Benzinkrise im Raum St. Petersburg: Entspannung erst Anfang Oktober erwartet

Benzinkrise im Raum St. Petersburg: Entspannung erst Anfang Oktober erwartet

Im Gebiet Leningrad soll Benzin vorerst zumindest in begrenzten Mengen verfügbar bleiben. Gouverneur Alexander Drozdenko setzt auf zusätzliche Lieferungen und die Reparatur beschädigter Raffinerien. Im benachbarten St. Petersburg berichten Autofahrer unterdessen von stundenlangen Warteschlangen.

Die Kraftstoffengpässe im Gebiet Leningrad dürften noch mehrere Wochen anhalten. Gouverneur Alexander Drozdenko erklärte am 13. September, die Behörden rechneten bis Anfang Oktober mit einer Verbesserung. Dann sollen zusätzliche Lieferungen eintreffen, neue Transportwege funktionieren und Raffinerien nach Reparaturen wieder produzieren. Als Ursache des Benzinmangels nannte er die jüngsten Drohnenangriffe auf große Raffinerien. Eine vollständige Normalisierung zu einem verbindlichen Termin sagte er damit nicht zu.

Bis dahin geht es um die Sicherung einer begrenzten Versorgung. Nach Drozdenkos Angaben besteht das vorläufige Ziel darin, den Benzinbedarf zumindest innerhalb der festgelegten Höchstmengen von 20 bis 30 Litern täglich zu decken. Diesel sei weiterhin verfügbar. Mehrere große Ölunternehmen hätten auf Bitten der Regionalverwaltung zugesagt, ihre Tankstellen stärker zu beliefern – einzelne sogar mit der doppelten Menge. Damit sollen Ausfälle bei anderen Anbietern ausgeglichen werden.

Der Gouverneur schloss zudem weitere Einschränkungen nicht aus: Fahrzeuge könnten künftig abhängig von geraden oder ungeraden Kennzeichen nur jeden zweiten Tag tanken dürfen. Eine solche Regelung ist damit als Möglichkeit benannt; ihre Einführung wurde in der Erklärung noch nicht bekanntgegeben.

Wie stark die Engpässe den Alltag bereits beeinträchtigen, zeigen Berichte aus dem benachbarten, administrativ eigenständigen St. Petersburg. Das örtliche Nachrichtenportal Fontanka sammelte am 13. September Schilderungen von Autofahrern, die mehrere Tankstellen abfahren mussten oder zwischen anderthalb und vier Stunden auf Benzin warteten. Einzelne berichteten von einer Abgabebegrenzung auf 30 Liter. Andere fanden an den angefahrenen Stationen überhaupt kein Benzin. Diese Beobachtungen dokumentieren erhebliche Schwierigkeiten, erlauben aber keine genaue Aussage darüber, welcher Anteil aller Tankstellen betroffen ist.

Auch die Wirtschaftszeitung Delowoi Peterburg berichtete über Folgen für den Stadtverkehr: Auf der Kuschelewskaja-Straße versperrte eine Tankstellenschlange den Zugang zu einer Bushaltestelle. Nach Recherchen der Zeitung waren an manchen Stationen nur noch Diesel und AI-92 erhältlich; Kunden, die AI-95 benötigten, mussten auf die Ankunft eines Tankwagens warten.

Die pauschale Behauptung, St. Petersburg sei das Benzin ausgegangen, geht über diese Befunde hinaus. Das dokumentierte Bild ist eines stark gestörten Marktes: Benzin ist erhältlich, aber je nach Standort und Sorte nur nach langer Suche, mit Wartezeiten oder in begrenzten Mengen.

Drozdenkos Erklärung macht zugleich deutlich, weshalb eine schnelle Entspannung schwierig bleibt. Zusätzliche Lieferungen müssen organisiert, ausgefallene Verarbeitungskapazitäten ersetzt und beschädigte Anlagen repariert werden. Mengenbegrenzungen können die vorhandenen Bestände auf mehr Kunden verteilen. Ob Anfang Oktober tatsächlich Entlastung eintritt, hängt davon ab, ob die angekündigten Lieferungen und Reparaturen rechtzeitig greifen.

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