Russlands Finanzminister Anton Siluanow hat die Bürger des Landes aufgefordert, ihre Ersparnisse nicht „unter dem Kopfkissen“ aufzubewahren. Bei einem Auftritt im Rahmen einer föderalen Bildungsveranstaltung sagte er, nicht bewegtes Geld werde durch Inflation entwertet. Wer seine Ersparnisse dagegen aktiv verwalte, könne Einkommen erzielen.
Als einfachstes Instrument nannte Siluanow Bankeinlagen. Gerade in der aktuellen Zinslage könnten Depositen einen spürbaren Zusatzertrag bringen. Daneben verwies der Minister auf Wertpapiere, Aktien, Anleihen und Investmentinstitute als weitere Möglichkeiten, private Ersparnisse in die Finanzinfrastruktur einzubringen.
Siluanow verband seine Empfehlung ausdrücklich mit einem gesamtwirtschaftlichen Argument. Wenn die Ersparnisse der Bevölkerung nicht bar gehalten, sondern über Banken und Kapitalmarkt angelegt würden, arbeiteten diese Mittel in der Wirtschaft und könnten zu einer zusätzlichen Finanzierungsquelle für die Entwicklung des Landes werden.
Bereits Anfang März hatte der Finanzminister erklärt, in Russland beginne eine Umschichtung von Ersparnissen aus Bankeinlagen an den Finanzmarkt. Nach seinen Angaben liegen derzeit mehr als 60 Billionen Rubel auf Bankkonten. Einlagen blieben wegen hoher Zinsen und ihrer Zuverlässigkeit zwar weiterhin das wichtigste Sparinstrument. Mit sinkenden Zinsen und günstigeren Krediten werde sich das Interesse der Bevölkerung jedoch schrittweise stärker auf den Aktien- und Anleihemarkt verlagern, prognostizierte Siluanow.
Die Aussagen passen in eine Situation, in der die russische Regierung versucht, private Mittel stärker für Investitionen zu mobilisieren. Zugleich bleibt die Empfehlung für viele Haushalte ambivalent: Hohe Zinsen machen Bankeinlagen attraktiv, hohe Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit erhöhen aber auch das Bedürfnis nach kurzfristig verfügbaren Reserven. Siluanows Appell zeigt damit nicht nur den Wunsch des Finanzministeriums nach mehr Kapitalmarktaktivität, sondern auch den Druck, inländische Finanzierungsquellen stärker zu nutzen.

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