Russlands Milliardäre verlieren fünf Milliarden – auf dem Papier

Russlands Milliardäre verlieren fünf Milliarden – auf dem Papier

Auch Russlands Reichste müssen in diesem Jahr Verluste hinnehmen. Das gemeinsame Vermögen der 20 russischen Unternehmer im Bloomberg Billionaires Index ist seit Jahresbeginn um 5,02 Milliarden Dollar gesunken. Ganz so dramatisch, wie die Zahl zunächst klingt, ist die Lage allerdings nicht: Noch immer verwalten die Betroffenen zweistellige Milliardenvermögen – und „verloren“ wurde das Geld überwiegend an der Börse.

Nach Berechnungen auf Grundlage des Bloomberg-Rankings summieren sich die Verluste einzelner russischer Milliardäre seit Jahresbeginn auf 16,1 Milliarden Dollar. Andere Mitglieder des exklusiven Kreises wurden im gleichen Zeitraum um insgesamt 11,08 Milliarden Dollar reicher. Unter dem Strich verbleibt das Minus von gut fünf Milliarden Dollar. Kommersant beruft sich auf eine Auswertung der russischen Nachrichtenagenturen.

Am härtesten traf es Michail Prochorow. Sein geschätztes Vermögen verringerte sich um 5,66 Milliarden auf immer noch 10,9 Milliarden Dollar. Wladimir Potanin verlor rechnerisch 3,44 Milliarden und verfügt nun über 23 Milliarden Dollar. Beim Telegram-Gründer Pawel Durow sank die Schätzung um 1,86 Milliarden auf 12,5 Milliarden Dollar.

Auch der frühere Lukoil-Chef Wagit Alekperow büßte 1,41 Milliarden ein, während das Vermögen des Stahlunternehmers Wladimir Lissin um 1,16 Milliarden auf 22,6 Milliarden Dollar zurückging.

Andere russische Milliardäre erwischten dagegen die günstigere Seite der Vermögensverschiebung. Alexej Mordaschow wurde seit Jahresbeginn um 1,79 Milliarden Dollar reicher und führt die russischen Teilnehmer der Bloomberg-Liste nun mit 28,1 Milliarden Dollar an. Leonid Michelson gewann 1,48 Milliarden hinzu, Andrej Melnitschenko 1,18 Milliarden und Gennadi Timtschenko 1,15 Milliarden Dollar.

Bemerkenswert ist weniger der aktuelle Verlust als die Geschwindigkeit, mit der sich solche Rankings drehen. Noch am 1. Juni hatte Bloomberg für dieselben 20 russischen Unternehmer seit Jahresbeginn einen gemeinsamen Vermögenszuwachs von fast 22 Milliarden Dollar errechnet. Innerhalb von zwei Monaten verwandelte sich dieses Plus somit in ein Minus von fünf Milliarden – eine Bewertungsverschiebung von rund 27 Milliarden Dollar. Meduza dokumentierte den damaligen Stand.

Das Geld wurde allerdings weder verdient noch verloren wie ein Monatsgehalt. Der Bloomberg Billionaires Index bewertet vor allem Unternehmensbeteiligungen anhand aktueller Aktienkurse und weiterer Finanzkennzahlen. Sinkt der Börsenwert eines Konzerns, wird sein Großaktionär über Nacht rechnerisch ärmer – ohne eine einzige Aktie verkauft zu haben.

Noch im April hatte Forbes das Gesamtvermögen aller 146 russischen Dollar-Milliardäre mit dem Rekordwert von 696,5 Milliarden Dollar angegeben. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies trotz Krieg und Sanktionen einen Zuwachs von elf Prozent. Die Forbes- und Bloomberg-Werte sind wegen unterschiedlicher Stichtage und Berechnungsmethoden nicht unmittelbar vergleichbar. Sie zeigen aber, dass die derzeitigen fünf Milliarden Minus kaum als Verarmung der russischen Oberschicht gelten können.

Die Reichsten Russlands sind damit vor allem eines geworden: etwas weniger reicher als zuletzt berechnet. Der Unterschied dürfte sich für die meisten Betroffenen im Alltag in engen Grenzen halten.

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