Russlands CO₂-Markt: Millionen Zertifikate, kaum Käufer

Russlands CO₂-Markt: Millionen Zertifikate, kaum Käufer

Auf dem russischen Markt für CO₂-Zertifikate wächst das Angebot, während die Nachfrage weiter zurückfällt. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 wurden nur noch 74.100 sogenannte Kohlenstoffeinheiten gehandelt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 126.900 gewesen. Das Handelsvolumen sank damit um rund 42 Prozent.

Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung der Beratungsfirma Kept über den russischen Kohlenstoffmarkt. Bis zum 1. August waren demnach 127 Klimaschutzprojekte registriert. Sie könnten insgesamt mehr als 109 Millionen Kohlenstoffeinheiten erzeugen; 37,6 Millionen befinden sich bereits im Umlauf.

Gehandelt wurden seit dem Start des russischen Marktes im Jahr 2022 jedoch insgesamt nur 286.000 Einheiten. Das entspricht weniger als einem Prozent des derzeit verfügbaren Bestands. Kept spricht deshalb von einem strukturellen Ungleichgewicht zwischen einem schnell wachsenden Angebot und einer weitgehend stagnierenden Nachfrage.

Eine Kohlenstoffeinheit entspricht einer nach festgelegten Verfahren nachgewiesenen Einsparung oder Bindung von einer Tonne Kohlendioxid beziehungsweise einer entsprechenden Menge anderer Treibhausgase. Unternehmen können solche Einheiten verwenden, um eigene Emissionen auszugleichen, oder sie an Betriebe verkaufen, die ihre Emissionsvorgaben nicht einhalten.

Der wichtigste Nachfrager ist bislang das regionale Klimaexperiment auf Sachalin. Dort gelten für beteiligte Unternehmen verbindliche Emissionsquoten. Doch auch auf der fernöstlichen Insel ging der Bedarf deutlich zurück: Die Unternehmen des Sachalin-Experiments kauften 2026 bislang 68.100 Kohlenstoffeinheiten, nach 124.700 im Vorjahreszeitraum.

Der Rückgang hat dabei einen durchaus positiven Hintergrund. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Emissionsquoten überschritten, sank 2025 von zwölf auf vier. Auch die Menge der über den Vorgaben liegenden Emissionen verringerte sich um mehr als die Hälfte. Für den noch jungen Zertifikatemarkt bedeutet die bessere Einhaltung der Quoten allerdings den Verlust seines wichtigsten Kundenkreises.

Eine freiwillige Nachfrage außerhalb staatlicher Vorgaben entwickelt sich bislang kaum. Zwar wurden 2026 erstmals Zertifikate für Privatpersonen erworben, ihr Gesamtvolumen lag jedoch bei lediglich 220 Einheiten. Nach Einschätzung der an der Kept-Untersuchung beteiligten Fachleute werden Unternehmen vor allem durch die Erwartung strengerer Klimavorschriften zum Einstieg in den Markt bewegt.

Neue Nachfrage erhofft sich die Branche von der Berechnung und Kompensation des CO₂-Fußabdrucks einzelner Produkte sowie von einer internationalen Anerkennung russischer Zertifikate. Russland beantragte im März bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO die Zulassung seines Systems für das internationale Kompensationsprogramm CORSIA. Bei einer Genehmigung könnten russische Kohlenstoffeinheiten zum Ausgleich der Emissionen internationaler Flüge eingesetzt werden.

Ob daraus ein bedeutender Absatzmarkt entsteht, bleibt offen. Nach Einschätzung von Experten müssen russische Klimaprojekte dafür internationalen Qualitätsstandards entsprechen. Ohne neue gesetzliche Verpflichtungen oder den Zugang zu internationalen Kompensationssystemen dürfte der russische CO₂-Markt vorerst vor allem eines produzieren: weitere Zertifikate, für die sich kaum Käufer finden.

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