Bargeld im Aufwind – digitaler Rubel auf Bewährung

Bargeld im Aufwind – digitaler Rubel auf Bewährung

Immer mehr Russen bevorzugen Bargeld für ihre Rücklagen. Die Zentralbank setzt beim digitalen Rubel auch auf künftige Zahlungen ohne Internet. Doch technische Erreichbarkeit allein dürfte nicht ausreichen, um die neue Geldform attraktiv zu machen.

Der Geldschein hat eine Eigenschaft, die Russlands digitaler Rubel erst noch unter Beweis stellen muss: Er funktioniert ohne Internet. Während Bargeld als bevorzugte Form der Geldaufbewahrung an Zuspruch gewinnt, stellt die Zentralbank deshalb die geplante Offline-Nutzung ihrer digitalen Währung als Wettbewerbsvorteil heraus.

Nach einer infOM-Befragung im Auftrag der Bank von Russland bevorzugten im September 38 Prozent der Befragten Bargeld zur Aufbewahrung ihrer Ersparnisse. Ein Jahr zuvor waren es 32 Prozent gewesen. Der Anteil derjenigen, die Bankkonten vorziehen, sank im selben Zeitraum von 43 auf 37 Prozent. Wie „Expert“ unter Berufung auf „Iswestija“ berichtet, erreichte die Bargeldpräferenz damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2022.

Die Ergebnisse beschreiben Einstellungen, nicht die tatsächliche Verteilung der Sparvermögen. Sie bedeuten weder, dass 38 Prozent der Ersparnisse bar gehalten werden, noch belegen sie einen entsprechenden Abfluss von Bankeinlagen. Auch der knappe Vorsprung gegenüber Bankkonten sollte ohne Angaben zur statistischen Unsicherheit vorsichtig bewertet werden. Bemerkenswert ist vor allem die Verschiebung gegenüber dem Vorjahr.

Als Erklärungen nennen die in den Berichten befragten Fachleute den Wunsch nach unmittelbarem Zugriff auf Geld sowie die Unabhängigkeit von Bankanwendungen und Kommunikationsnetzen. Hinzu kämen eine stärkere Kontrolle von Transaktionen und sinkende Einlagenzinsen. Diese Einschätzungen legen nahe, dass Bargeld auch als Reserve für Störungen und Einschränkungen geschätzt wird. Welches Motiv wie stark wiegt, lässt sich aus den genannten Umfragewerten allerdings nicht ablesen.

Eine passende Erfahrung schilderte der erste stellvertretende Zentralbankchef Wladimir Tschistjuchin am 8. Oktober auf einem Investitionsforum der Sberbank. Er sei im Sommer rund 200 Kilometer von Moskau entfernt gewesen, wo weder Verbindung noch mobiles Internet funktioniert hätten. Unter solchen Bedingungen komme Bargeld erhebliche Bedeutung zu. Könne der digitale Rubel künftig auch offline eingesetzt werden, erhalte er einen Wettbewerbsvorteil. Zugleich warnte Tschistjuchin davor, bereits von einer Verdrängung traditioneller Geldformen zu sprechen.

Damit benennt die Zentralbank einen möglichen Nutzen, dessen praktische Umsetzung sich noch bewähren muss. Eine verlässliche Offline-Zahlung könnte den digitalen Rubel für Menschen interessant machen, die bei Netzstörungen zahlungsfähig bleiben wollen.

Allerdings sind technische Erreichbarkeit und Vertrauen unterschiedliche Fragen. Wer eine Bargeldreserve gerade deshalb hält, weil er unabhängig von einem Kontozugang verfügen möchte, dürfte durch eine Offline-Funktion allein kaum überzeugt werden. Nach der bisherigen Beschreibung der Zentralbank werden digitale Rubel auf ihrer Plattform geführt; den Zugang vermitteln die angeschlossenen Banken. Offline-Nutzung wäre deshalb nicht automatisch mit der Unabhängigkeit eines Geldscheins gleichzusetzen.

Auch als Sparinstrument bietet die neue Geldform keinen Zinsvorteil gegenüber Bargeld. Die Bank von Russland betont ausdrücklich, dass digitale Rubel für Zahlungen und Überweisungen vorgesehen sind. Guthaben werden nicht verzinst.

Die wachsende Bargeldpräferenz ist somit kein unmittelbares Votum gegen den digitalen Rubel. Sie zeigt aber, welche Anforderungen die neue Geldform erfüllen muss. Für ihre Akzeptanz dürfte entscheidend sein, ob sie im Alltag einen erkennbaren zusätzlichen Nutzen bietet – und ob sich die Nutzer darauf verlassen können, gerade dann über ihr Geld zu verfügen, wenn Verbindungen ausfallen.

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