Die größten Sorgen der russischen Unternehmen haben sich 2025 kaum verändert: Fachkräftemangel, steigende Tarife, hohe Zinsen, höhere Produzentenpreise und wachsende Steuerlast zählen laut einer Umfrage des Unternehmerverbands RSPP zu den fünf wichtigsten Belastungen. Neu ist vor allem, dass aus Sicht vieler Firmen die Steuerfrage deutlich schärfer geworden ist. Während sich bei anderen Problemen die Lage gegenüber 2024 leicht entschärft hat, nahm der Druck durch höhere Abgaben und neue Steuerregeln spürbar zu.
Grundlage des Berichts ist eine Befragung von 300 Unternehmen Ende 2025, davon rund 60 Prozent Großunternehmen. Demnach nannten 62 Prozent der Befragten den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften als zentrales Problem, nach 70 Prozent im Vorjahr. Zugleich stieg der Anteil derjenigen, die „zu hohe Steuern“ zu den größten Belastungen zählen, von 29 auf 37 Prozent. Hintergrund sind unter anderem die Erhöhung der Gewinnsteuer auf 25 Prozent im Jahr 2025, die angekündigte Mehrwertsteueranhebung auf 22 Prozent ab 2026 und strengere Regeln für Unternehmen im vereinfachten Steuersystem.
Der Bericht unterscheidet zwischen akuten Kernproblemen und weiteren, zwar relevanten, aber weniger dominanten Belastungen. Zu den „bedeutenden“ Schwierigkeiten zählen unter anderem Nachfrageschwäche, zunehmende Zahlungsausfälle bei Geschäftspartnern, erschwerter Kreditzugang und die Instabilität des Rubels. Themen wie Bürokratie, Korruption oder Enteignungsrisiken tauchen zwar ebenfalls auf, werden aber von deutlich weniger Unternehmen als vordringlich genannt.
Ökonomen, die im Artikel zitiert werden, gehen davon aus, dass sich die meisten dieser Probleme nicht rasch erledigen werden. Sinkende Zinsen könnten zwar etwas helfen, doch viele andere Belastungen seien strukturell: der Personalmangel, steigende Tarifkosten sowie höhere Steuer- und Betriebslasten. Der Artikel verweist zudem auf steigende Strom- und Transportkosten sowie darauf, dass die Zinsausgaben der Unternehmen 2025 im Jahresvergleich um 44,8 Prozent auf 16 Billionen Rubel gestiegen seien.
Besonders aufmerksam macht der Bericht auf ein Warnsignal, das erstmals stärker hervortritt: wachsende Zahlungsausfälle zwischen Unternehmen. Ein Viertel der Befragten bezeichnete dieses Problem inzwischen als relevant. Experten werten das als typischen Spätindikator einer sich verschlechternden Lage: Wenn Firmen ihre Engpässe nicht mehr mit Krediten oder Reserven überbrücken können, geben sie den finanziellen Druck an ihre Geschäftspartner weiter. Als besonders gefährdet gelten demnach Kohleindustrie, Metallurgie und Autobau.
Der Kern der Analyse lautet damit: Russlands Wirtschaft leidet nicht bloß unter einem konjunkturellen Durchhänger. Ein Teil der Probleme mag zyklisch sein, etwa das hohe Zinsniveau. Doch vieles, was die Unternehmen belastet, ist tiefer verankert und dürfte den Wirtschaftsalltag noch länger prägen.

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