Duma-Experten wollen private Ersparnisse für Rüstungsindustrie erschließen

Duma-Experten wollen private Ersparnisse für Rüstungsindustrie erschließen

Bei einer Sitzung von Expertenräten in der Staatsduma ist vorgeschlagen worden, private Ersparnisse stärker für die Finanzierung der russischen Rüstungsindustrie zu nutzen. Noch handelt es sich nicht um einen Gesetzentwurf, sondern um eine Initiative, die zunächst weiter ausgearbeitet werden soll.

Bei einer Sitzung von Expertenräten in der Staatsduma ist vorgeschlagen worden, private Ersparnisse stärker für die Finanzierung der russischen Rüstungsindustrie zu nutzen. Nach Angaben des Wirtschaftsmagazins Expert nannte der Vorstandschef der Promswjasbank (PSB), Pjotr Fradkow, dafür drei mögliche Instrumente: Anleihen, Beteiligungen am Eigenkapital von Unternehmen und digitale Finanzaktiva. Unterstützung erhielt der Vorstoß vom Vorsitzenden des Duma-Ausschusses für Industrie und Handel, Wladimir Gutenjow.

Wie Expert berichtet, wurde die Initiative am 15. April bei einer gemeinsamen Sitzung mehrerer Expertenräte auf dem Gelände der staatlichen Entwicklungsbank VEB.RF vorgestellt. Fradkow sagte demnach, es gehe darum zu prüfen, wie moderne Finanzinstrumente gezielt für Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes eingesetzt werden könnten. Das Sekretariat des Expertenrats soll nun entsprechende Modelle weiter ausarbeiten.

Bislang ist weder von einem Gesetzentwurf noch von einer konkreten Einführung solcher Produkte die Rede. Nach dem Bericht soll zunächst geprüft werden, unter welchen Bedingungen sich entsprechende Instrumente überhaupt umsetzen ließen. Dabei geht es demnach auch um Fragen des Anlegerschutzes sowie um Kriterien für die Auswahl geeigneter Projekte.

Der Vorstoß verweist auf die Suche nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten für den Rüstungssektor. Expert ordnet die Idee in eine breitere Diskussion über neue Mechanismen zur Finanzierung von Industrie- und Exportprojekten ein. In diesem Zusammenhang sprach VEB-Vizechef Daniil Alguljan laut dem Bericht auch über Instrumente einer „quasi-kapitalähnlichen“ Unterstützung.

Offen ist allerdings, wie groß das Interesse privater Anleger an solchen Angeboten tatsächlich wäre. Gutenjow verwies selbst darauf, dass hohe Einlagenzinsen derzeit eine erhebliche Konkurrenz darstellen. Damit bleibt unklar, ob sich Ersparnisse von Bürgern in größerem Umfang aus Bankeinlagen in spezielle Finanzprodukte für den Rüstungssektor umlenken ließen.

Sollte die Initiative weiterverfolgt werden, wäre sie ein Hinweis darauf, dass in Russland neben staatlichen Mitteln und Bankkrediten auch privates Kapital stärker als Finanzierungsquelle für die Rüstungsindustrie in den Blick rückt.

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