Russlands Automarkt legt im Oktober zu – Händler sehen noch keinen nachhaltigen Aufschwung

Russlands Automarkt legt im Oktober zu – Händler sehen noch keinen nachhaltigen Aufschwung

Der russische Neuwagenmarkt hat im Oktober seinen bislang besten Monat des Jahres erreicht. Gegenüber September stieg der Absatz um 8,2 Prozent. Händler führen die Belebung jedoch auch auf den längeren Verkaufsmonat, saisonale Effekte und mögliche Vorziehkäufe zurück. Für einen kräftigen weiteren Nachfrageanstieg sehen sie bislang wenig Anzeichen.

In Russland wurden im Oktober 132.900 neue Personenwagen verkauft. Das berichtet Kommersant unter Berufung auf das Analyseunternehmen Autostat. Damit übertraf der Markt das Septemberergebnis um 8,2 Prozent und erreichte einen Höchststand für das laufende Jahr. Gegenüber Oktober 2025 lagen die Verkäufe allerdings um 19,8 Prozent niedriger. Damals hatte die Erwartung einer höheren Recyclingabgabe für außergewöhnlich starke Nachfrage gesorgt.

Über einen längeren Zeitraum ergibt sich ein etwas günstigeres Bild: Von Januar bis Oktober 2026 wurden nach Angaben von Autostat rund 1,1 Millionen neue Pkw verkauft, 3,7 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Der Markt liegt damit insgesamt leicht im Plus. Der starke Monatsvergleich allein belegt jedoch noch keine grundlegende Beschleunigung.

Einen Teil des Oktoberzuwachses erklärt Nikolai Iwanow, Verkaufsleiter für Neuwagen beim Händler Rolf, mit dem Kalender. Der Oktober habe einen Tag mehr als der September. Beim derzeitigen Verkaufstempo entspreche dies ungefähr 4.000 der rund 10.000 zusätzlich verkauften Fahrzeuge. Hinzu komme die übliche saisonale Belebung: Im Jahresverlauf falle der Oktober normalerweise stärker aus als der September. Eine statistisch bereinigte Wachstumsrate nennt der Bericht nicht.

Andere Händler verweisen auf mögliche Vorziehkäufe. Nach Einschätzung von Awtodom-Chef Andrej Olchowski verwirklichen viele Kunden gegen Jahresende ihre Anschaffungspläne. Befürchtungen über neue Steuern oder Abgaben im kommenden Jahr könnten den Kaufentschluss zusätzlich beschleunigen. Pawel Schewtschenko vom Automarktplatz Fresh hält außerdem die entspanntere Kraftstoffversorgung für einen möglichen Faktor: Wenn Benzin verfügbar sei und Warteschlangen an Tankstellen verschwänden, falle die Entscheidung für ein Auto leichter. Beide Erklärungen beruhen auf Händlerbeobachtungen; eine Untersuchung der Kaufmotive wird nicht angeführt.

Unter den Marken blieb Lada mit rund 29.690 verkauften Neuwagen Marktführer, verzeichnete gegenüber Oktober 2025 aber ein Minus von 10,7 Prozent. Haval folgte mit 16.860 Fahrzeugen und einem Rückgang von 35,4 Prozent. Die Marke Tenet erreichte dagegen mit 15.280 Autos ein Plus von 77,1 Prozent und belegte den dritten Platz.

Besonders stark sanken die Verkäufe von Geely und Belgee: um 44,6 beziehungsweise 41,2 Prozent auf rund 7.890 und 6.340 Fahrzeuge. Insgesamt lagen fünf der zehn führenden Marken unter ihrem Vorjahresergebnis. Die Gesamtentwicklung verdeckt damit erhebliche Unterschiede zwischen den Anbietern.

Eine weitere Veränderung betrifft elektrifizierte Fahrzeuge. Iwanow nennt rückläufige Verkäufe von Hybriden und Elektroautos nach der Aussetzung staatlicher Förderprogramme als wichtige Entwicklung des Monats. Das Industrieministerium hatte Ende September mitgeteilt, dass die Haushaltsmittel für vergünstigte Autokredite und Leasing vorzeitig ausgeschöpft seien. Für bestimmte Elektroautos ermöglichte das Kreditprogramm einen Preisnachlass von 35 Prozent, höchstens jedoch 925.000 Rubel. Nach einer Ankündigung des Ersten Vizepremiers Denis Manturow sollen die Programme am 1. Dezember mit Mitteln des Jahres 2027 wieder anlaufen. Konkrete Absatzzahlen für Elektroautos und Hybride nennt der Artikel nicht.

Für November erwarten die befragten Händler überwiegend einen Absatz in der Nähe des Oktoberwerts, setzen dabei aber unterschiedliche Akzente. Olchowski rechnet mit einem mindestens ebenso guten Ergebnis und verweist auf mögliche Programme der Importeure. Iwanow erwartet etwa 130.000 verkaufte Neuwagen und sieht keine Voraussetzungen für einen deutlichen Nachfrageanstieg.

Der Oktober zeigt somit eine Belebung innerhalb eines insgesamt leicht wachsenden Marktes. Wie viel davon dauerhaft trägt, bleibt offen: Zusätzliche Verkaufstage und saisonale Effekte wiederholen sich nicht beliebig, vorgezogene Käufe können später fehlen. Die Wiederaufnahme der Förderung könnte dagegen einzelnen Marktsegmenten zum Jahresende neuen Schwung geben.

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