Fünf Jahre länger: Russland verlängert die Nutzungsdauer älterer Superjets

Fünf Jahre länger: Russland verlängert die Nutzungsdauer älterer Superjets

Rosawiazija hat die zulässige Nutzungsdauer bestimmter SSJ-100 von 15 auf 20 Jahre angehoben. Auch die Grenzen für Flugstunden und Flüge steigen. Die Entscheidung erweitert den Spielraum für den Weiterbetrieb der vorhandenen Flotte, während die Serienfertigung der auf russische Komponenten umgestellten Nachfolgeversion für 2027 geplant ist.

Russlands Luftfahrtbehörde Rosawiazija hat eine Verlängerung der Nutzungsdauer für bestimmte Flugzeuge des Typs Sukhoi Superjet 100 genehmigt. Die Maschinen dürfen künftig bis zu 20 statt bisher 15 Jahre betrieben werden. Zugleich steigt die zugelassene Zahl der Flüge von 15.000 auf 20.000 und die Grenze der Flugstunden von 25.000 auf 40.000.

Nach der Mitteilung des Flugzeugbaukonzerns OAK betrifft die Genehmigung SSJ-100 mit russisch-französischen SaM146-Triebwerken und erhöhter Reichweite, bezeichnet als RRJ-95B-100/LR-100. Damit ist die Entscheidung genauer eingegrenzt, als es die allgemeine Formulierung einer Lebensdauerverlängerung für den Superjet nahelegt.[1]

Die Genehmigung erweitert mehrere unterschiedliche Betriebsgrenzen. Die zusätzliche Kalenderzeit allein sagt deshalb noch nicht, wie lange eine einzelne Maschine tatsächlich weiterfliegen kann. Dafür sind auch ihre bisherige Nutzung und die jeweils geltenden technischen Anforderungen maßgeblich. Aus den neuen Werten folgt keine pauschale Freigabe jedes Flugzeugs für fünf zusätzliche Betriebsjahre unabhängig von seinem Zustand.

OAK erklärt, die zulässige Lebensdauer werde schrittweise durch Berechnungen, Belastungsversuche an vollständigen Strukturen und die Auswertung von Betriebserfahrungen abgesichert. Entscheidend sei die Erfüllung der Lufttüchtigkeitsanforderungen insbesondere hinsichtlich Festigkeit, Lebensdauer und Korrosion. Der Hersteller stellt die Erweiterung somit als Ergebnis technischer Nachweise dar. Die zugrunde liegenden Prüfberichte werden in den vorliegenden Meldungen nicht im Einzelnen erläutert.[1]

Wirtschaftlich ist die Entscheidung für die Betreiber der bestehenden Flotte relevant. Nach den von Kommersant wiedergegebenen Angaben werden in Russland derzeit 154 SSJ-100 eingesetzt. Zu den größten Betreibern gehören die Fluggesellschaften Rossija, Asimut und Red Wings. Diese Zahl beschreibt den gesamten genannten Bestand; wie viele Maschinen unmittelbar unter die jetzt erweiterte Genehmigung fallen, geht aus dem Bericht nicht hervor.[2]

Die älteren Superjets wurden mit ausländischen Komponenten gebaut. Für die auf russische Komponenten umgestellte Nachfolgeversion ist der Beginn der Serienfertigung nach dem Bericht für 2027 vorgesehen.[2] Die längere Nutzbarkeit vorhandener Maschinen kann den Übergang erleichtern und den Druck verringern, Flugzeuge allein wegen erreichter Betriebsgrenzen ersetzen zu müssen. Die aktuelle Genehmigung ist jedoch für sich genommen kein Nachweis einer erneuten Verzögerung des Nachfolgeprogramms.

Ebenso wenig erledigt sie sämtliche technischen Fragen des Weiterbetriebs. Die jetzt veröffentlichten Grenzen betreffen das Flugzeug. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass sich die zulässige Lebensdauer jedes eingebauten Triebwerks oder anderer Komponenten automatisch im gleichen Umfang verlängert. Deren Wartung, Reparatur und gegebenenfalls Austausch bleiben eigenständige Aufgaben.

Für Russlands Fluggesellschaften bedeutet die Entscheidung damit vor allem zusätzlichen Planungsspielraum. Ob dieser vollständig genutzt werden kann, hängt neben den genehmigten Betriebsgrenzen auch von der technischen Verfügbarkeit und den Kosten des Weiterbetriebs ab. Die Flugzeugkonstruktion darf länger dienen; eine Garantie für fünf weitere wirtschaftlich nutzbare Jahre jeder einzelnen Maschine ist damit nicht verbunden.

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