgesetzt ist.

Die wachsende Bedeutung der Ostsee und der Versuch über Murmansk zeigen damit, wie stark sich die russische Exportlogistik verändert. Neue Wege halten Lieferungen aufrecht. Die deutlich niedrigere Gesamtmenge der Hafenexporte macht aber sichtbar, dass die Umleitung bisher keinen vollständigen Ersatz für die südlichen Routen bietet.

Stand: 3. November 2026. Mengen sind gerundet; die genannten Hafenanteile entsprechen den veröffentlichten Angaben des Monitorings. Dessen Gesamt- und Teilmengen sind rechnerisch nicht vollständig deckungsgleich.

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