Russlands größtes Geldinstitut Sberbank hat seine Einschätzung zur Entwicklung der russischen Wirtschaft im laufenden Jahr spürbar nach unten korrigiert. Wie Finanzchef Taras Skworzow mitteilte, rechnet das Institut für 2026 nun nur noch mit einem realen BIP-Wachstum von 0,5 bis 1 Prozent. Die bisherige Prognose hatte bei 1 bis 1,5 Prozent gelegen.
Auch bei der Inflation zeigt sich die Bank pessimistischer. Statt der bislang erwarteten 5 bis 6 Prozent geht Sberbank nun von 6 bis 6,5 Prozent zum Jahresende aus. Gleichzeitig wurde die Prognose für das Wachstum der Kredite an Privatkunden von 9 bis 11 Prozent auf 5 bis 8 Prozent gesenkt. Die Erwartungen für Unternehmenskredite blieben dagegen unverändert bei 10 bis 12 Prozent.
Skworzow begründete die Korrektur mit der beobachteten Entwicklung des BIP und anderer makroökonomischer Kennzahlen. Besonders schwach hätten sich im ersten Quartal der Rohstoffsektor und die verarbeitende Industrie entwickelt. Einzelhandel und Bauwirtschaft lägen zwar noch im Plus, hätten sich aber im Vergleich zum Vorquartal und zum Jahr 2025 deutlich verlangsamt.
Nach Angaben des Sberbank-Managers hat sich auch die Konsumdynamik abgeschwächt. Die realen Wachstumsraten der Verbrauchernachfrage seien im ersten Quartal auf 2,2 Prozent zurückgegangen. Bei Lebensmitteln habe sich das Wachstum von 2,3 auf 1,3 Prozent verringert. Relativ stabil bleibe lediglich die Nachfrage nach Dienstleistungen, auch dort sei aber eine Verlangsamung zu beobachten.
Der neue Sberbank-Ausblick passt zu jüngsten Hinweisen aus der russischen Führung auf eine schwächere Konjunktur. Präsident Wladimir Putin hatte Mitte April erklärt, dass das russische BIP im Januar und Februar 2026 um 1,8 Prozent zurückgegangen sei und die tatsächliche Entwicklung hinter den Prognosen von Regierung und Zentralbank zurückbleibe.
Die russische Zentralbank erwartet laut ihrem mittelfristigen April-Ausblick für 2026 ein Wachstum von 0,5 bis 1,5 Prozent. Das Wirtschaftsministerium hatte im September noch 1,3 Prozent prognostiziert; Ressortchef Maxim Reschetnikow hatte Ende März allerdings bereits angekündigt, dass die neue Schätzung niedriger ausfallen werde.
Damit verdichten sich die Signale, dass Russlands Wirtschaft nach den starken, auch von Staatsausgaben getragenen Wachstumsjahren in eine Phase deutlich geringerer Dynamik eintritt. Die wichtigste offene Frage bleibt, ob sich die von Zentralbankchefin Elvira Nabiullina erwartete Erholung in den kommenden Quartalen tatsächlich einstellt.

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