Russlands unabhängige Tankstellen unter Druck – mehr Geschäftsaufgaben, weniger Neugründungen

Russlands unabhängige Tankstellen unter Druck – mehr Geschäftsaufgaben, weniger Neugründungen

Im russischen Kraftstoffeinzelhandel werden erstmals seit 2022 mehr Unternehmen aufgelöst als neu gegründet. Hohe Einkaufspreise, Lieferprobleme und steigende Betriebskosten setzen insbesondere unabhängige Tankstellen unter Druck. Die Zahl der Unternehmensauflösungen lässt allerdings keinen direkten Schluss auf die Zahl geschlossener Standorte zu.

In den ersten neun Monaten 2026 wurden in Russland 935 Unternehmen und Einzelunternehmen im Kraftstoffeinzelhandel aufgelöst. Das waren 16,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sank die Zahl der Neuregistrierungen um 28,4 Prozent auf 668. Das berichtet Kommersant auf Grundlage von Daten des Unternehmensinformationsdienstes Kontur.Fokus.

Zum 1. Oktober waren demnach rund 10.720 Unternehmen und Einzelunternehmer in diesem Marktsegment tätig – 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die Statistik erfasst Betreiber, nicht einzelne Tankstellen. Ein Unternehmen kann mehrere Stationen betreiben; umgekehrt kann ein Standort unter einem anderen Betreiber weiterbestehen. Von 935 geschlossenen Tankstellen zu sprechen, wäre deshalb irreführend.

Hohe Einkaufspreise drücken die Marge

Als wesentliche Belastungen nennen die von Kommersant befragten Branchenvertreter den sommerlichen Anstieg der Großhandelspreise und Lieferstörungen durch ungeplante Raffineriereparaturen. Gleichzeitig laufen die festen Betriebskosten weiter.

Sergej Tereschkin, Geschäftsführer von Open Oil Market, sieht zudem die Absenkung der verpflichtenden Börsenverkaufsquote von 15 auf zehn Prozent als Belastung. Dadurch sei es für unabhängige Betreiber schwieriger geworden, Kraftstoff zu tragbaren Preisen einzukaufen.

Nach der von Expert aufgegriffenen Branchenschätzung entfallen auf unabhängige Anbieter rund 60 Prozent der Tankstellen, aber nur 30 bis 40 Prozent des Kraftstoffabsatzes. Teilweise lagen ihre Verkaufspreise zuletzt 10 bis 40 Rubel je Liter über denen der großen Ölkonzerne.

Damit entsteht ein wirtschaftliches Dilemma: Wer höhere Beschaffungskosten weitergibt, riskiert Kundenverluste. Wer die Preise der günstigeren Konkurrenz hält, gefährdet seine Rentabilität.

Versorgung entscheidet über die Perspektive

Besonders zugespitzt war die Lage nach Einschätzung einer anonymen Branchenquelle im Moskauer Raum: Im August und Anfang September hätte der kostendeckende Verkaufspreis für AI-92 bei unabhängigen Betreibern etwa 120 Rubel je Liter betragen. Diese Schätzung ist weder ein landesweiter Durchschnitt noch ein allgemein beobachteter Tankstellenpreis.

Für eine Erholung kommt es nach Einschätzung der zitierten Analysten vor allem auf verlässlich verfügbare Kraftstoffmengen und günstigere Beschaffung an. Eine schnelle Rückkehr neuer Anbieter erwarten sie nicht.

Sollten unabhängige Betreiber dauerhaft ausscheiden, könnte dies den Wettbewerb schwächen. Ob ihre Standorte schließen oder von größeren Unternehmen übernommen werden, geht aus den Registrierungszahlen jedoch nicht hervor. Belegt ist zunächst: Im russischen Kraftstoffeinzelhandel geben mehr Unternehmen auf, während deutlich weniger neu hinzukommen.

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