Ausfälle von Produktions- und Logistikkapazitäten haben nach Einschätzung der russischen Zentralbank die Verlangsamung des Preisauftriebs unterbrochen. Spielraum für niedrigere Zinsen sieht sie auch davon abhängig, ob die Regierung das Haushaltsdefizit zurückführt. Für Unternehmen entsteht ein schwieriges Nebeneinander von teuren Krediten und zusätzlichen Steuerlasten.
Russlands Zentralbank sieht ihre Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung durch Störungen auf der Angebotsseite beeinträchtigt. Vizezentralbankchef Alexej Sabotkin erklärte am 12. Oktober im Haushalts- und Steuerausschuss der Staatsduma, die zurückhaltendere Nachfrage habe den Preisauftrieb 2025 und im ersten Halbjahr 2026 gebremst. Im zweiten Halbjahr sei diese Entwicklung jedoch durch zeitweilige Ausfälle von Produktions- und Logistikkapazitäten in mehreren Branchen unterbrochen worden.
Kommersant ordnet diese Ausfälle als Folge von Drohnenangriffen ein. In der vom Blatt wiedergegebenen Aussage Sabotkins ist allgemein von Kapazitäten die Rede, die in den vergangenen Monaten vorübergehend weggefallen seien. Eine genaue Aufteilung des Inflationseffekts nach Branchen oder Schadensursachen enthält die Meldung nicht.
Für die Geldpolitik liegt darin ein grundsätzliches Problem. Hohe Zinsen können kreditfinanzierte Nachfrage bremsen. Beschädigte Produktionsanlagen oder unterbrochene Transportwege stellen sie jedoch nicht wieder her. Fehlt Angebot, kann der Preisdruck deshalb auch bei schwächerer Nachfrage anhalten.
Bereits am 11. September hatte die Zentralbank ihre Zinssenkungen unterbrochen und den Leitzins bei 14 Prozent belassen. Nach dem damaligen Kommersant-Bericht stand vor allem die Verteuerung von Kraftstoffen hinter der Entscheidung. Zentralbankchefin Elwira Nabiullina erläuterte, die Geldpolitik könne die unmittelbaren Ursachen solcher Preisschübe nicht beeinflussen, müsse aber auf deren Folgeeffekte reagieren. Verhindert werden solle, dass eine zunächst vorübergehende Beschleunigung in einen dauerhaften Inflationstrend übergeht.
Die jüngsten Monatsdaten zeigen bislang keine Rückkehr zum Inflationsziel. Nach der Statistik der Zentralbank lag die jährliche Teuerung im September bei 6,35 Prozent, nach 6,33 Prozent im August. Das Ziel beträgt weiterhin vier Prozent. Die geringe Veränderung zwischen diesen beiden Monaten sagt allerdings für sich genommen nichts darüber aus, wie stark einzelne Angebotsstörungen auf die Preise wirken.
Neben der Produktionsseite rückt die Zentralbank den Staatshaushalt in den Mittelpunkt. Sabotkin bezeichnete die geplante deutliche Verringerung des strukturellen Primärdefizits 2027 als wichtige Voraussetzung für Zinssenkungen im kommenden Jahr. Bis 2029 soll dieser Haushaltssaldo wieder ausgeglichen sein. Er bildet den strukturellen Finanzierungsbedarf ohne Zinszahlungen ab und ist nicht mit dem gesamten Haushaltsdefizit gleichzusetzen.
Der Staatshaushalt sei eine bedeutende Nachfragequelle, betonte Sabotkin. Wenn zusätzliche Ausgaben durch höhere Steuereinnahmen gedeckt würden, begrenze dies nach seiner Darstellung ihren Einfluss auf Nachfrage und Zinsniveau. Haushaltskonsolidierung könnte somit Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik schaffen. Eine verbindliche Zusage niedrigerer Zinsen ist damit nicht verbunden: Sabotkin nannte die Budgetentwicklung ausdrücklich nur als eine von mehreren Voraussetzungen.
Für Unternehmen bleibt diese Aussicht ambivalent. Höhere Steuern entziehen ihnen unmittelbar Mittel; günstigere Finanzierung könnte erst später folgen. Hier berührt die Argumentation der Zentralbank die jüngsten Einwände von Nornickel-Präsident Wladimir Potanin. Er warnt vor zusätzlichen Belastungen und häufig wechselnden Steuerregeln, die langfristige Investitionen erschweren könnten. Sabotkins allgemeine Aussagen zur Haushaltsfinanzierung sind allerdings keine ausdrückliche Stellungnahme zu der von Potanin kritisierten Rohstoffbesteuerung.
Die Herausforderung besteht damit aus zwei unterschiedlichen Aufgaben: Die Nachfrage muss mit den verfügbaren Kapazitäten vereinbar bleiben, zugleich müssen Unternehmen beschädigte Anlagen ersetzen und neue Kapazitäten finanzieren können. Haushaltsdisziplin und hohe Zinsen können den Preisauftrieb begrenzen. Ob parallel genügend investiert wird, entscheidet mit darüber, wie dauerhaft diese Stabilisierung ausfällt.

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