Die Insolvenzzahlen in Russland zeigen zwei gegenläufige Entwicklungen: Während die Zahl gerichtlich festgestellter Privatinsolvenzen im dritten Quartal 2026 erstmals im Vorjahresvergleich zurückging, nahmen Unternehmensinsolvenzen deutlich zu. Das geht aus Zahlen des Registers Fedresurs hervor, über die Kommersant berichtet. Bei Unternehmen bleibt das Niveau allerdings unter dem langjährigen Durchschnitt.
In den ersten neun Monaten wurden knapp 5.400 Unternehmen für insolvent erklärt, 13,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Allein im dritten Quartal waren es rund 1.800 Unternehmen, ein Plus von 18,5 Prozent. Noch stärker stieg die Zahl neu eingeleiteter Beobachtungsverfahren: Sie erhöhte sich im dritten Quartal um 28,9 Prozent auf etwa 1.600. Diese vorgelagerte Verfahrensstufe ist von der bereits festgestellten Insolvenz zu unterscheiden.
Die Steuerbehörde trat häufiger als Antragsteller auf. Ihr Anteil an den im dritten Quartal initiierten Unternehmensverfahren stieg von 15,6 auf 24,2 Prozent. Zugleich nahm die Zahl veröffentlichter Absichtserklärungen zu, einen Insolvenzantrag stellen zu wollen.
Fedresurs-Leiter Alexei Juchnin verweist dennoch auf das historisch niedrige Ausgangsniveau: Die Unternehmensinsolvenzen der ersten neun Monate lagen weiterhin 31,7 Prozent unter dem Durchschnitt der entsprechenden Zeiträume von 2012 bis 2025.
Bei Privatpersonen verlief die Entwicklung anders. Im dritten Quartal sank die Zahl der gerichtlich für insolvent erklärten Bürger gegenüber dem Vorjahresquartal um 13,1 Prozent. Nach Angaben von Fedresurs war dies der erste Rückgang seit Einführung des Verfahrens im Oktober 2015. Über die ersten neun Monate betrachtet blieb die Zahl mit 402.500 nahezu unverändert; das Minus betrug 0,3 Prozent.
Außergerichtliche Privatinsolvenzverfahren nahmen dagegen weiterhin zu, allerdings langsamer. Im dritten Quartal wurden 17.200 Verfahren über die staatlichen Multifunktionszentren verzeichnet, 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Häufiger griffen Gerichte und Gläubiger auf Schuldenrestrukturierungen zurück. In den ersten neun Monaten wurden 4.600 entsprechende Pläne genehmigt, das 2,4-Fache des Vorjahreswertes. Ihr Anteil an den Verfahren stieg von 0,5 auf 1,1 Prozent und bleibt damit gering. Die meisten Privatinsolvenzverfahren – 94,4 Prozent – wurden weiterhin von den Schuldnern selbst angestoßen.
Die Zahlen belegen damit eine unterschiedliche Entwicklung bei Haushalten und Unternehmen. Ob weniger gerichtliche Privatinsolvenzen bereits eine breitere finanzielle Entlastung der Bevölkerung anzeigen, lässt sich daraus allein nicht ableiten. Ebenso wäre es angesichts des niedrigen längerfristigen Vergleichsniveaus voreilig, den Anstieg bei Unternehmen als historische Pleitewelle zu bezeichnen.

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