Um das russische Regionalflugzeug TVRS-44 „Ladoga“ ist am Donnerstag Verwirrung entstanden. Zunächst hatten russische Medien unter Berufung auf den Chefkonstrukteur für Transportflugzeuge des Uraler Zivilluftfahrtwerks UZGA, Sergej Merenkow, gemeldet, das Projekt sei ausgesetzt worden und solle mit seinem bisherigen wissenschaftlich-technischen Vorlauf an das Verteidigungsministerium übergeben werden. Nur wenig später dementierte das Werk selbst eine solche Entscheidung. Die Information über eine Aussetzung des Projekts sei „unkorrekt“, teilte UZGA dem Kommersant mit.
Nach der ersten Darstellung Merenkows sollte der bisher zivile Regionalflieger künftig im Interesse des Verteidigungsministeriums weiterentwickelt werden — möglicherweise als Frachtversion mit Rampe, als Frachtflugzeug mit seitlicher Tür oder weiterhin als Passagiervariante. Der erste Flug der Maschine sei trotzdem noch für 2026 vorgesehen. „Der erste Flug ist uns erlaubt, deshalb planen wir, das Flugzeug fertigzubauen und 2026 in die Luft zu bringen“, zitierte Expert den Konstrukteur.
UZGA stellte die Lage anschließend anders dar. Auf der aktuellen Entwicklungsstufe seien „derartige Entscheidungen“ nicht getroffen worden. Man prüfe zwar die Möglichkeit, das Aussehen beziehungsweise die Konfiguration der Maschine in Richtung einer Frachtversion zu verändern. Von einer Einstellung oder Aussetzung des Projekts könne aber nicht die Rede sein. Am ersten Versuchsexemplar liefen Arbeiten, um den Erstflug vorzubereiten. Ende Dezember 2025 sei die Stapelmontage abgeschlossen worden: Der Flugzeugrumpf sei zusammengefügt und Baugruppen wie das Fahrwerk installiert worden. Derzeit würden Systeme und Ausrüstung eingebaut und getestet.
Die „Ladoga“ ist als zweimotoriges Turbopropflugzeug für bis zu 44 Passagiere geplant. Sie soll langfristig sowjetische Maschinen wie An-24, An-26 und Jak-40 ersetzen, die in vielen Regionen Russlands noch immer im Einsatz sind. Gerade für dünn besiedelte Gebiete, den Norden, Sibirien und den Fernen Osten gilt ein solches Flugzeug als wichtig, weil dort kleinere Regionalverbindungen oft auf robuste, aber veraltete sowjetische Technik angewiesen sind
Das Projekt war ursprünglich im Auftrag des Industrie- und Handelsministeriums entwickelt worden. Nach früheren Plänen sollte die Zertifizierung 2029 erfolgen, die Auslieferung wurde bereits von 2025 auf 2028 verschoben. Im Plan des Ministeriums war von 105 Maschinen die Rede. Zudem gab es bereits Absichtserklärungen mit regionalen Fluggesellschaften: 2024 unterzeichneten UZGA und die fernöstliche Airline Aurora ein Rahmenabkommen über 15 Flugzeuge, 2023 war eine Vereinbarung über 20 Maschinen für KrasAvia in den Jahren 2026 bis 2030 geschlossen worden.
Der Vorgang zeigt, wie angespannt die Lage im russischen Flugzeugbau bleibt. Einerseits braucht Russland dringend Ersatz für alternde Regionalflugzeuge und für westliche Technik, deren Wartung und Beschaffung durch Sanktionen erschwert ist. Andererseits konkurrieren zivile Programme zunehmend mit militärischen Prioritäten, knappen Entwicklungsressourcen und langen Zertifizierungsfristen. Dass nun schon die Frage, ob ein ziviles Regionalflugzeug teilweise in Richtung Verteidigungsministerium wandert, widersprüchlich kommuniziert wird, dürfte das Vertrauen potenzieller Betreiber kaum stärken.
Für die Regionen bleibt entscheidend, ob die „Ladoga“ tatsächlich wie angekündigt 2026 erstmals fliegen kann — und ob daraus später ein zertifiziertes Serienflugzeug für den zivilen Verkehr wird. Genau an diesem Punkt endet die Klarheit: Offiziell spricht UZGA weiter von laufenden Arbeiten am Erstflug. Die ursprüngliche Aussage seines eigenen Chefkonstrukteurs deutet jedoch darauf hin, dass über Rolle, Auftraggeber und künftige Versionen der Maschine intern offenbar noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

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