Nur Richtungen? In Russland wurde ein Autostraßenrating veröffentlicht

Nur Richtungen? In Russland wurde ein Autostraßenrating veröffentlicht

Napoleon soll einmal gesagt haben, in Russland gibt es keine Straßen, nur Richtungen. Es war vor mehr als 200 Jahren. Diese Worte des französchen Kaisers, der mit seinem Feldzug in Russland angeblich auch wegen den schlechten Straßen so kläglich scheiterte, werden von den Russen immer noch sehr gerne zitiert. Der katastrophale Zustand der russischen Straßen ist allgemein bekannt und Thema von unzähligen Videos auf YouTube. Da viele russische Autofahrer Dash-Cams hinter der Frontscheibe installieren, scheint die Quelle für unglaublichsten Aufnahmen nie zu versiegen. Im Russischen gibt es sogar ein spezielles Wort für den schlechten Zustand der Fahrbahnen – „бездорожье“ – was man als Weglosigkeit, Unwegsamkeit oder schlechtes Gelände übersetzen kann.

Die Autostrecken Chabarowsk – Komsomolsk am Amur, Omsk – Tjumen, Omsker Autobahn, Autobahn Nowy Urengoi – man nennt sie in Russland „Straßen der Todes“ und sagt, dass sie mit Blut durchtränkt sind. Doch sieht in Wirklichkeit alles tatsächlich so schlimm aus? Das zwischenregionale Zentrum “Für Sicherheit der russischen Straßen“ MOZ hat neulich das Sicherheitsrating der Fahrbahnen für das Jahr 2017 veröffentlicht. Insgesamt hat man 22 föderale Autostraßen in drei Kategorien unter die Lupe genommen. Zur Kategorie M zählen Straßen, die Moskau mit anderen europäischen Hauptstädten verbinden. Kategorie R sind Autostraßen zwischen administrativen Zentren Russlands. Und zur Kategorie A zählen Zubringer zu großen Verkehrsknoten. Man hat ihre Länge, Einwohnerzahl der Städte in der Nähe, Zahl der Autounfälle und Zahl der Verwundeten oder Getöteten bei diesen Unfällen untersucht.

In der ersten Kategorie hat die Autobahn M 5 „Ural“ am schlechtesten abgeschnitten. Hier passierten sechs Mal mehr Unfälle (insgesamt 8241) mit 2409 Toten als auf der Autobahn „Baltia“ (1414 Autounfälle mit 353 Toten). Die Autostraße „Kawkas“ R217 brach alle traurigen Rekorde mit 2477 Todesopfern in einem Jahr. Als besonders unsicher hat sich die A-Kategorie erwiesen. Der Sicherheitsindex der Straße „Willij“ betrug 6,48. Im Vergleich: die sicherste Autobahn „Kola“ R21 mit „nur“ 395 Verkehrsunfällen und 87 Todesopfern hat den Sicherheitsindex 0,2.

„Der Verstoß gegen die Verkehrsregeln ist der erste Grund für Autounfälle“, erklärte der MOZ Experte Sergej Worobjow. „Die erhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer führen zu den meisten Unfällen. 32% der Unfälle passieren wegen der Müdigkeit oder Unkonzentriertheit und 14% weil die Autofahrer am Steuer telefonierten. Zu den ersten drei wichtigsten Gründen gehören vor allem aber technische Probleme mit dem Fahrzeug oder Straßenschäden“.

Im Jahre 2016 hat die russische Regierung 97 Milliarde Rubel für den Straßenbau und 248 Milliarden Rubel für Sanierung der Straßen ausgegeben. Doch russische Straßen scheinen ein Fass ohne Boden zu sein: wieviel Geld man in sie auch investiert, ihr Zustand lässt zu wünschen übrig.

Der große russische Dichter Alexander Puschkin hat im Jahre 1823 davon geträumt, wann russische Straßen endlich besser werden und prophezeite, dass es in etwa 500 Jahren der Fall sein wird. Also brauchen wir nur noch drei hundert Jahre zu warten.

[Daria Boll-Palievskaya/russland.CAPITAL]

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