Die Autoproduktion in Russland steigt, doch die Nachfrage schwächelt

Die Autoproduktion in Russland steigt, doch die Nachfrage schwächelt

Russlands Autowerke fertigen wieder mehr Fahrzeuge. Doch teure Kredite und hohe Anschaffungskosten bremsen die Käufer. Chinesische Technik prägt den Ausbau der Produktion, während neue Elektroautos und die mögliche Rückkehr europäischer Marken vor erheblichen Hürden stehen.

Die russische Pkw-Produktion wächst: Von Januar bis Juli 2026 wurden nach Angaben der Statistikbehörde Rosstat 444.000 Fahrzeuge hergestellt, 8,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwarten die von Kommersant befragten Analysten überwiegend 700.000 bis 800.000 Pkw, nach 673.000 im Jahr 2025. Die Spanne zeigt allerdings erhebliche Unsicherheit: Im pessimistischen Szenario der Beratung Strategy Partners wären es lediglich 660.000 Fahrzeuge.

Hinter dem erwarteten Zuwachs stehen abgebaute Lagerbestände und die Ausweitung der Montage chinesischer Modelle. Nach Einschätzung des Analysten Wladimir Bespalow könnten Lada und UAZ zusammen weniger als die Hälfte der Jahresproduktion stellen. Den größeren Teil würden chinesische Marken sowie Fahrzeuge unter russischen Marken auf Grundlage chinesischer Technik ausmachen.

Die Nachfrage hält mit den Produktionsmöglichkeiten nur begrenzt Schritt. Hohe Kreditzinsen erschweren Neuanschaffungen. Viele Autofahrer behalten ihre Fahrzeuge länger oder kaufen jüngere Gebrauchtwagen. Branchenvertreter führen das Produktionsplus deshalb wesentlich auf eine stärkere Nutzung vorhandener Werke zurück. Für das Schlussquartal schließen sie erneute Drosselungen nicht aus, falls sich der Absatz abschwächt.

Wie sich die Belastung der Käufer verschiebt, beschreibt Auto.ru-Chefin Ksenija Sarezkaja im Interview mit der Zeitung: Weil Fahrzeuge länger genutzt und Originalersatzteile teurer werden, entsteht Finanzierungsbedarf auch für größere Reparaturen. Für die inzwischen zur T-Bank-Gruppe gehörende Plattform ist das ein Geschäftsfeld.

Gleichzeitig bleiben ausländische Fahrzeuge gefragt. Nach der von Kommersant angeführten japanischen Handelsstatistik stiegen die Pkw-Lieferungen aus Japan nach Russland im August um 18,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Kurzmeldung lässt allerdings offen, ob sich die Steigerung auf den Lieferwert oder die Stückzahl bezieht. Auch eine Aufteilung nach Neu- und Gebrauchtwagen fehlt.

Ein neues Angebot aus heimischer Entwicklung soll der Elektro-Pkw Atom schaffen. Im Moskwitsch-Werk hat nach Unternehmensangaben die Serienfertigung begonnen. Geplant sind zunächst 20 Fahrzeuge täglich und bis zu 10.000 Exemplare in den Jahren 2026 und 2027 zusammen. Entwickler Kama beziffert den Lokalisierungsgrad auf bis zu 70 Prozent. Erste Fahrzeuge werden bereits an Vorbesteller ausgeliefert. Der Preis liegt bei 3,98 Millionen Rubel; mit dem genannten Förderkreditprogramm sind es 3,055 Millionen.

Der Durchbruch reiner Elektroautos wird jedoch durch Ladelücken erschwert. Die Auto.ru-Chefin berichtet zwar von einem Nachfrageplus von fast 40 Prozent bei Elektroautos und Hybriden im Juli, betont aber, dass vor allem Hybride davon profitieren. Eine genaue Vergleichsbasis und die Messgröße nennt die Kurzmeldung nicht. Als Hindernisse für reine Stromer verweist sie auf große Entfernungen und fehlende Lademöglichkeiten, insbesondere für Bewohner von Mehrfamilienhäusern.

Auch eine mögliche Rückkehr europäischer Hersteller würde den Markt nicht kurzfristig verändern. Nach Einschätzung der Plattformchefin müssten diese praktisch neu anfangen: Die Werke haben sich verändert, Fachkräfte arbeiten andernorts, und Händler sind an chinesische Marken gebunden. Den Aufbau einer Fertigung unter den Lokalisierungsanforderungen veranschlagt sie auf drei bis fünf Jahre. Konkrete Rückkehrpläne werden in dem Beitrag nicht genannt.

Damit bleibt die Bezahlbarkeit eine zentrale Hürde für die Erholung. Zusätzliche Modelle und höhere Stückzahlen erweitern das Angebot. Ob daraus ein dauerhafter Aufschwung wird, entscheidet sich auch daran, wie viele Käufer sich einen Fahrzeugwechsel leisten können.

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