China zahlt mehr: Russlands Ölgeschäft zwischen Preissprung und Transportproblemen

China zahlt mehr: Russlands Ölgeschäft zwischen Preissprung und Transportproblemen

Chinesische Raffinerien treiben die Preise für russisches Fernost-Öl nach oben. Gleichzeitig gingen Russlands Ölexporte über See im August zurück. Die neue Nachfrage verbessert die Verkaufsbedingungen, beseitigt aber keine Transportengpässe.

Für bestimmte Lieferungen russischen Erdöls nach China werden inzwischen erhebliche Preisaufschläge gemeldet. Nach einem Bericht von The Bell unter Berufung auf Bloomberg werden Novemberpartien der fernöstlichen Sorte ESPO Blend mit einer Prämie von mehr als 20 Dollar je Barrel gegenüber Brent gehandelt. Das sei etwa doppelt so viel wie in der Vorwoche.

Als Ursache nennt der Bericht fehlende Alternativen: Die amerikanische Seeblockade habe iranische Ölexporte weitgehend zum Erliegen gebracht; auch Lieferungen anderer Golfstaaten durch die Straße von Hormus seien weiterhin gestört. Chinesische Raffinerien suchen deshalb verstärkt nach russischem Ersatz. Die Angaben betreffen allerdings bestimmte kurzfristig gehandelte Lieferpartien einer einzelnen Sorte – einen entsprechenden Preissprung für sämtliche russischen Ölexporte belegen sie nicht.

Wie bedeutend China für die russische Ölwirtschaft geworden ist, hatte Rosneft-Chef Igor Setschin bereits am 4. September auf dem russisch-chinesischen Energieforum hervorgehoben. Seinen Angaben zufolge lieferte Russland in den ersten sieben Monaten 2026 insgesamt 67 Millionen Tonnen Rohöl nach China und erreichte damit einen Rekordanteil von 23 Prozent an dessen Ölimporten.

Setschin bezifferte den wirtschaftlichen Vorteil chinesischer Käufer durch russische Lieferungen seit 2022 auf etwa 27 Milliarden Dollar. Das war die Darstellung eines Verkäufers, der für die Attraktivität seines Angebots warb. Die heutigen Preisberichte zeigen nun, wie rasch sich die Verhandlungsbedingungen verändern können, wenn dem Käufer alternative Bezugsquellen fehlen.

Auf der Transportseite ist die Lage für Russland schwieriger. Ebenfalls am 4. September berichtete Kommersant, der russische Rohölexport über See sei im August gegenüber Juli um zwölf Prozent auf 3,83 Millionen Barrel täglich gesunken. Damit erreichten die Verschiffungen den niedrigsten Stand seit März. Verantwortlich war vor allem der Rückgang am Schwarzen Meer; andere Routen konnten die ausgefallenen Mengen nicht vollständig auffangen.

Der ausführliche Bericht beziffert die Ausfuhren über Schwarzmeerhäfen auf nur noch rund 380.000 Barrel täglich – weniger als die Hälfte des Juliwertes. Die Verschiffungen über die Ostsee stiegen dagegen lediglich um 1,7 Prozent. Kriegsrisiken schrecken Reeder ab und verteuern Transporte. Allerdings lagen die gesamten russischen Rohölexporte über See im August noch zwölf Prozent über dem Vorjahreswert: Der deutliche Monatsrückgang bedeutet deshalb keinen ebenso starken Einbruch im Jahresvergleich.

Auch die Preise unterscheiden sich erheblich nach Sorte und Lieferort. Für Urals im Ostseehafen Primorsk nennt Kommersant zum 2. September einen Preis von 75,63 Dollar je Barrel und einen Abschlag von 22,86 Dollar gegenüber Dated Brent. Diese Notierung lässt sich wegen anderer Lieferbedingungen, Zeitpunkte und Referenzen nicht unmittelbar mit den aktuellen ESPO-Aufschlägen vergleichen. Sie zeigt jedoch, warum von einem einheitlichen Preis für „russisches Öl“ keine Rede sein kann.

Zusammengenommen ergibt sich ein widersprüchliches Geschäftsumfeld. Die Knappheit alternativer Lieferungen stärkt Russlands Position gegenüber chinesischen Abnehmern. Zugleich begrenzen Transportprobleme, wie viel Öl tatsächlich verkauft und ausgeliefert werden kann. Ob höhere Preise die geringeren Mengen und zusätzlichen Kosten ausgleichen, lässt sich aus diesen Meldungen noch nicht berechnen. Für einzelne Lieferungen ist die Lage deutlich günstiger geworden; eine Entwarnung für das gesamte russische Ölgeschäft folgt daraus nicht.

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