Russland verteuert die Einfuhr von Whisky, Gin, Likören und weiteren Spirituosen aus sogenannten unfreundlichen Staaten. Die Regierung erwartet dadurch im kommenden Jahr zusätzliche Einnahmen von zehn Milliarden Rubel. Zugleich soll die Maßnahme heimische Hersteller unterstützen. Für Verbraucher könnten sich die höheren Zölle vor allem nach dem Jahreswechsel bemerkbar machen.
Die russische Regierung erhöht die Einfuhrzölle auf zahlreiche starke alkoholische Getränke aus Staaten, die Moskau als unfreundlich einstuft. Der Satz steigt von bisher 20 auf 35 Prozent des Zollwerts. Zugleich wird der Mindestbetrag von drei auf fünf Euro je Liter angehoben. Nach Angaben von Kommersant und dem Rechtsinformationsdienst Consultant Plus treten die neuen Sätze am 11. November in Kraft und gelten bis zum 31. Dezember 2027.
Betroffen sind unter anderem Whisky, Rum, Gin, Wodka, Liköre und bestimmte Destillate aus Wein oder Traubentrester. Die Regelung erfasst die jeweiligen Warenkategorien abhängig vom Herkunftsland. Sie ist deshalb keine pauschale Zollerhöhung für sämtliche importierten Spirituosen.
Die beiden Bestandteile des Zolls werden nicht addiert: Maßgeblich sind 35 Prozent des Zollwerts, mindestens jedoch fünf Euro je Liter. Bei einer Flasche mit einem halben Liter Inhalt steigt der rechnerische Mindestzoll damit von 1,50 auf 2,50 Euro. Das bedeutet nicht, dass der Verkaufspreis um denselben Prozentsatz zunimmt wie der Zoll. Wie stark die Belastung bei den Kunden ankommt, hängt auch von Einkaufspreisen, Wechselkursen, Lagerbeständen und der Preispolitik des Handels ab.
Für den Staatshaushalt ist der erwartete Ertrag bereits eingeplant. Laut Interfax sehen die Erläuterungen zum Haushaltsentwurf für 2027 zusätzliche Einnahmen von zehn Milliarden Rubel durch die Zollerhöhung vor. Ob dieser Betrag tatsächlich erreicht wird, hängt allerdings auch davon ab, wie sich die Einfuhrmengen nach der Verteuerung entwickeln. Höhere Abgaben je Flasche garantieren für sich genommen noch keinen entsprechenden Zuwachs der Gesamteinnahmen.
Zugleich verändert die Maßnahme die Wettbewerbsbedingungen zugunsten russischer Hersteller. Nach einem Bericht von Kommersant war die Anhebung seit dem Frühjahr als Unterstützung für die heimische Produktion diskutiert worden. Importierte Spirituosen hatten zuletzt an Bedeutung gewonnen: Unter Berufung auf das Analyseunternehmen A.List nennt die Zeitung für die ersten neun Monate 2026 ein Absatzplus von 15 Prozent bei ausländischen Produkten, ohne Lieferungen aus postsowjetischen Ländern. Ihr Anteil am russischen Markt für starke alkoholische Getränke sei binnen eines Jahres von fünf auf 5,8 Prozent gestiegen.
Wie stark die Ladenpreise nun steigen werden, beurteilen Marktteilnehmer unterschiedlich. The Bell berichtet von erwarteten Aufschlägen zwischen 100 und 200 Rubel je Flasche bei gängigen Importspirituosen. Der von Kommersant befragte Branchenvertreter Andrej Moskowski rechnet bei preisgünstigen importierten Whiskys, Likören und französischen Cognacs mit 220 bis 260 Rubel zusätzlich. Für einzelne verbreitete Marken entspreche das einer Verteuerung um etwa 16 bis 17 Prozent; bei teureren Produkten erwartet er zehn bis zwölf Prozent.
Diese Angaben sind Prognosen aus dem Markt, keine bereits feststehenden Preisänderungen. Auch der Zeitpunkt dürfte sich unterscheiden. Nach Darstellung von The Bell haben Großhändler ihre Bestände für das wichtige Dezembergeschäft bereits aufgebaut. Kommersant erwartet deshalb, dass Verbraucher die höheren Kosten in vollem Umfang erst Anfang 2027 spüren werden.
Die Wirkung fällt zudem je nach Herkunft der Ware unterschiedlich aus. Rum etwa wird nach Einschätzung Moskowskis überwiegend aus Ländern eingeführt, die nicht unter die russische Einstufung als unfreundliche Staaten fallen. Trotz der Aufnahme von Rum in die betroffenen Warenkategorien könnte die praktische Belastung in diesem Segment daher geringer bleiben.
Für einzelne Produkte gelten außerdem Ausnahmen. Bestimmte Destillate aus Wein oder Traubentrester in Behältern mit mehr als zwei Litern Inhalt behalten den bisherigen Satz von 20 Prozent, mindestens drei Euro je Liter. The Bell verweist in diesem Zusammenhang auf große Geschenkflaschen. Eine allgemeine Begünstigung von Geschenkverpackungen ergibt sich daraus jedoch nicht: Entscheidend ist die konkrete zollrechtliche Warenkategorie.
Die Regierung verbindet mit der Erhöhung somit zwei Ziele: zusätzliche Haushaltseinnahmen und bessere Wettbewerbsbedingungen für russische Produzenten. Für den Handel wird sich zeigen, wie viel der Mehrbelastung er weitergeben kann. Für die Staatskasse ist entscheidend, ob die Käufer den teureren Importmarken treu bleiben oder verstärkt auf andere Angebote ausweichen.
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