Russlands Waffenexporte: Milliardenumsätze unter Kriegsbedingungen

Russlands Waffenexporte: Milliardenumsätze unter Kriegsbedingungen

Russland hat nach offiziellen Angaben 2025 mehr als 15 Milliarden Dollar mit dem Export militärischer Erzeugnisse eingenommen. Damit bewegt sich die genannte Summe in einer Größenordnung, die das Land bereits vor dem Krieg erreichte. Die Bilanz belegt fortbestehende Auslandsgeschäfte, lässt aber keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die Menge der gelieferten Waffen oder den russischen Weltmarktanteil zu.

Die russische Rüstungsindustrie muss die Versorgung der eigenen Streitkräfte und die Erfüllung ausländischer Aufträge miteinander vereinbaren. Dass das Exportgeschäft dabei weiterhin erhebliche Einnahmen bringt, hatte Präsident Wladimir Putin bereits am 30. Januar 2026 erklärt: Im vergangenen Jahr seien militärische Erzeugnisse in mehr als 30 Länder geliefert worden, die Deviseneinnahmen hätten 15 Milliarden Dollar überschritten. Die Zahl ist damit eine Bilanz für 2025, keine neue Bestandsaufnahme der Ausfuhren im laufenden Jahr.

Zur historischen Einordnung lohnt ein Blick auf frühere Größenordnungen. Der Rüstungsexperte Ilja Kramnik erläuterte im Juni 2022 bei einer Veranstaltung des Moskauer Forschungsinstituts IMEMO, Russland habe Anfang der 2010er Jahre jährliche Waffenexporte von etwa 14 bis 15 Milliarden Dollar erreicht und dieses Niveau über mehrere Jahre gehalten. Interfax berichtete damals über seine Analyse.

Der Vergleich relativiert den Eindruck eines außergewöhnlichen Exportbooms. Der für 2025 genannte Dollarbetrag liegt zunächst in einer vertrauten Größenordnung. Eine unveränderte Liefermenge ist damit allerdings ebenso wenig nachgewiesen wie ein realer Zuwachs. Preise und die Zusammensetzung der Geschäfte können sich verändern; Zahlungseingänge und die Auslieferung militärischer Technik müssen zudem nicht in dasselbe Kalenderjahr fallen. Für eine belastbare Wachstumsrechnung wären vergleichbar abgegrenzte Daten nötig.

Auch der Auftragsbestand ist von den jährlichen Erlösen zu unterscheiden. Am 18. September erklärte Putin laut Interfax, das Portfolio ausländischer Rüstungsaufträge übersteige 70 Milliarden Dollar. Diese Summe beschreibt vertraglich gebundene Geschäfte, deren Umsetzung sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Sie ist weder ein bereits erzielter Jahresumsatz noch der Wert der in diesem Jahr ausgelieferten Waffen.

Die Priorität innerhalb der Produktion benannte der Erste stellvertretende Ministerpräsident Denis Manturow im Mai ausdrücklich. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung Wedomosti hätten Lieferungen an das russische Verteidigungsministerium uneingeschränkten Vorrang. Dennoch seien im Rahmen der militärtechnischen Zusammenarbeit 2025 Einnahmen von rund 15 Milliarden Dollar erzielt worden. Für die Unternehmen bedeutet das, Exportverpflichtungen unter den Bedingungen des hohen Eigenbedarfs erfüllen zu müssen.

Putin stellte die Auslandsgeschäfte im Januar als Beleg für die Widerstandsfähigkeit der Branche dar. Zugleich verwies er auf gewachsenen westlichen Druck auf russische Partner. Die Einnahmen sollen seinen Angaben zufolge zusätzliche Möglichkeiten schaffen, Betriebe zu modernisieren, Produktionskapazitäten auszubauen und Forschung zu finanzieren. Für 2026 bis 2028 seien weitere staatliche Unterstützungsmaßnahmen vorgesehen; die Exporte sollten 2026 deutlich steigen.

Damit haben die Ausfuhren eine doppelte Bedeutung: Sie bringen Devisen ein und sollen zugleich die industrielle Basis stärken, die auch für die eigene Armee produziert. Ob der angekündigte Ausbau tatsächlich gelingt, wird sich an erfüllten Verträgen und nachvollziehbaren Jahresergebnissen zeigen. Ein großer Auftragsbestand dokumentiert Nachfrage – die Fähigkeit zur fristgerechten Lieferung muss sich in der Produktion erweisen.

Kommentare