Die Nachfrage nach Bargeld ist in Russland im Juli auf den höchsten Stand seit Jahresbeginn gestiegen. Nach Angaben der Zentralbank nahm die umlaufende Bargeldmenge innerhalb eines Monats um 643,4 Milliarden Rubel zu. Der Zuwachs war damit 43,1 Prozent größer als im Juni.
Im Januar waren noch 386,2 Milliarden Rubel aus dem Bargeldumlauf verschwunden. Seit Februar kehrte sich die Entwicklung um: Bis Ende Juli nahm die Bargeldmenge insgesamt um rund 2,55 Billionen Rubel zu.
Die Zentralbank führt den Anstieg vor allem auf zwei Faktoren zurück. Zum einen passten sich Bürger und Unternehmen an steuerliche Änderungen und eine stärkere Kontrolle des Zahlungsverkehrs an. Zum anderen veranlassten die wiederholten Abschaltungen des mobilen Internets viele Menschen, Geld von ihren Konten abzuheben. Bargeld wird damit zur technischen Reserve: Es funktioniert auch dann, wenn Mobilfunknetze, Bezahlterminals oder Bank-Apps ausfallen.
Der Trend bedeutet nach Einschätzung der Zentralbank nicht automatisch eine zusätzliche Inflationsgefahr. Das Geld werde lediglich von Konten in Banknoten umgeschichtet; die gesamte Geldmenge verändere sich dadurch nicht. Auffällig ist jedoch die Größenordnung. In ruhigen Zeiten wächst die umlaufende Bargeldmenge gewöhnlich nur um 60 bis 120 Milliarden Rubel im Monat.
Ein von Kommersant ausdrücklich als KI-generiert gekennzeichneter Kontext stellt den aktuellen Anstieg in eine Reihe mit früheren Krisenmomenten. Besonders starke Bargeldabhebungen wurden demnach zu Beginn der Corona-Pandemie im März und April 2020 sowie im Februar und September 2022 registriert – zunächst nach Beginn des Krieges gegen die Ukraine, später nach der Ankündigung der Teilmobilmachung. Gemeinsam war diesen Phasen das Bedürfnis, bei wachsender Unsicherheit einen unmittelbar verfügbaren und von Banken sowie technischer Infrastruktur unabhängigen Vorrat zu besitzen.
Neu ist, dass sich inzwischen mehrere Motive überlagern: technische Ausfälle, die Sorge vor einer stärkeren staatlichen Überwachung digitaler Zahlungen und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. In einer hochgradig digitalisierten Zahlungswelt gewinnt das physische Geld damit gerade wegen seiner technischen Anspruchslosigkeit wieder an Wert.
Die Zentralbank rechnet ohnehin mit einem weiteren Wachstum. Anfang 2026 befanden sich rund 19,7 Billionen Rubel in bar im Umlauf. Bis Ende 2030 könnten es im Basisszenario 23,9 Billionen und bei einer dynamischeren Entwicklung bis zu 26,6 Billionen Rubel sein.
Die Digitalisierung schafft das Bargeld also nicht ab. Je abhängiger Zahlungen von Netzen, Geräten und kontrollierbaren Datenströmen werden, desto stärker kann die Banknote als kleine autonome Rückversicherung erscheinen.

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