Einzelhandel unter Druck – weniger Ladenbesuche, mehr Leerstand in Moskauer Einkaufszentren

Einzelhandel unter Druck – weniger Ladenbesuche, mehr Leerstand in Moskauer Einkaufszentren

Russlands stationärer Einzelhandel muss sich auf veränderte Einkaufsgewohnheiten einstellen. Lebensmittelgeschäfte verzeichnen teilweise weniger Besucher, während in Moskauer Einkaufszentren der Leerstand zunimmt. Zwei Berichte der Zeitung Kommersant zeigen dabei ein unterschiedliches Bild je nach Standort und Geschäftsformat: Große Lebensmittelketten gewinnen weiterhin Kunden, während andere Anbieter unter Druck geraten.

Nach Angaben von Focus Technologies sank die Besucherzahl mittelgroßer und großer Lebensmittelgeschäfte in Russland zwischen Januar und September 2026 je nach Standort um zwei bis sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kassendatenauswertung „Tschek Index“ weist für Januar bis Oktober zudem zwei Prozent weniger Lebensmittelkäufe aus. Der durchschnittliche Kassenbon erhöhte sich um sechs Prozent auf rund 1.200 Rubel.

Der Handelsverband AKORT berichtet dagegen für die großen überregionalen Lebensmittelketten von einem Besucherplus von ein bis zwei Prozent in den ersten neun Monaten. Auch Onlinehandel, wohnortnahe Läden und Discounter entwickelten sich nach den im Bericht angeführten Untersuchungen günstiger. Weniger Ladenbesuche bedeuten daher nicht zwangsläufig einen entsprechend starken Rückgang des gesamten Konsums: Einkäufe können sich auf andere Anbieter oder Bestellwege verlagern.

Zugleich wächst das Filialnetz langsamer. Laut Infoline betrug der Nettozuwachs der Verkaufsflächen führender Lebensmittelhändler im ersten Halbjahr rund 430.000 Quadratmeter. Das waren 46,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Wert seit 2011. Die Fläche nahm damit weiterhin zu, das Expansionstempo ging jedoch deutlich zurück.

In Moskaus Einkaufszentren zeigt sich der Anpassungsdruck am Leerstand. Das Beratungsunternehmen CMWP erwartet für Ende 2026 eine Quote von 12,2 Prozent, ein Plus von 2,5 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. CORE.XP prognostiziert ebenfalls einen Anstieg, allerdings auf acht Prozent. Die beiden Schätzungen unterscheiden sich somit im Niveau, weisen aber in dieselbe Richtung.

Vor allem Bekleidungs-, Elektronik- und Haushaltswarenhändler schließen nach Einschätzung der befragten Branchenvertreter unrentable Standorte. Neue ausländische Marken gleichen diese Abgänge bislang kaum aus. Dienstleistungen sowie Sport-, Unterhaltungs- und Bildungsangebote gewinnen dagegen als Mieter an Bedeutung. Vermieter versuchen zudem, freie Flächen mit Rabatten und mietfreien Zeiten attraktiver zu machen.

Auch innerhalb des Moskauer Marktes gibt es Ausnahmen: In kleineren Einkaufszentren auf Stadtteilebene sank die Leerstandsquote laut CORE.XP von 13,2 auf 10,5 Prozent. Die Entwicklung lässt sich deshalb weder auf sämtliche Einkaufszentren noch ohne Weiteres auf ganz Russland übertragen.

Zusammengenommen zeigen die Berichte einen Handel im Umbau. Zurückhaltendere Käufer, die Verlagerung zwischen Verkaufsformaten und die Konzentration auf wirtschaftlich tragfähige Standorte verändern sowohl die Filialplanung als auch die Nutzung von Einkaufszentren. Eine einheitliche Entwicklung aller Händler lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.

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