Ausländische Fachkräfte zahlen Russland 81 Milliarden Rubel Steuern

Ausländische Fachkräfte zahlen Russland 81 Milliarden Rubel Steuern

Hochqualifizierte ausländische Beschäftigte haben dem russischen Staat innerhalb von drei Jahren 81 Milliarden Rubel Einkommensteuer eingebracht. Zugleich erreichte ihre Zahl Ende 2025 den höchsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt. Das berichtet die Zeitung Iswestija unter Berufung auf eine Untersuchung der Russischen Akademie der Wissenschaften.

Die Steuereinnahmen beziehen sich auf den Zeitraum von 2022 bis 2024. Ende 2025 arbeiteten demnach fast 85.000 Ausländer mit dem besonderen Status eines „hochqualifizierten Spezialisten“ in Russland. Dabei handelt es sich nicht um die wesentlich größere Gruppe gewöhnlicher Arbeitsmigranten, sondern um Beschäftigte, für die bestimmte Anforderungen an Einkommen und Qualifikation gelten.

Unternehmen können solche Fachkräfte außerhalb der üblichen staatlichen Quoten einstellen. Ihre Arbeitserlaubnis gilt bis zu drei Jahre und kann mehrfach verlängert werden. Außerdem dürfen sie in mehreren russischen Regionen tätig sein. Das Verfahren soll Unternehmen die Anwerbung von Spezialisten erleichtern, die auf dem russischen Arbeitsmarkt fehlen.

Im Jahr 2025 wurden nach den von Iswestija zitierten Angaben 69.400 entsprechende Arbeitserlaubnisse ausgestellt – rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie seit Einführung des Programms im Jahr 2010. Auch die Zahl der Meldungen über neu geschlossene Arbeits- und Dienstverträge nahm stark zu: von etwa 50.000 auf 71.000.

Besonders gefragt sind ausländische Ingenieure, IT-Fachkräfte sowie Mitarbeiter in Wissenschaft und Bildung. Eine detaillierte amtliche Statistik über ihre Verteilung auf einzelne Wirtschaftszweige veröffentlicht Russland allerdings nicht.

Vier von zehn kommen aus China

China ist inzwischen mit Abstand das wichtigste Herkunftsland. Rund 39 Prozent der hochqualifizierten ausländischen Beschäftigten kommen von dort. Auf den weiteren Plätzen folgen Turkmenistan, Indien und die Türkei.

Besonders stark stieg 2025 die Zahl der Spezialisten aus Usbekistan. Ihr Anteil erhöhte sich innerhalb eines Jahres von weniger als einem auf mehr als drei Prozent; in absoluten Zahlen verfünffachte sich ihre Zahl. Russische Experten führen dies sowohl auf die niedrige Ausgangsbasis als auch auf die engeren wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Usbekistan zurück.

Die wachsende Bedeutung chinesischer Fachkräfte hängt auch mit der technologischen Neuorientierung der russischen Wirtschaft zusammen. Seit westliche Unternehmen das Land verlassen haben und Sanktionen den Zugang zu westlichen Maschinen erschweren, importieren russische Betriebe verstärkt Anlagen aus China. Für deren Installation, Wartung und Bedienung wird häufig Personal benötigt, das mit der chinesischen Technik bereits vertraut ist.

Damit hilft die Zuwanderung Russland nicht nur, seinen allgemeinen Arbeitskräftemangel zu mildern. Sie begleitet zugleich die Verschiebung seiner wirtschaftlichen Beziehungen von Europa nach Asien.

Hohe Gehälter, hohe Steuereinnahmen

Für die meisten hochqualifizierten ausländischen Spezialisten gilt derzeit ein vorgeschriebenes Mindesteinkommen von 750.000 Rubel pro Quartal – umgerechnet 250.000 Rubel im Monat. Für Wissenschaftler und Lehrkräfte liegt die Schwelle bislang bei 83.500 Rubel monatlich. Beschäftigte bestimmter Innovationszentren wie Skolkowo können von einer solchen Einkommensgrenze vollständig ausgenommen sein.

Die hohen Mindestgehälter erklären, warum eine vergleichsweise kleine Gruppe beträchtliche Steuereinnahmen erzielt. Für 2025 schätzen Experten das Aufkommen aus der Einkommensteuer dieser Beschäftigten auf 22 bis 28 Milliarden Rubel. Im laufenden Jahr könnten es 24 bis 30 Milliarden Rubel werden.

Die Zahl von 81 Milliarden Rubel darf allerdings nicht als Einnahme eines einzelnen Jahres verstanden werden. Sie umfasst die drei Jahre von 2022 bis 2024. Da sich die Zahl der Beschäftigten während dieses Zeitraums veränderte, lässt sich daraus auch keine verlässliche durchschnittliche Steuerzahlung pro Kopf ableiten.

Neue Gehaltsgrenze könnte den Trend bremsen

Ausgerechnet während die Zahl der angeworbenen Fachkräfte steigt, verschärft Russland die Bedingungen für ihren besonderen Aufenthalts- und Beschäftigungsstatus erheblich. Vom 1. März 2027 an muss ein gewöhnlicher hochqualifizierter ausländischer Spezialist mindestens 717.000 Rubel im Monat verdienen. Damit wird die bisherige Schwelle von umgerechnet 250.000 Rubel nahezu verdreifacht.

Für bestimmte Wissenschaftler, Lehrkräfte, Ärzte und weitere privilegierte Berufsgruppen soll künftig ein Mindestgehalt von 358.500 Rubel gelten. Die neuen Grenzen sollen zudem regelmäßig an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst werden.

Die Regierung will damit verhindern, dass Unternehmen den Status des hochqualifizierten Spezialisten nutzen, um Beschäftigte mit deutlich geringeren Qualifikationen außerhalb der normalen Quoten ins Land zu holen. Für viele Arbeitgeber dürfte ein Monatsgehalt von 717.000 Rubel jedoch kaum finanzierbar sein.

Die russische Industrie- und Handelskammer warnte bereits während der Beratungen, dass mehr als 90 Prozent der derzeit beschäftigten ausländischen Spezialisten die neue Gehaltsgrenze nicht erreichten. Unternehmen könnten deshalb Arbeitserlaubnisse nicht verlängern, Mitarbeiter in andere rechtliche Beschäftigungsformen überführen oder ganz auf ihre Dienste verzichten.

Damit droht ein widersprüchliches Ergebnis: Russland benötigt ausländische Ingenieure und Techniker, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen und neue asiatische Technik in seine Industrie zu integrieren. Gleichzeitig könnte die verschärfte Gehaltsvorschrift genau jene Beschäftigten wieder aus dem Land drängen, deren Zahl und Steuerzahlungen zuletzt deutlich gestiegen sind.

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