„Vorübergehende Verwaltung“: Russische Geschäfte von Auchan und Nestlé unter neuer Kontrolle

„Vorübergehende Verwaltung“: Russische Geschäfte von Auchan und Nestlé unter neuer Kontrolle

Russland hat Unternehmensbeteiligungen von Auchan, Nestlé und der früheren Leroy-Merlin-Kette einem neuen Verwalter unterstellt. Auch Logistikunternehmen sind betroffen. An der Spitze der kaum bekannten Verwaltungsgesellschaft steht nach Recherchen der Nowaja Gaseta Europa ein Generalmajor des Innenministeriums.

Die russischen Geschäfte mehrerer internationaler Konzerne werden künftig von einer staatlich bestimmten Gesellschaft verwaltet. Ein am 17. September unterzeichneter Präsidialerlass überträgt russische Vermögenswerte von Auchan und Nestlé der Aktiengesellschaft L.E.V. Management. Hinzu kommen Le Monlid, die Gesellschaft hinter der heute als Lemana PRO auftretenden früheren Leroy-Merlin-Kette, sowie Unternehmen aus dem Logistikbereich. Das berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den veröffentlichten Erlass.

Betroffen sind große Teile des alltäglichen Konsums. Auchan betreibt nach den von Interfax angeführten Unternehmensangaben 230 Geschäfte in 100 russischen Städten. Lemana PRO zählt 112 Märkte. Nestlé verfügt über sechs Produktionsstandorte in Russland. Der Konzern hatte sein Angebot nach 2022 eingeschränkt und den Schwerpunkt auf Grundbedarfsprodukte gelegt.

Die neue Verwaltungsgesellschaft ist bislang kaum öffentlich hervorgetreten. Interfax zufolge weist ihre veröffentlichte Rechnungslegung für 2025 noch keine aktive Geschäftstätigkeit aus. Angaben zu ihren Eigentümern sind nicht offengelegt. Als Generaldirektor ist Andrej Krajuschkin eingetragen.

Die Nowaja Gaseta Europa identifiziert ihn als Generalmajor des russischen Innenministeriums. Nach ihrer Recherche stimmen der vollständige Name und das Geburtsdatum des Geschäftsführers mit denen des Generals überein. Krajuschkin war demnach von 2016 bis mindestens 2020 erster stellvertretender Leiter der für Migration zuständigen Verwaltung des Ministeriums. Die Leitung von L.E.V. Management habe er erst am 10. September übernommen, eine Woche vor der Übertragung. Über seinen späteren dienstlichen Status berichtet die Zeitung keine gesicherten Einzelheiten.

Der Eingriff reicht über die bekannten Handels- und Lebensmittelmarken hinaus. Nach Angaben derselben Zeitung erfasst der Erlass auch drei Gesellschaften des französischen Logistikunternehmens FM Logistic, acht Gesellschaften von Batilogistic sowie das zu NG Concept gehörende Unternehmen Enge Stroi. Damit werden unter einem Verwalter Beteiligungen aus Handel, Produktion und Logistik zusammengeführt.

Bei Nestlé hatte sich der Schritt bereits abgezeichnet. Kommersant berichtete am 17. August, das Unternehmen KS Logistika habe um die Einführung einer vorübergehenden Verwaltung bei fünf russischen Nestlé-Gesellschaften gebeten. Als Begründung wurden nach Angaben eines Informanten fehlende Ausbaupläne und eingestellte Exporte russischer Produktion angeführt. Nestlé erklärte damals, seine Werke arbeiteten weiter und erfüllten ihre Verpflichtungen. Investitionen hätten in den Jahren 2022 bis 2025 der Aufrechterhaltung von Produktion und Betrieb gedient.

Die Bezeichnung „vorübergehende Verwaltung“ beschreibt dabei eine wichtige Trennung: Das Eigentum bleibt formal bestehen, die tatsächliche Verwaltung wird jedoch einem anderen Akteur übertragen. Die von Kommersant befragten Juristinnen betonten bereits im August, dass die Maßnahme selbst keinen Eigentümerwechsel darstellt. Ein späterer Verkauf oder eine Einziehung kann folgen; der Ausgang ist damit aber nicht vorgegeben. Als Gegenbeispiel verwiesen sie auf Ariston, dessen Vermögenswerte nach einer solchen Verwaltung an den bisherigen Eigentümer zurückgegeben wurden.

Für die jetzt betroffenen Eigentümer ist der unmittelbare Kontrollverlust somit konkreter als die Aussicht auf ein Ende des Eingriffs. Wie lange die Verwaltung dauert und welche dauerhafte Unternehmensstruktur daraus hervorgeht, bleibt nach den vorliegenden Berichten offen.

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