Russlands Präsident erklärt den Rückgang der Inflation zum Erfolg von Regierung und Zentralbank. Doch ein Teil der anstehenden Verteuerung ist lediglich verschoben: Die Erhöhung der Wohn- und Kommunaltarife im Oktober dürfte die Jahresinflation nach Einschätzung eines Zentralbankberaters um etwa 0,7 Prozentpunkte anheben.
Die Inflation in Russland sei unter Kontrolle und gehe allmählich zurück, erklärte Präsident Wladimir Putin am 17. September bei einer Sitzung zu Wirtschaftsfragen. Die Maßnahmen der Regierung und der Bank von Russland zeigten Wirkung. Zum 14. September habe die jährliche Inflationsrate bei 6,2 Prozent gelegen, sagte Putin laut Kommersant. Die wirtschaftliche Entwicklung entspreche insgesamt den Erwartungen der Behörden.
Die jüngsten Wochenzahlen zeigen einen nur geringen durchschnittlichen Preisanstieg. Nach der Rosstat-Mitteilung betrug die Teuerung vom 8. bis zum 14. September 0,02 Prozent. Seit Jahresbeginn summierte sie sich auf 4,74 Prozent. Diese Werte messen unterschiedliche Zeiträume: Die Wochenrate beschreibt die jüngste Preisbewegung, die Zahl seit Jahresbeginn den Anstieg gegenüber Ende Dezember. Die von Putin genannte Jahresrate vergleicht dagegen mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Bereits am Vortag hatte Kirill Tremassow, Berater der Zentralbankpräsidentin, auf einen bevorstehenden Preisschub hingewiesen. Die für den 1. Oktober vorgesehene Erhöhung der Wohn- und Kommunaltarife werde unmittelbar etwa 0,7 Prozentpunkte zur Jahresinflation beitragen, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax. Damit rücke die Teuerung an die obere Grenze der bisherigen Zentralbankprognose von sechs bis sieben Prozent für 2026.
Tremassow bezifferte die aktuelle Jahresinflation auf rund 6,3 Prozent. Wäre die Tariferhöhung bereits am 1. Juli erfolgt, läge die Rate nach seiner Einschätzung schon bei ungefähr sieben Prozent. Seine Aussage beschreibt damit auch, wie der Zeitpunkt staatlich regulierter Preisänderungen die jeweils ausgewiesene Inflation beeinflusst. Sie ist keine förmliche Anhebung der bisherigen Prognosespanne.
The Bell ordnet die Verschiebung politisch ein: Die höheren Tarife würden erst nach den Wahlen wirksam. Belegt ist durch Tremassows Aussage die Verlegung von Juli auf Oktober; eine Begründung für diesen Termin nennt er in der Interfax-Meldung nicht. Für Verbraucher bedeutet der spätere Termin zunächst einen Aufschub der zusätzlichen Belastung.
Putin verband seine Inflationsbewertung mit weiteren Kennzahlen. Für das Gesamtjahr erwartet er ein Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent. Die Arbeitslosigkeit liege mit 2,3 Prozent nahe ihrem historischen Tiefstand. Zudem seien die Einzelhandelsumsätze in den ersten sieben Monaten um 5,4 Prozent gestiegen. Die stabile Beschäftigungslage und wachsende Einkommen stützten die Verbrauchernachfrage, erklärte der Präsident.
Der Rückgang der Inflationsrate und die Warnung vor höheren Tarifen widersprechen einander nicht. Putin bewertet den bisherigen Verlauf, Tremassow beziffert eine noch ausstehende Preisänderung. Wie sich die Jahresinflation nach Oktober tatsächlich entwickelt, hängt zugleich von den übrigen Preisen und der Vergleichsbasis des Vorjahres ab. Der erwartete Tarifeffekt lässt sich deshalb nicht einfach als sichere Jahresendrate auf die heutige Zahl aufschlagen.
Für die Haushalte bleibt entscheidend, dass eine nachlassende Inflation die bereits erfolgten Preissteigerungen nicht rückgängig macht. Und bei den Wohn- und Kommunaltarifen steht die nächste Erhöhung erst noch bevor. Die politische Aussage, die Teuerung sei unter Kontrolle, muss sich somit auch an einer Belastung bewähren, deren Wirkung die Zentralbank bereits einkalkuliert.
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