Portugals größte Bank Caixa Geral de Depósitos hat einen Teil ihrer russischen Kunden über die bevorstehende Schließung ihrer Konten informiert. Nach Angaben mehrerer Betroffener, auf die sich RBC beruft, sollen die Konten und damit verbundene Bankdienstleistungen zum 14. August 2026 beendet werden. Erste Benachrichtigungen seien bereits Anfang Juni eingegangen.
In den Schreiben fordert die Bank die Kunden demnach auf, nicht genutzte Scheckbücher sowie Karten und andere Zugangs- oder Verfügungsmittel zurückzugeben. Verbleibende Guthaben sollen in einer Filiale ausgezahlt werden können.
Betroffen sind nach den vorliegenden Informationen vor allem russische Staatsbürger ohne gültigen Aufenthaltstitel in Portugal oder solche Kunden, die ihre persönlichen Angaben und ihren Migrationsstatus bei der Bank nicht aktualisiert haben. Allerdings berichten russische Telegram-Chats und Medien auch von Fällen, in denen Personen mit portugiesischem Aufenthaltstitel oder Beschäftigung bei europäischen Unternehmen entsprechende Mitteilungen erhalten hätten.
Caixa Geral de Depósitos gilt als größter staatlicher Bankkonzern Portugals. Gerade deshalb hatte das Institut für viele Russen eine besondere Bedeutung: Es galt bislang als vergleichsweise zugänglich, auch für Menschen, die sich im Zusammenhang mit Visa- oder Aufenthaltsverfahren im Land aufhielten. In Portugal leben genaue Zahlen russischer Staatsbürger nicht öffentlich nachvollziehbar vor; Experten gehen aber davon aus, dass wegen der früher beliebten „goldenen Visa“ mindestens Tausende Konten betroffen sein könnten.
Die Bank selbst hat sich zu den konkreten Gründen bisher nicht öffentlich geäußert. RBC richtete nach eigenen Angaben eine Anfrage an Caixa Geral de Depósitos. Aus dem Umfeld der Betroffenen heißt es, die Maßnahme könne mit verschärften Sanktions- und Compliance-Vorgaben zusammenhängen. Schon im April hatten einige Kunden Aufforderungen erhalten, aktuelle Angaben zu ihrem Status und zu ihren persönlichen Daten einzureichen.
Der Fall reiht sich in eine breitere Entwicklung im europäischen Bankensektor ein. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben Banken und Finanzdienstleister in der EU ihre Prüfungen russischer Kunden erheblich verschärft. Besonders problematisch sind für die Institute Kunden mit russischem Pass, unklarem Aufenthaltsstatus, Einkommen oder Überweisungen mit Russlandbezug. Auch Neobanken und Zahlungsdienstleister hatten in den vergangenen Monaten den Zugang für russische Staatsbürger ohne EU-Aufenthaltsrecht eingeschränkt.
Formal richten sich EU-Sanktionen nicht pauschal gegen alle russischen Staatsbürger. Die Europäische Kommission betont jedoch immer wieder die Bedeutung verschärfter Kontrollen gegen Umgehungsgeschäfte. Im 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland wurden im April erneut Finanzdienstleistungen, Zahlungswege und Umgehungsstrukturen ins Visier genommen. Für Banken bedeutet dies in der Praxis häufig: Sie gehen über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus, um regulatorische Risiken zu vermeiden.
Für russische Kunden in Portugal ist die Entscheidung der Caixa Geral de Depósitos deshalb mehr als eine Einzelmaßnahme. Sie zeigt, wie sehr der Krieg und die Sanktionen inzwischen auch den Alltag jener Russen prägen, die legal in der EU leben oder dort erst noch ihren Aufenthaltsstatus klären müssen. Wer keinen eindeutig dokumentierten Aufenthaltstitel, transparente Einkommensquellen und aktuelle Bankunterlagen vorweisen kann, gerät zunehmend zwischen die Fronten von Sanktionsrecht, Bankaufsicht und Risikovermeidung.

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