Kaspersky-Mitgründerin warnt vor ausländischer KI: „Wir wissen nicht, was wir da einführen“

Kaspersky-Mitgründerin warnt vor ausländischer KI: „Wir wissen nicht, was wir da einführen“

Die russische IT-Unternehmerin Natalja Kasperskaja warnt vor hohen Risiken beim Einsatz ausländischer generativer KI-Systeme in Russland. Die Präsidentin der Unternehmensgruppe InfoWatch sagte auf einer „Kommersant“-Diskussionsrunde im Rahmen der Digital-Konferenz ZIPR in Nischni Nowgorod, vertrauliche Daten könnten bei der Nutzung solcher Systeme auf ausländische Server gelangen und dort weiterverwendet werden – etwa zum Training von Modellen oder zur Weitergabe an Dritte.

Nach Kasperskajas Einschätzung steht Russland bei generativer KI vor einem Grundproblem: Eigene Lösungen seien noch nicht in ausreichendem Maße vorhanden, während der Rückgriff auf internationale Modelle sicherheitspolitische Abhängigkeiten schaffe. Wenn ein Unternehmen ein fremdes Modell in die eigene Infrastruktur integriere, gebe es zwei schlechte Optionen: Entweder man schotte es stark ab und beschränke damit seine Leistungsfähigkeit – oder man nutze den internationalen Erfahrungsschatz und riskiere dabei Datenabfluss.

Besonders kritisch sieht Kasperskaja den Einsatz solcher Technologien in sensiblen Unternehmens- und Staatsbereichen. Informationen über interne Infrastruktur, Prozesse oder Schwachstellen könnten in die Modelle einfließen. Sollte auf der Gegenseite ein Akteur sitzen, der Russland schaden wolle, könne er dies nach ihrer Darstellung sehr leicht ausnutzen.

Die InfoWatch-Chefin warnte zudem davor, ausländische Lösungen lediglich zu kopieren. Russland laufe dann Gefahr, erneut in eine technologische Aufholspirale zu geraten. Derzeit werde die Welt an scheinbar kostenlose KI-Angebote gewöhnt, sagte sie sinngemäß: Unternehmen würden zum Einsatz gedrängt, ohne genau zu verstehen, wie diese Systeme funktionierten und welche Abhängigkeiten dadurch entstünden. Später müsse man dann versuchen, das bereits eingeführte Fremdprodukt durch einheimische Lösungen zu ersetzen.

Der Hintergrund der Debatte ist der politische Kurs der russischen Führung, künstliche Intelligenz bis 2030 in allen Bereichen einzuführen. Das Digitalministerium arbeitet seit Ende 2025 an einem Gesetzentwurf zur Regulierung von KI. Nach Angaben des „Kommersant“ sollen darin Begriffe wie „souveränes KI-Modell“ und „nationales KI-Modell“ eingeführt werden. Vorgesehen ist demnach auch eine verpflichtende Zertifizierung solcher Modelle durch die technischen und Sicherheitsbehörden FSTEK und FSB.

Für Unternehmen könnte sich daraus ein neuer staatlich gelenkter Markt ergeben: Zertifizierte russische Modelle könnten bevorzugt oder sogar vorinstalliert auf Smartphones und Tablets angeboten werden. Marktteilnehmer weisen allerdings darauf hin, dass die vollständige Entwicklung eigener Modelle ohne Nutzung ausländischer Open-Source-Lösungen teuer und wenig zweckmäßig wäre.

Kasperskajas Warnung zeigt damit ein zentrales Dilemma der russischen Digitalpolitik: Einerseits soll KI schnell und flächendeckend eingeführt werden, andererseits will der Staat technologische Souveränität und Kontrolle über Datenflüsse sichern. Je stärker Russland aber aus Sicherheitsgründen auf abgeschottete nationale Lösungen setzt, desto größer wird das Risiko, bei Tempo und Leistungsfähigkeit gegenüber internationalen Modellen zurückzufallen.

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