Knauf verlässt Russland nach Vorwürfen, am Wiederaufbau von Mariupol zu verdienen© russland.news

Knauf verlässt Russland nach Vorwürfen, am Wiederaufbau von Mariupol zu verdienen

Der deutsche Baustoffhersteller Knauf wird seine Geschäftstätigkeit in Russland aufgeben. In einer Pressemitteilung teilte das fränkischen Familienunternehmen mit, dass man sich „angesichts der aktuellen Ereignisse“ entschieden habe, das Geschäft „nach mehr als 30 Jahren in Russland“ aufzugeben. Das Geschäft werde an ein lokales Management übergeben, „um die Arbeitsplätze von mehr als 4.000 Mitarbeitern auch in Zukunft zu sichern“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Abschluss der Transaktion stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der russischen Behörden.

Die Ukraine hatte Knauf im November 2023 zu einem der „internationalen Sponsoren des Krieges“ erklärt. Nach Angaben der ukrainischen Nationalen Anti-Korruptionsbehörde (NAPC) hat der Baustoffhersteller allein im vergangenen Jahr rund 117 Millionen US-Dollar an den russischen Haushalt überwiesen. Laut NAPC habe Knauf seit 1993 mehr als 1,65 Milliarden Euro in die russische Wirtschaft investiert. Das Unternehmen habe in Russland zehn Tochtergesellschaften sowie 20 Fabriken und fast 30 Ressourcenzentren.

Anfang April 2024 beschuldigte die ARD Knauf, am Wiederaufbau von Mariupol beteiligt zu sein. Fotos von Baustellen zeigten Gipssäcke mit dem Logo des Unternehmens, und ein offizieller Knauf-Händler berichtete öffentlich über den Bau eines Wohnhauses im Auftrag des russischen Verteidigungsministeriums. Knauf selbst bestritt eine Beteiligung an den Arbeiten in Mariupol und betonte, dass das Unternehmen die EU-Sanktionen einhalte und die russische Aggression verurteile.

„Knauf unterhält keine direkten Lieferverträge zu Verbrauchern oder Verarbeitern von Knauf-Produkten in Russland. Unsere Produkte gelangen dort über viele verschiedene, von Knauf unabhängige Händler zu den Endkunden. Wir haben keinen Einfluss darauf, wie und wo die Endkunden unsere Produkte verwenden“, so eine Konzern-Sprecherin.

Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat inzwischen ein Vorermittlungsverfahren eingeleitet. Mit dem Hinweis des Sprechers der Staatsanwaltschaft, dass der Anfangsverdacht einer Straftat, der für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens erforderlich ist, jetzt noch nicht vorliege: „Vielmehr soll geklärt werden, ob ein solcher Anfangsverdacht überhaupt besteht.“

Die Firma Knauf ist in mehr als 90 Ländern vertreten, betreibt weltweit mehr als 300 Werke mit rund 40.000 Angestellten.

[hrsg/russland.NEWS]

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