Russische Unternehmen sind bereit, sich am Aufbau von Luftabwehrsystemen zum Schutz ihrer Produktionsanlagen zu beteiligen. Dafür fordert der Industriellenverband RSPP steuerliche Anreize. Sein Präsident Alexander Schochin rechnet mit einem langfristigen Schutzbedarf – auch über eine mögliche Beendigung des Krieges hinaus.
Russlands Wirtschaft will beim Schutz ihrer Standorte vor Luftangriffen finanziell einspringen. Man sei bereit, „zusammenzulegen“, sagte Alexander Schochin, Präsident des Russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer, der Nachrichtenagentur TASS. Das Wirtschaftsmagazin Expert griff den Vorstoß auf.
Schochin verbindet das Angebot mit einer Forderung an den Staat: Investitionen in entsprechende Schutzsysteme sollten steuerlich gefördert werden. Als Einstieg schlägt er ein Pilotprojekt für einen steuerlichen Investitionsabzug vor. Es gehe um erhebliche Summen. Auch während des Krieges solle der Staat solche Unternehmensinvestitionen gezielt anregen. Konkrete Finanzierungsvolumen, beteiligte Unternehmen oder einen Zeitplan nennt der Bericht nicht.
Den Schutzbedarf sieht der Verbandschef inzwischen in unterschiedlichen Wirtschaftszweigen. In einem weiteren von TASS veröffentlichten Teil des Interviews verwies er auf die Diskussion um Entschädigungen nach Angriffen auf Lagerhäuser von Wildberries. Sein Verband habe bereits damals ein einheitliches Vorgehen vorgeschlagen, weil auch andere Unternehmen betroffen sein könnten. Später sei Ozon in eine ähnliche Lage geraten. Neben Raffinerien rückten nun Rechenzentren in den Blick.
Schochin fordert deshalb, mögliche Gefährdungen früher zu berücksichtigen und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und staatlichen Stellen systematischer zu organisieren. Er verwies auf ein Gremium unter Leitung des Ersten Vizepremiers Denis Manturow, an dem auch Vizepremier Alexander Nowak und die militärische Führung beteiligt seien.
Auch eine mögliche Verständigung zur Beendigung des Krieges würde solche Investitionen nach Schochins Einschätzung nicht überflüssig machen. Seine Forderung nach einer langfristigen Schutzstrategie begründete er mit angeblichen fortbestehenden Angriffsabsichten europäischer Staaten und der NATO. Das ist die politische Bedrohungsdarstellung des Verbandschefs; Belege für diese Behauptung werden in den Berichten nicht angeführt.
Wirtschaftlich läuft sein Vorschlag auf eine Aufteilung der Kosten hinaus: Unternehmen würden Schutzmaßnahmen mitfinanzieren, der Staat würde sie durch Steuervergünstigungen unterstützen. Damit würde ein Teil der privaten Ausgaben über geringere Steuereinnahmen wieder von der öffentlichen Hand getragen.
Offen bleibt, wer die Anlagen beschaffen, betreiben und in die bestehende Luftverteidigung einbinden soll. Aus der Bereitschaft zur Finanzierung ergibt sich noch kein fertiges Schutzkonzept. Der Vorstoß zeigt aber, wie unmittelbar die Sicherung von Produktionsstätten inzwischen zur Investitionsfrage für Russlands Unternehmen geworden ist.

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