Russland verschärft die Einfuhrbeschränkungen gegen Armenien. Vom 27. Juli an dürfen keine armenischen Milchprodukte mehr auf den russischen Markt gelangen. Moskau begründet den Schritt mit Verstößen gegen veterinärmedizinische Vorschriften. Die armenische Lebensmittelaufsicht weist die Vorwürfe zurück.
Der russische Agraraufsichtsdienst Rosselchosnadsor hatte vom 14. bis 21. Juli mehrere armenische Molkereien überprüft, deren Produkte bislang aufgrund von Garantien der armenischen Veterinärbehörden nach Russland geliefert werden durften.
Nach Darstellung der russischen Kontrolleure verwendeten die Betriebe unter anderem Milch von erkrankten Tieren. Außerdem seien für besonders fetthaltige Produkte Rohstoffe aus Drittstaaten verarbeitet worden, obwohl Armenien zugesichert habe, ausschließlich einheimische oder aus Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion stammende Rohstoffe einzusetzen.
Rosselchosnadsor beanstandete zudem die Rückverfolgbarkeit der verwendeten Milch. Vor allem bei Lieferungen kleiner privater Höfe könne deren Herkunft und gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht zuverlässig bestätigt werden. Ähnliche Mängel seien bereits bei Kontrollen in den Jahren 2023 und 2024 festgestellt worden.
In den russischen Berichten werden vier betroffene Unternehmen genannt: Green Prod, Spayka, Alashkert Group und Arax-2. Die Anordnung selbst geht allerdings darüber hinaus und verlangt, die Einfuhr von Milchprodukten aus Armenien insgesamt zu unterbinden.
Die armenische Aufsichtsbehörde widersprach noch am Freitag. Bei den gemeinsam mit russischen Spezialisten durchgeführten Kontrollen der vier Betriebe seien weder Hinweise auf die Verarbeitung von Milch kranker Tiere noch auf den Einsatz importierter Rohstoffe gefunden worden. Damit stehen sich die Darstellungen der beiden Behörden unmittelbar gegenüber.
Für Armeniens Milchindustrie ist der russische Markt von erheblicher Bedeutung. Nach Zahlen der UN-Handelsdatenbank Comtrade exportierte das Land 2025 Milchprodukte im Wert von rund 16 Millionen Dollar nach Russland. Dabei handelte es sich überwiegend um Käse und Quark. Bis zu 80 Prozent der armenischen Ausfuhren dieser Warengruppe gingen nach Russland.
Der wirtschaftliche Umfang ist überschaubar, politisch reiht sich die Maßnahme jedoch in eine inzwischen lange Serie russischer Importbeschränkungen ein. Seit Ende Mai wurden bereits armenisches Obst und Gemüse, Kräuter, Trockenfrüchte, Blumen, Fisch, Mineralwasser der Marke Dschermuk sowie Teile der Weinbrandproduktion vom russischen Markt ausgeschlossen.
Moskau erklärt die einzelnen Verbote mit Qualitätsmängeln und unzureichenden armenischen Kontrollen. Ihr gehäuftes Auftreten fällt jedoch mit der politischen Abkehr Eriwans von Russland und der Annäherung an die Europäische Union zusammen. Russische Behörden bestreiten einen solchen Zusammenhang, während unabhängige Beobachter und die EU von gezieltem wirtschaftlichem Druck sprechen.
Ministerpräsident Nikol Paschinjan hatte Anfang Juli bei einem Besuch in Jekaterinburg noch die Hoffnung geäußert, die „problematischen Fragen“ im Verhältnis zu Russland lösen zu können. Zugleich bekräftigte er Armeniens Interesse an einer weiteren Mitgliedschaft in der von Moskau dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion. Die wachsende Zahl der Handelsbarrieren deutet jedoch darauf hin, dass die Trennung von Russland längst nicht mehr nur auf der diplomatischen Ebene stattfindet.
Die armenischen Milchprodukte sind damit ein weiterer Eintrag in einer Trennungschronik, die inzwischen fast wöchentlich fortgeschrieben wird: offiziell als Folge technischer Kontrollen, tatsächlich aber vor dem Hintergrund eines Bündnisses, dessen politische und wirtschaftliche Grundlagen Stück für Stück zerfallen.

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