Russlands größte Schifffahrtsgesellschaft Sovcomflot hat im ersten Quartal 2026 wieder einen deutlichen Gewinn erzielt. Nach den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen nach internationalen Rechnungslegungsstandards lag der Nettogewinn von Januar bis März bei 94 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 393 Millionen Dollar ausgewiesen. Der Umsatz stieg laut Kommersant um knapp 60 Prozent auf 444 Millionen Dollar.
Auch beim operativen Ergebnis meldete Sovcomflot eine deutliche Erholung. Das EBITDA legte im Jahresvergleich um das 2,2-Fache auf 227 Millionen Dollar zu. Die EBITDA-Marge stieg von 47 auf 66 Prozent. Die bereinigte, den Aktionären zurechenbare Nettogewinnzahl lag bei 84 Millionen Dollar, nachdem im ersten Quartal 2025 noch ein kleiner bereinigter Verlust von einer Million Dollar angefallen war.
Das Unternehmen begründet die Verbesserung mit einer hohen Auslastung der Flotte durch langfristige Verträge und einer günstigen Lage am Tankermarkt. Sovcomflot ist die wichtigste russische Reederei für den Transport von Öl, Ölprodukten und Flüssiggas sowie für Dienstleistungen rund um Offshore-Förderprojekte. Gerade dieser Bereich ist für Russland seit Beginn der westlichen Sanktionen strategisch wichtig geworden, weil der Export von Energieträgern stärker auf eigene oder kontrollierbare Transportketten angewiesen ist.
Der Vergleich mit dem Vorjahr darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sovcomflot 2025 erheblich unter Druck stand. Für das Gesamtjahr 2025 meldete das staatlich kontrollierte Unternehmen einen Nettoverlust von 648,4 Millionen Dollar. Das EBITDA fiel damals auf 526 Millionen Dollar, nach 1,01 Milliarden Dollar im Jahr 2024; auch der Umsatz ging deutlich zurück. Reuters führte diese Zahlen im März auf die Jahresbilanz des Konzerns zurück.
Der Einbruch 2025 war eng mit verschärften Sanktionen verbunden. Im ersten Quartal 2025 hatte Sovcomflot einen Verlust von 393 Millionen Dollar ausgewiesen; damals wurden unter anderem zusätzliche Beschränkungen gegen Schiffe des Konzerns und der Verlust zuvor noch möglicher Geschäftsspielräume als Belastungsfaktoren genannt.
Für Aktionäre enthält die neue Meldung dennoch ein positives Signal. Sovcomflot bestätigte, weiterhin mindestens 50 Prozent des bereinigten Jahresgewinns nach IFRS als Dividende ausschütten zu wollen. Der Verwaltungsrat empfahl für die nächste Zahlung insgesamt 11,6 Milliarden Rubel beziehungsweise 4,87 Rubel je Aktie. Die Hauptversammlung soll darüber am 26. Juni entscheiden.
Politisch ist der Quartalsbericht mehr als eine gewöhnliche Unternehmensmeldung. Er zeigt, dass ein zentraler Akteur des russischen Energieexports trotz Sanktionen nicht vom Markt verschwunden ist, sondern zumindest vorübergehend wieder profitabel arbeiten kann. Zugleich bleibt offen, wie belastbar diese Erholung ist. Ein gutes Quartal, günstige Tankerraten und langfristige Verträge ersetzen noch keine dauerhafte Entwarnung. Die Sanktionen, der eingeschränkte Zugang zu westlichen Finanz-, Versicherungs- und Servicemärkten sowie das Risiko weiterer Beschränkungen bleiben für Sovcomflot bestehen.
Die eigentliche Nachricht lautet daher nicht, dass die Probleme des russischen Tankerriesen gelöst wären. Sie lautet: Sovcomflot hat nach einem schweren Sanktionsjahr wieder Luft bekommen — und Moskau kann dies als Beleg dafür verkaufen, dass sich ein wichtiger Teil seiner Energie-Logistik an die neue Realität angepasst hat.

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