Reichtum beginnt für die russische Bevölkerung bei einem Monatseinkommen von rund 393.000 Rubel, derzeit rund 4.435 Euro. Das ergab eine Umfrage des staatlichen Meinungsforschungsinstituts WZIOM. Obwohl diese Schwelle nominal viermal so hoch liegt wie vor gut 20 Jahren, ist sie gemessen am Durchschnittslohn deutlich näher gerückt. Als reich betrachtet sich dennoch nur eine kleine Minderheit.
Um in Russland als reich zu gelten, muss ein Mensch nach Ansicht der Bevölkerung durchschnittlich 393.300 Rubel im Monat verdienen. Das entspricht derzeit etwa dem Vierfachen des russischen Durchschnittslohns. An der landesweiten WZIOM-Umfrage nahmen 1.600 volljährige Personen teil.
Die Antworten zeigen allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Männer setzen die Grenze zum Reichtum mit durchschnittlich 413.000 Rubel höher an als Frauen, denen zufolge bereits ein Einkommen von rund 374.000 Rubel ausreicht.
Besonders anspruchsvoll sind die sogenannten Millennials. Russen der Jahrgänge 1982 bis 1991 sehen die Reichtumsgrenze bei 464.000 Rubel im Monat. Bei den zwischen 1992 und 2000 Geborenen liegt sie mit 444.600 Rubel etwas niedriger. Die höchsten Erwartungen haben erwartungsgemäß die Bewohner Moskaus und St. Petersburgs: Für sie beginnt Reichtum erst bei einem Monatseinkommen von durchschnittlich 547.000 Rubel.
Vier Durchschnittsgehälter reichen theoretisch
Im Jahr 2005 hatten die Russen die Schwelle zum Reichtum noch bei 94.900 Rubel angesetzt. Nominal hat sich der erforderliche Betrag damit innerhalb von gut zwei Jahrzehnten mehr als vervierfacht.
Der bloße Vergleich der Rubelbeträge ist wegen der zwischenzeitlichen Inflation allerdings nur begrenzt aussagekräftig. Interessanter ist das Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen. Nach Angaben von WZIOM waren 2005 etwa elf Durchschnittsgehälter erforderlich, um als reich zu gelten. Heute sind es nur noch rund vier.
Der durchschnittliche nominale Monatslohn lag nach Angaben der russischen Statistikbehörde Rosstat im ersten Quartal 2026 bei 106.900 Rubel. Im gesamten Jahr 2025 waren es durchschnittlich 101.700 Rubel gewesen. Die gesellschaftlich wahrgenommene Grenze zum Reichtum ist im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen somit deutlich gesunken.
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass Wohlstand tatsächlich leichter erreichbar geworden ist. Der Durchschnittslohn wird durch sehr hohe Einkommen nach oben gezogen und liegt deutlich über dem Einkommen vieler Beschäftigter. Zudem unterscheiden sich Löhne und Lebenshaltungskosten zwischen Moskau, den rohstoffreichen Regionen und der russischen Provinz erheblich.
Die Zahl von 393.000 Rubel beschreibt deshalb weniger eine objektive ökonomische Grenze als die gesellschaftliche Vorstellung davon, ab welchem Einkommen finanzielle Sorgen weitgehend verschwinden und ein überdurchschnittlicher Lebensstandard möglich wird.
Nur vier Prozent halten sich selbst für reich
Trotz der rechnerisch gesunkenen Schwelle betrachten sich lediglich vier Prozent der Befragten selbst als reich. 2005 waren es mit drei Prozent nur geringfügig weniger.
Besonders häufig bezeichneten sich Angehörige der ältesten, bis einschließlich 1947 geborenen Generation als wohlhabend. In dieser Gruppe lag der Anteil bei neun Prozent. Das muss nicht unbedingt auf höhere Einkommen zurückzuführen sein. Denkbar sind ebenso geringere materielle Erwartungen, vorhandenes Wohneigentum oder ein anderes Verständnis von Wohlstand.
Weitere 21 Prozent der Befragten erklärten, sie seien zwar noch nicht reich, gingen aber davon aus, dieses Ziel erreichen zu können. Unter den jungen Menschen bis 25 Jahre zeigten sich sogar 60 Prozent zuversichtlich, irgendwann wohlhabend zu werden.
30 Prozent würden gerne reich werden, zweifeln jedoch daran, dass ihnen dies gelingt. Rund 40 Prozent erklärten dagegen, Reichtum sei für sie überhaupt kein persönliches Ziel. Fünf Prozent konnten oder wollten die Frage nicht beantworten.
Reichtum bleibt relativ
Wie stark die Ergebnisse von der Fragestellung abhängen, zeigt der Vergleich mit anderen Untersuchungen. In einer SuperJob-Umfrage von 2025 hatten russische Befragte die Schwelle zum Reichtum mit durchschnittlich 930.000 Rubel wesentlich höher angesetzt. Die subjektive Armutsgrenze lag dort bei 48.000 Rubel im Monat.
Auch Russen, die bereits zu den einkommensstärksten zehn Prozent gehören, empfinden sich häufig nicht als wohlhabend. Selbst bei einem mittleren Einkommen von etwa 180.000 Rubel im Monat sehen viele den eigentlichen Reichtum erst bei rund 500.000 Rubel je Haushaltsmitglied.
Solche Unterschiede zeigen, dass „reich“ keine statistisch eindeutig bestimmbare Kategorie ist. Entscheidend sind Vergleichsgruppe, Wohnort, Alter, Haushaltsgröße und persönliche Ansprüche. Wer in einer kleineren russischen Stadt 393.000 Rubel verdient, verfügt über eine andere wirtschaftliche Stellung als ein Moskauer mit demselben Einkommen und hohen Kosten für Wohnung, Bildung und Dienstleistungen.
Die WZIOM-Umfrage zeichnet daher vor allem ein Bild der Erwartungen: Reich ist für die meisten Russen nicht bereits, wer etwas mehr als der Durchschnitt verdient. Als wohlhabend gilt, wer ungefähr vier Durchschnittsgehälter erhält – und damit zu einer sehr kleinen Einkommensgruppe gehört. Dass sich trotzdem 40 Prozent gar nicht erst zum Ziel setzen, reich zu werden, deutet zugleich darauf hin, dass materieller Aufstieg für einen erheblichen Teil der Bevölkerung entweder keine Priorität besitzt oder nicht als realistische Perspektive erscheint.

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