Zwei Tanker mit russischem Diesel haben nach Medienberichten ihre ursprünglich angegebenen Ziele an der amerikanischen Ostküste geändert. Moskau weist Zweifel am Fortbestand der Vereinbarung mit Washington zurück. Doch während weitere Schiffe Richtung USA fahren, bleibt die entscheidende Frage offen: Wer kann und will die Ladungen dort tatsächlich annehmen?
Die von US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin angekündigte Dieselvereinbarung stößt bei ihrer Umsetzung auf Schwierigkeiten. Nach einem Bericht der Financial Times, den unter anderem Kommersant und die Moscow Times aufgriffen, haben zwei zunächst für die USA vorgesehene Tanker ihre Routen geändert. Die „Leruo“ gab Brasilien als neues Ziel an. Die „Talisman“ fuhr ins Mittelmeer und meldete vor der algerischen Küste den Status „for orders“ – sie wartet demnach auf weitere Anweisungen.
Andere Schiffe waren weiterhin Richtung USA unterwegs. Kommersant nennt die „Agioi Fanendes“ und die „Beast“. Nach dem von AP am 5. November berichteten Stand war allerdings noch keine Lieferung russischen Diesels in die USA bestätigt. Eine Fahrt über den Atlantik ist somit noch kein Nachweis dafür, dass ein amerikanischer Abnehmer die Ladung übernimmt.
Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte auf die Berichte mit dem Hinweis, die Verschiffungen hätten stattgefunden. Es handele sich um kommerzielle Lieferungen, deren Einzelheiten nicht öffentlich diskutiert würden. Der gesamte Diesel werde Käufer finden. Einen Zusammenhang zwischen den Transportrouten und den amerikanischen Wahlen wies er zurück.
Deutlicher äußerte sich Kirill Dmitrijew, Leiter des russischen Direktinvestitionsfonds und Sonderbeauftragter des Präsidenten. Er bezeichnete den FT-Bericht als „Fake“ und erklärte, die für die USA bestimmten Tanker setzten ihre Fahrt fort. Auf die konkret genannten Routenänderungen der „Leruo“ und der „Talisman“ ging die von Kommersant zitierte Erklärung nicht näher ein.
Beide Aussagen lassen unterschiedliche Fragen offen. Peskows Versicherung, der Treibstoff werde Käufer finden, bestätigt keinen Absatz in den USA. Dmitrijews Hinweis auf weiterfahrende Tanker widerlegt für sich genommen nicht, dass andere Schiffe umgeleitet wurden. Umgekehrt beweisen geänderte Zielangaben allein weder das Scheitern der gesamten Vereinbarung noch deren Ursache.
Im Mittelpunkt steht inzwischen der amerikanische Streit um die Einfuhr. Das US-Finanzministerium hat eine zeitweilige Ausnahmegenehmigung für Dieselgeschäfte erteilt. Nach Angaben von RBK erlaubt die am 9. Oktober ausgestellte Generallizenz Nr. 135 entsprechende Transaktionen einschließlich der Einfuhr in die USA bis zum 7. April 2027.
Gegner der Vereinbarung halten dem das gesetzliche Importverbot für russische Energieträger entgegen. New Jerseys Gouverneurin Mikie Sherrill warnte Hafen- und Terminalbetreiber vor der Annahme der Ladungen. Das Finanzministerium hält seine Genehmigung dagegen für gesetzeskonform. Über den Konflikt hatte laut AP zum Berichtszeitpunkt noch kein Gericht entschieden. Für mögliche Abnehmer bleibt damit ein erhebliches Risiko.
Die Vereinbarung selbst reicht über direkte Lieferungen in die USA hinaus. Trump und Putin hatten am 9. Oktober über zusätzliches russisches Dieselangebot für den amerikanischen und den Weltmarkt gesprochen. Angekündigt wurden zunächst 300.000 Tonnen im Oktober, 500.000 Tonnen im November und anschließend weitere eine Million Tonnen. Russland lockerte dafür seine zuvor aus Gründen der Binnenversorgung verhängten Exportbeschränkungen teilweise.
Auch die Zahlungsabwicklung erwies sich als schwierig. Dmitrijew hatte bereits am 16. Oktober erklärt, das amerikanische Finanzministerium habe den russischen Direktinvestitionsfonds um Unterstützung gebeten. Die zahlreichen übereinanderliegenden Sanktionen erschwerten die Umsetzung, sagte er. Eine politische Verständigung ersetzt somit weder funktionierende Zahlungswege noch belastbare Abnahmevereinbarungen.
Hinzu kommen Unsicherheiten auf der Angebotsseite. Reuters berichtete am 5. November über erneute ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien, darunter Anlagen in Rjasan und Jaroslawl. Weitere Ausfälle könnten die Versorgung im Inland belasten und die Exportplanung erschweren.
Ein endgültiges Scheitern der Dieselvereinbarung ist damit bislang ebenso wenig belegt wie ihre erfolgreiche Umsetzung durch Lieferungen in die USA. Entscheidend wird sein, ob die Ladungen dort tatsächlich gelöscht, bezahlt und übernommen werden. Bis dahin bleibt zwischen der politischen Ankündigung und dem nachgewiesenen Geschäft eine Lücke – auch wenn der Treibstoff auf anderen Märkten Käufer finden sollte.

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