Russlands Exporterlöse steigen, der Leistungsbilanzüberschuss wächst, und die jüngsten Rohölverschiffungen erreichen ihren höchsten Wert seit Ende Mai. Doch die besseren Einnahmen überdecken Schwierigkeiten bei Förderung und Verarbeitung. Über den Zustand der Staatskasse sagen sie allein wenig aus.
Russlands Außenwirtschaft verzeichnet deutlich höhere Einnahmen. Nach Angaben der Zentralbank erreichte der Leistungsbilanzüberschuss von Januar bis Juli 2026 insgesamt 33,9 Milliarden Dollar. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 21,5 Milliarden Dollar gewesen. Der Überschuss ist damit um rund 58 Prozent gewachsen.
Den größten Beitrag lieferte der Warenhandel. Die Exporte stiegen im Wert um 16,3 Prozent auf 271,8 Milliarden Dollar, die Importe um 15 Prozent auf 192,8 Milliarden Dollar. Daraus ergibt sich ein Handelsüberschuss von 79 Milliarden Dollar gegenüber 66 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Die Zentralbank führt den höheren Exportwert vor allem auf gestiegene Preise an den internationalen Rohstoffmärkten zurück. Die Zahlen beschreiben damit zunächst einen Zuwachs der Erlöse; ein entsprechender Anstieg der ausgeführten Mengen lässt sich daraus nicht ableiten.
Zusätzlichen Rückenwind erhält Russland derzeit beim Öl. Nach Bloomberg-Berechnungen auf Grundlage von Tankerbewegungen erreichte der Wert der jüngsten wöchentlichen Rohölverschiffungen 2,42 Milliarden Dollar. Das waren rund 620 Millionen Dollar mehr als in der Vorwoche und der höchste Wochenwert seit Ende Mai, berichtet The Bell. Sowohl höhere Preise als auch größere Liefermengen trugen dazu bei.
Russischen Anbietern helfen die Liefer- und Transportprobleme im Nahen Osten. Raffinerien in China und Indien suchen Ersatz für ausfallende Lieferungen. Zugleich hat Russland seine Verschiffungen über den Ostseehafen Ust-Luga ausgeweitet. Im Durchschnitt der vier Wochen bis zum 13. September erreichten die Rohölexporte auf dem Seeweg 3,54 Millionen Barrel täglich.
Hinter dem Exportanstieg steckt allerdings teilweise eine Schwächung der heimischen Verarbeitung. Laut The Bell wird zusätzliches Rohöl ausgeführt, weil es nach Angriffen auf Raffinerien im Inland nicht verarbeitet werden kann. Gleichzeitig sank die Förderung im August den neunten Monat in Folge auf 8,72 Millionen Barrel täglich. Der Bericht verweist dabei auf die von der OPEC veröffentlichten Schätzungen aus Sekundärquellen. Höhere Erlöse fallen somit mit sinkender Förderung und beschädigten Verarbeitungskapazitäten zusammen.
Für die Bewertung der russischen Staatsfinanzen ist eine weitere Unterscheidung entscheidend: Exporterlöse sind weder Unternehmensgewinne noch Haushaltseinnahmen. Aus ihnen müssen unter anderem Förderung und Transport finanziert werden; nur ein Teil gelangt über Steuern und andere Abgaben an den Staat. Auch ein Leistungsbilanzüberschuss stellt keinen frei verfügbaren Geldbestand der Regierung dar.
Die beiden Berichte belegen eine verbesserte außenwirtschaftliche Einnahmenlage. Ob diese den Staatshaushalt ausreichend entlastet, lässt sich ohne Angaben zu Steuereinnahmen, Ausgaben und Finanzierungslücken nicht beurteilen. Russland verdient am Rohstoffexport weiterhin erhebliche Summen. Dass zugleich ein Teil des zusätzlichen Öls wegen ausgefallener Raffineriekapazitäten ins Ausland fließt, zeigt jedoch, wie eng wirtschaftliche Entlastung und industrielle Schäden inzwischen nebeneinanderliegen.

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