Russlands Haushalt zwischen Steuereinnahmen und Ausgabenboom

Russlands Haushalt zwischen Steuereinnahmen und Ausgabenboom

Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sind in den ersten sieben Monaten 2026 um fast 17 Prozent gesunken. Gleichzeitig nahm der Staat außerhalb des Energiesektors deutlich mehr ein. Dennoch wuchs das Defizit des föderalen Haushalts bereits auf 6,45 Billionen Rubel.

Die Einnahmen des russischen Staates aus dem Öl- und Gasgeschäft bleiben deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Von Januar bis Juli flossen 4,59 Billionen Rubel in den föderalen Haushalt – 16,8 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Das geht aus vorläufigen Zahlen des russischen Finanzministeriums hervor.

Als Hauptgrund nennt das Ministerium die niedrigeren Ölpreise in den zurückliegenden Monaten. Dennoch lagen die Einnahmen noch über dem im Rahmen der Haushaltsregel festgelegten Basisniveau. Eine unmittelbare Gefährdung der Stabilität des Haushaltssystems sieht das Ministerium daher nicht.

Tatsächlich hat sich die Lage im Juli sogar etwas aufgehellt. Nach dem ersten Halbjahr hatten die Öl- und Gaseinnahmen mit 3,66 Billionen Rubel noch um 22,7 Prozent unter dem Vorjahreswert gelegen. Im Juli kamen rund 930 Milliarden Rubel hinzu. Dadurch verringerte sich der Rückstand nach sieben Monaten auf 16,8 Prozent.

Von einer Entwarnung kann dennoch keine Rede sein. Bereits 2025 waren die Einnahmen aus dem Energiegeschäft um fast 24 Prozent gesunken. Die Entwicklung setzt sich damit fort, wenn auch zuletzt abgeschwächt.

Einnahmen wachsen – die Ausgaben schneller

Bemerkenswert ist, dass der Rückgang im Öl- und Gasgeschäft durch andere Einnahmen mehr als ausgeglichen wurde. Die nicht aus dem Energiesektor stammenden Einnahmen stiegen in den ersten sieben Monaten um 18,3 Prozent auf 17,52 Billionen Rubel.

Besonders stark erhöhten sich die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer. Sie legten um 24,9 Prozent auf 9,79 Billionen Rubel zu. Insgesamt nahm der föderale Haushalt 22,1 Billionen Rubel ein – 8,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das bestätigt zunächst die seit Jahren von der russischen Regierung vertretene These, wonach der Staatshaushalt weniger abhängig von Öl und Gas geworden sei. Nur noch rund ein Fünftel der bisherigen Einnahmen des Jahres 2026 stammt unmittelbar aus dem Energiesektor.

Allerdings ist der starke Anstieg der Mehrwertsteuereinnahmen kein eindeutiger Beleg für eine entsprechend wachsende Realwirtschaft. Auch höhere Preise, Veränderungen bei Importen, steuerliche Maßnahmen und eine schärfere Erfassung wirtschaftlicher Aktivitäten können das nominale Steueraufkommen erhöhen.

Vor allem aber wachsen die staatlichen Ausgaben schneller als die Einnahmen. Bis Ende Juli gab der föderale Haushalt 28,56 Billionen Rubel aus. Das waren 14,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Damit entstand in den ersten sieben Monaten ein Defizit von 6,45 Billionen Rubel beziehungsweise 2,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Vorgesehen waren für das gesamte Jahr ursprünglich lediglich rund 3,8 Billionen Rubel oder 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der bisherige Fehlbetrag liegt somit bereits etwa 70 Prozent über der Planung für das Gesamtjahr.

Das Finanzministerium erklärt den hohen Zwischenstand vor allem mit vorgezogenen Ausgaben. Verträge seien frühzeitig abgeschlossen und einzelne Zahlungen bereits zu Jahresbeginn geleistet worden. Dadurch könne das Defizit im weiteren Jahresverlauf wieder sinken.

Finanzminister Anton Siluanow hat allerdings bereits eingeräumt, dass die ursprünglich geplanten 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts voraussichtlich nicht zu halten sein werden.

Weniger abhängig, aber nicht weniger unter Druck

Die Zahlen ergeben daher ein gemischtes Bild. Russland gelingt es zunehmend, den föderalen Haushalt auch aus anderen Quellen als dem Export von Öl und Gas zu finanzieren. Die nicht mit dem Energiesektor verbundenen Einnahmen wachsen kräftig und stabilisieren den Staatshaushalt.

Gleichzeitig reichen selbst diese Mehreinnahmen nicht aus, um den Anstieg der Ausgaben aufzufangen. Das zentrale Haushaltsproblem ist damit nicht mehr allein der Ölpreis. Es ist die wachsende Lücke zwischen einem durchaus robusten Steueraufkommen und einem noch schneller expandierenden Staatshaushalt.

Russlands Finanzen sind weniger vom Öl abhängig geworden. Vom Geldbedarf des Staates sind sie es nicht.

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