Mehr Schäden, weniger Gewinn: Russlands Versicherer suchen Schutz bei Banken

Mehr Schäden, weniger Gewinn: Russlands Versicherer suchen Schutz bei Banken

Russlands Versicherungsbranche gerät unter Druck: Schäden werden teurer, Anlageerträge sinken. Große Finanzgruppen könnten vom Umbau des Marktes profitieren.

Nach Zentralbankzahlen, über die Kommersant berichtet, sank der Nettogewinn der Versicherer im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 206,5 Milliarden Rubel. Es war der erste Rückgang seit vier Jahren. Höhere Auszahlungen belasten die Branche, während sinkende Zinsen den Ertrag aus Kapitalanlagen schmälern.

Besonders deutlich werden die Schwierigkeiten bei der Kfz-Haftpflichtversicherung OSAGO. Reparaturen und Ersatzteile verteuern sich. Hinzu kommen nach Darstellung der Versicherer steigende Kosten gerichtlicher Auseinandersetzungen. Branchenverbandschef Jewgeni Ufimzew nennt Personal- und Filialabbau sowie höhere Preise als mögliche Reaktionen.

Zugleich erschweren Drohnenangriffe die Absicherung von Unternehmen. Laut Ufimzew können Versicherer bei besonders hohen Risiken erhebliche Prämien verlangen oder eine Deckung ablehnen. Ein Schutzumfang von zehn Milliarden Rubel reicht bei schweren Schäden an einer großen Raffinerie oder einem Logistikzentrum unter Umständen nur für einen Teil des Verlustes. Die wirtschaftliche Belastung endet damit keineswegs bei der beschädigten Anlage: Auch ihre Versicherbarkeit wird zum Problem.

Die Eigentümerlandschaft verändert sich bereits. Eine Übernahmeübersicht der Zeitung dokumentiert zunächst zahlreiche Verkäufe ausländischer Gesellschaften: So wechselten Tochterunternehmen von Société Générale, Allianz und weiteren internationalen Versicherungsgruppen den Besitzer. Für 2026 nennt Kommersant unter anderem den Erwerb von RNKB Strachowanije durch die MTS-Bank sowie die Übernahme von Kapital Life und Kapital Medizinskoje Strachowanije durch die Sowkombank.

Für kleinere unabhängige Anbieter wird es nach Einschätzung befragter Marktteilnehmer zunehmend schwieriger, allein zu bestehen. IT, Cybersicherheit und digitale Vertriebswege kosten Geld; zugleich steigen für einen Teil der Unternehmen die Kapitalanforderungen. Der Anschluss an eine größere Finanzgruppe kann deshalb wirtschaftlich attraktiver werden.

Bankengebundene Versicherer verfügen außerdem über einen entscheidenden Vorteil: den direkten Zugang zu bestehenden Kunden. Versicherungsschutz lässt sich in andere Finanzdienstleistungen einbinden. Nach Einschätzung der Beratung B1 werden vor allem Unternehmen innerhalb großer Finanzökosysteme sowie Versicherer mit Zugang zu zahlreichen externen Plattformen starke Positionen einnehmen. Die einzelne Police wird dabei zunehmend zum Bestandteil einer umfassenderen Kundenbeziehung.

Aus diesen Entwicklungen zeichnet sich eine Verschiebung ab: Wer Risiken absichern will, trifft künftig womöglich auf weniger unabhängige Anbieter. Für die großen Finanzgruppen eröffnet der Druck auf die Branche dagegen die Gelegenheit, Versicherungsgeschäft und Kundenzugang enger an sich zu binden.

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